Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1889)
- Date
- 1889-01-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXX. Jahrgang. M 3. Israelit..»> Zeschurun. Mslhrift m Fördemg jüd. Geistes «yd jiid. Meis i» Ws. Gemlude M Kchrle. Gentrat-Hrgan für das orthodore Judentum. Herausgegeben von vi-. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den IO. Januar 5649 <1889). Leitende Artikel. I>er Kwige wird König sein immer und ewig. ii. Mainz, 7. Januar. Kehren wir nunmehr zu dem Midrasch zurück, welcher die Grundlage unserer Betrachtung bildet, .'ui ny"© did tö © nröi ,nyi t£yt> 'i „Der Ewige wird König sein immer und ewig! Und warum? Weil kam das Roß Pharao's mit seinem Wagen und mit seinen Reitern in das Meer, und es brachte der Ewige über sie die Gewässer des Meeres und die Kinder Israel gingen auf dem Trockenem mitten durch das Meer." In Mizrajim war Israel zum Volke geworden. Der Stammvater Jakob zog mit seiner Familie hinab. Zu ihm hatte Gott gesprochen: „Fürchte dich nicht hinabzuziehen nach Mizrajim, denn zu einem großen Volke werde Ich dich dort machen: Ich werde mit dir hinabziehen nach Mizrajim, und Ich werde dich wieder heraufführen." Zur Zeit der Stammväter waren es einzelne Männer, die das Gottesreich aus Erden vertraten/ und deßhalb sagen wir: Gott Abrahams, Gott Jizchaks und Gott Jakobs, geradeso wie wir Ihn als den Gott des Weltalls bezeichnen. Seitdem ruht der Name Gottes auf dem Volke Israel. In Mizrajim wurde Israel geknechtet, und da schien das Königthum Gottes unterbrochen zu sein auf Erden. Das ist auch der Sinn des göttlichen Ausspruches .- „Ich werde mit dir h i n a b z i e h e n nach Mizrajim." Es ist das, was unsere Weisen als ru'2vn bezeichnen. In der Thal kann aber das Königthum Gottes nicht einen Augenblick unterbrochen werden. Uns Menschen ist die Weltlenkung Gottes manchmal nicht ersichtlich. So war es während der Knechtschaft in Mizrajim. Das erwählte Volk des Herrn des Weltalls wurde auf die schrecklichste Weise gequält, gepeinigt, verhöhnt und verspottet. Die neugeborenen Kinder wurden geraubt und in's Wasser geworfen, die Männer wurden zu Leibeigenen gemacht und auf die schändlichste Weise mißhandelt. Die Befehle des tyrannischen Königs wurden pünktlich vollzogen, und der König der Könige schien sich von der Weltlenkung zurückgezogen zu haben. Aber es schien nur so. In Wahrheit war diese Leidenszeit nichts als eine Vorbereitung zu Israels Größe und erhabenem Berufe. Endlich erschien die Stunde der Befreiung; Wunder und Zeichen geschahen in Mizrajim. Die stolzen Aegypter wurden gestraft und mit zehn schrecklichen Plagen heimgesucht. Pharao, der mit frevelndem Munde gesprochen: „Wer ist der Ewige, dem ich gehorchen soll — ich kenne den Ewigen nicht", derselbe Pharao mußte das Schlimmste über sich und sein Reich ergehen lassen, bis er gezwungen war, die Herrschaft und das Königthum Gottes anzuerkennen. Der Gipfelpunkt der Befreiung war die Rettung am Schilfmeere. Ein kriegsgeübtes Heer verfolgt die des Gebrauches der Waffen nicht kundigen Schaaren, die ehemaligen Sklaven. Kein Entrinnen ist möglich. Zu beiden Seiten mächtige, von festen Schlössern gekrönte Felsen, hinter Israel das gefürchtete, ägyptische Heer mit seinen Streitwagen und Reitern, vor ihm die offene See. Da erscheint des Allmächtigen Majestät und läßt durch Moscheh's Hirtenstab das Meer spalten. Trockenen Fußes zieht Israel mit Frauen und Kindern und seinen zahlreichen Heerden durch das gespaltene Meer, dessen Gewässer an beiden Seiten gleich Mauern ftillstehen. Ihnen nach stürmen die Aegyp-