Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1889)
- Date
- 1889-01-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXX. Jahrgang. Iw eite Beilage zu Nr. I des Israelit. Zcituirgsnachrichtcn und Correspondenze». Deutschland. Wollstein, 25. Dezember. Nur roch wenige Tage und unserer Gemeinde steht ein großer Verlust bevor. Unser allgcliebter und allverehrter Rabbiner, Herr Höxter, verläßt unsere Gemeinde, um nach Berlin zu gehen. So kurz aber auch sein hiesiger Aufenthalt war, so segensreich war seine Thätigkeit und Wirksamkeit in den 21/2 Jahren. Ein frischer Geist neuen religiösen Lebens ist mit seinem Kommen in die Gemeinde eingezogen. Der Sinn für die Religion und ihre Ausübung ist erwacht und hat besonders in der jüngeren Generation starke Wurzeln gefaßt. Doch wer wird nun pw itry sein? Wer wird künftig die unverblümte Wahrheit des göttlichen Religionsgesetzes lehren? Noch können wir uns nicht in den Gedanken versetzen, daß Herr Rabbiner Höxter in unserer Gemeinde nicht mehr wirken sollte. Die Gemeinde verliert in ihm einen treuen Führer und Berathcr, die Armen einen Wohlthäter, die Jugend etiieit bewährten Lehrer. Möge ihn das Gute, das er hier gestiftet, in seine neue Heintath begleiten und möge er stets so zur Ehre des Judenthums wirken, wie er es hier gethan. Oftrowo, (Bez. Posen), im Dezember. Auch an jüdischen Volksschullehrern scheint jetzt ein fühlbarer Mangel in unserer Provinz einzutreteu, da mehrere Stellen seit geraumer Zeit unbesetzt sind. So ist auch die 3. Lehrerstelle an der hiesigen Elementarschule mit einem fixen Einkommen von 1200M. (ohne Nebeneinnahmeu) vakant, ohne daß man von einer endlichen Besetzung derselben hört. Die Ursache dieser Erscheinung mag aber auch vielleicht in dem Umstande zu suchen fein, daß, seitdem in unserer Provinz nunmehr auch die jüdischeri Lehrerftelleu durch die Königl. Regierung zur Besetzung gelangen, die betreffenden Vacanzen höchstens im amtlichen Schulblatte der Provinz pnblicirt werden. Dieses wird jedoch nur von amtircnden Lehrern der Provinz gelesen, während die Lehrer anderer Provinzen und namentlich stellenlose Schulamtsbewerber von den Vacanzen entweder gar keine oder doch nur verspätete Kenntniß erhalten. Sollte da nicht irgend eine Abhilfe geschafft werden können!?*) *) Die isr. Gemeinden sollten die Behörden veranlassen, j Bewerber um die obengenannte Stellen würden gutthun, schleunig sich beim Schulrathe persönlich zu melden, um sogleich anzutreten. X. Aus Elsaß-Lothringen. Der 62. Jahresbericht der israelitischen Kunst- und Gewerbeschule zu Straßbnrg (eeola israälita ck'aits et meliers) ist soeben erschienen, und zwar zum ersten Male in deutscher Sprache. Wie wir dem Bericht entnehmen entwickelt die Anstalt eine fruchtbringende und segensreiche Thätigkeit. Mehr als 700 junge Leute sind bis heute aus der Anstalt entlassen worden, welche alle durch ihre Arbeit großartige Erfolge erzielt haben, und welche alle Zeugniß ablegen, daß der Jude auch arbeiten kann, und nicht, wie Judenfeinde behaupten, sich nur dem Handel widme. Die Erziehungsmethode besteht darin, die Provisionelle mit der allgemeinen Bildung zu verbinden, und zu diesem Zwecke sind folgende Lehrfächer eingerichtet: Religion, Deutsch, Französisch, Arithmetik, Geometrie, Linear- und Freihandzeichnen und Turnen. Die Zahl der Schüler belief sich im Geschäftsjahr 1887/1888 auf 80. Die Einnahmen beliefen sich auf 17,237 M. 76 Pfg., während die Ausgaben 17,875 M. 28 Pfg. betrugen, mithin ein Fehlbetrag von 637,80 M. ergibt, dessen Ursache daher entstammt, daß die Anzahl der Beitragenden immer abnimmt, und daß im verlaufenen Jahre mehrere nothwendige bauliche Umänderungen in der Anstalt nothwendig waren. Das unveräußerliche Kapital betrug Ende Dezember v. I. 72,551 M. 24 Pfg. An dieser Stelle wollen wir nicht verfehlen, unsere Glaubensgenossen aufzufordern, diesem Liebeswerke ihre Theilnahme zu gewähren und durch Beiträge dieser Schule zu helfen, damit sie ihren Zweck erreicht; viele Gemeinden des Unter - Elsaß sind noch im Rückstände, d. h. haben noch nie Beiträge geliefert, an diese sollen diese Zeilen gerichtet sein. Geben sie, dann geben sie es ihren eigenen Kindern; sind ja die meisten Zöglinge vom Lande, darum: „dieses Werk ist das Eure, Ihr dürft es nicht verlassen; nur dann wird die Schule weiter gedeihen zum Nutzen und Segen unserer Glaubensgenossen l" A. W ... die vacanten isr. ^ehrerstellcn, wie dies in Hessen, Baden, Bayern, Württemberg, in der Provinz Hannover :c. von Seiten der Behörden geschieht, in den jüdischen Blättern zu annonciren. — Red.