Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1889)
- Date
- 1889-01-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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32 Wir theilen Dir dann ferner mit, daß wir hier zwölf Synagogen *) besitzen, die aber schon höchst alt und baufällig sind, und wird daher deren Bau nur noch mit großer Mühe zusammengehalten (ipnvr vnn' -ath -ow d^d). In unserer Gemeinde gibt es achtzehn Lehrer, die jedoch ihre Schüler in ihren Privatwohnungen unterrichten müssen, da wir auch nicht ein einziges Schulgebäude besitzen und wir auch zu arm find, um ein solches anzukaufen oder auch neu aufführen zu lassen. Vor Kurzem haben wir leider unser Oberhaupt und unfern Lehrer, Rabbi Jekuthiel, (pn 2102 iboj), zu dessen Füßen einst fast alle Mitglieder unserer Gemeinde als Schüler saßen, durch den Tod verloren. Sein Andenken wird jedoch nie aus unserer Erinnerung schwinden. Was unfern Erwerb anbelagt, so sind wir, theils Kaufleute (D’bn), theils Karawanenführer (tein2 3 *), theils Arbeiter (D’tyia) und theils Seidenweber (wd roste D'FDiy). Feinere Handarbeiten verstehen wir indeß nicht. Unsere Lage ist daher keine besonders glänzende (onoi niRi p con’ unjsi). Wir haben uns daher, durch Dein Schreiben dazu ermuthigt, entschlossen, unsere düstere Lage in die Oeffentlichkeit zu bringen, vielleicht werden wir dadurch die Aufmerksamkeit unserer Brüder im Abendlande zumal die des geehrten und erhabenen Baron Moritz Hirsch, dessen glanzvoller Name durch die Tagesblättcr auch bis hicher, nach Jsfahan, gedrungen ist, auf uns lenken. Wir müssen Dir zugleich mittheilen, daß vor einigen Jahren ein Missionär (*ny ins noo) hieher gekommen ist, der uns einige Schulen und auch ein Badehaus erbauen wollte, womit wir uns sogleich einverstanden erklärten. Wir glaubten nämlich, derselbe sei im Aufträge der Juden Europas zu uns gekommen. Später erfuhren wir jedoch, daß ihn die Christen (um uns zu bekehren) zu uns geschickt haben, worauf wir sein Anerbieten zurückwiesen. Auch mußt Du wissen, daß vor Kurzem erst zwei jüdische Hausircr, die mit ihren Maaren von Dorf zu Dorf zogen, ermordet sind worden. Dieselben sind den Märtyrertod gestorben (Drv'n ip2im non orfc) da sie durch die Annahme des Islam leicht 2) Jsfahan hat eigentlich nur >lf Synagogen, doch wird das große Beth-Hamidrasch daselbst, gleichfalls zu den Gotteshäusern gezählt. Der Uebersetzcr. 3) Jsfahan liegt auf der großen Karawanenstraße, die von Rescht am Kaöpisee nach Buschir am persischen Meerbusen führt, auf der stets ein großer Verkehr herrscht. Die Jsfahaner Juden Pflegen diesen Karawanen die nöthigen Lastthiere zu verwiethen und ihnen auch die erforderlichen Lebensmitttel zu liefern. Sie nennen sich daher gewöhnlich Karawanenführer oder Ausrüster. Der Ucbersetzer. ihr Leben hätten retten können. Unsere jüdische Haustier haben überhaupt ein recht elendes Brod, da sie sehr oft von der Bevölkerung verhöhnt, beschimpft, geprügelt und ausgeraubt werden. Unser Statthalter ist jetzt Prinz Zil El-Sultan (Schatten des Reiches), der Sohn unseres mächtigen Gebieters Nasr-Eddin (m*), der uns höchst milde behandelt (cftiyn nicis o’dhd wn), da er ein großer Freund der Juden ist und uns schon oft unsere Abgaben erleichtert hat. Wir bitten Dich daher inständigst, erwähne Se. kaiserl. Hoheit zum Guten und zum Ruhme in den vorzüglichen jüd. Blättern und schicke uns dieselben, damit wir sie dann dem erlauchten Prinzen unterbreiten können. Ehre dem Ehre gebührt (11221 nte 'b ]nm). Handle übrigens, wie Du es besser verstehst. Vergiß indeß auch nicht hervorzuheben, daß der erlauchte Prinz schon sehr oft die Stenern für uns aus eigener Tasche erlegt hat (*jte ]nu losjp sin), damit sein erhabener Vater sich so persönlich überzeuge, daß wir sehr arm sind und die Staatslasten daher nicht tragen können. Z Was unsere Vorsteher anbelangt, nach denen Du Dich so eifrigst erkundigst, so steht an der Spitze unserer Gemeinde der ehrenwerthe Herr Moses Ben Joschua, während Herr Heskia Ben Mordechai als Richter und Steuereinnehmer fungirt. Unser Fürst (soll wohl heißen Muchtar d. h. der Vertreter der Gemeinde der persischen Behörde gegenüber) heißt David Ben Schclomoh.5) Alle Drei sind sie Männer von tadellosem Rufe, die nur das Wohl ihrer Gemeinde im Auge haben und der Bestechung gänzlich unzugänglich sind. Unfern Glaubensbrüdern im Abendlande, denen wir hiermit unseren Gruß entbieten, geht es gewiß ganz gut und möge dies andauern bis der Zeiten Ende naht. Beehre uns baldigst mit Deiner Antwort, die wir schon sehnlichst erwarten, und mögest Du mit all den Deinen und allen unseren Brüdern im fernen Westen noch viele und viele Jahre leben 4) Im Interesse unserer armen Glanbensbrüder im persischen Reiche wäre es daher meines Erachtens nach sehr zu empfehlen, wenn die „Alliance Jsraelite" und die „Angio-Jewisch- Association" diesen erlauchten Prinzen, dessen Statthalterschaft sich über den dritten Theil des Reiches seines hohen Vaters erstreckt und dem auch Papst Leo XIII. erst kürzlich wegen seiner milden Behandlung der Katholiken das Großband des Piusordens mit den dazu gehörenden Brillanten verliehen hat, für seine milde Behandlung der Juden Dankadressen in französischer Sprache überschicken wollten. Diese Adressen könnten dann den betreffenden persischen Gesandtschaften in Paris und London zur Weiterbeförderung an ihre hohe Bestimmung übergeben werden. Der Ucbersetzer. 5) Der jüd. Muchtar ist zugleich der Polizeimeister im Judenviertel und darf er sogar niedere Geldstrafen verhängen. Der Uebersetzcr.