Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1889)
- Date
- 1889-01-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2447950--27803-2475454- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
annehmen, daß uns der Schlußvers den Grund dafür angibt, wie wir stets und immer von der Ueberzeugung durchdrungen sein dürfen, daß der Ewige der alleinige Beherrscher und Lenker des Weltalls für alle Zeiten sein wird, so findet das Siegcslicd einen wunderbar herrlichen Abschluß. „Der Ewige wird König sein immer und ewig." Die beiden Worte nyi die wir mit „immer und ewig" übersetzt haben, bedeuten das erstere: die Zeitdauer ohne Ende, das letztere: die Zeitdauer ununterbrochen; Gott wird König sein ewig, und niemals wird seine Herrschaft unterbrochen werden. — Es ist nun noch notwendig, daß wir den Begriff des Königthums näher bestimmen. Bon allen Eigenschaften, welche dem Allherrn beigelegt werden, ist die des Königthums die reichste und die ärmste. So sonderbar das klingen mag, so ist es doch buchstäblich wahr. Indem wir sagen, daß Gott der König des Weltalls ist, so ordnen wir das Universum Ihm unter und eigenen Ihm es zu. Einen solchen Reichihum bezeichnet keine andere Eigenschaft. Die anderen Eigenschaften: allmächtig, allweise, allgütig 2c. aber haben den Vorzug, daß sie in dem Wesen Gottes selbst begründet und daher von andern Dingen unabhängig sind. Die Eigenschaft der königlichen Herrschaft jedoch ist in gewisser Beziehung von dem Beherrschten abhängig, wie unsere Weisen sagen: Dy »Va j'N, „Kein König ohne Volk." Die Eigenschaft des mate, der königlichen Herrschaft, besitzt au und für sich nichts, sondern alles muß von außen in sie hineingetragen werden. Ein König muß nicht allein die königliche Macht besitzen, sondern diese muß auch anerkannt werden. Wie viele irdische Könige gibt es, die sich von Anderen beherrschen lassen, ohnmächtige Menschen auf den Thronen, Scheinkönige! Wie viele mächtige Menschen nennt uns die Weltgeschichte, welche die Geschicke der Völker unabhängig lenkten, ohne daß sie das königliche Scepter führten und die Königskrone trugen. Nur der ist wirklich ein König, welcher mit dem höchsten Titel auch die höchste Macht verbindet. — In gewisser Beziehung lassen sich diese Verhältnisse auch auf den Herrn des Weltalls anwenden, und in dem Gebete, mit welchem wir zuerst an jeglichem Morgen vor Gottes Antlitz treten, und das wir beten aus unserer Ruhestätte, ehe wir zur nächtlichen Ruhe die Augen schließen, wird schon in den ersten Worten dieser Gedanke zum Ausdruck gebracht. rwyj ny^> ,x->a: "psr b'D oioa ibw Dt>iy jvw .fcopa w *]^n "ix ba lssna „Der Herr der Welt, welcher regierte, bevor noch ein Geschöpf erschaffen war. Zur Zeit, als durch Seinen Willen das All erstanden war, dann wurde Sein Name König genannt." Noch ehe die Welt war erschaffen worden, war sic naa, das heißt, dem Gedanken oder der Möglichkeit nach vorhanden, Gott konnte sie in jedem Moment ins Dasein rufen. Aber ehe die Welt erschaffen war, gab es Niemanden, welcher dem Allmächtigen als König hätte huldigen können. Erst als die Welt ^yisa, das heißt, in Wirklichkeit vorhanden war, konnte auch der Name Gottes als König bezeichnet und genannt werden. — Selbst nachdem Gott die Welt erschaffen hatte, wurde Ihm als König wohl von den Engeln des Lichts und all den bevorzugten Geistern, die Er ins Leben gerufen als König gehuldigt, nicht aber von den Menschen. Gott war gleichsam nur der König des Himmels; auf Erden wurde Er nicht erkannt, bis Abraham kam und Seinen heiligen Namen der Menschheit verkündete. So hat es Abraham in seiner Anrede au den Knecht Elieser selbst ausgesprochen: Als ich auszog aus meines Vaters Hause, da war der Allmächtige der Gott des Himmels; jetzt aber, da ich 65 Jahre lang den Namen Gottes auf Erden verkündet, kann ich Ihn als Gott des Himmels und der Erde bezeichnen. — Aber auch nach Abrahams wirkungsvoller Thätigkeit ist in gewisser Beziehung das Verhältniß dasselbe geblieben. Von einem Theile der Nachkommen Abrahams, von Israel, wird Gott als König des Weltalls anerkannt, während ein großer Thcil der Menschen noch immer dem einzigen Gotte die Anerkennung versagt. Diesen Gedanken haben die Anordner unserer Gebete nach dem Schluffe des Siegesliedes am Schilfmeere Ausdruck verliehen. Dort heißt es: o’ua bvnm na^on 'ib »a •po ist ein König, der als solcher anerkant wird; *jt£no dagegen ein Herrscher, der zwar herrscht t>ya cma, aber nickt die Anerkennung als König findet. „Denn dem Ewigen ist das Königthum (über Israel); über die Nationen aber ist er ein Herrscher (oma hyi, wiewohl sie Ihn als König nicht anerkennen.) naiven ‘ib nirm wy nn nx dbb6 p'L nna d'JJ’vid ‘6yi „Wenn aber die messianische Zeit herankommen wird, dann wird Gott von der ganzen Welt als König anerkannt werden. -inx ‘Btri “inx 'n '-71' xinn nn pxn b by jbüb imi '»ni „Dann wird sein der Ewige zum Könige über die ganze Erde; an jenem Tage wird sein der Ewige einzig und Sein Name einzig, dann wird die ganze Menschheit den Ewigen als König aner- ' kennen." (Schluß folgt.)