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Der Israelit · 1889-01-02 · Heft 1 (2.1.1889) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 1 (2.1.1889)
Date
1889-01-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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vnpptrrtijPf^TS'wi^lCWpG^pijjBp’ 14 wurde aber bis zu seinem Lebensende als geistliches Oberhaupt betrachtet und von der ganzen Bevölkerung, auch von der christlichen, vermöge seiner seltenen Eigenschaften, hochverehrt und geachtet. Dr. Schwabacher hinterläßt eine Wittwe, drei verheirathete Kinder und zwei unversorgte Töchter. Die Bestattung hat am 13. v. M. unter großer Betheiligung der Bevölkerung aller Nationalitäten ftattgesunden. General-Gouverneur von Roop erschien persönlich, wohnte der Trauerfeier bei und drückte der Familie des Verblichenen sein Beileid aus; ebenso der Statthalter Admiral Selenoi, der Bürgermeister Geheimer Rath v. Marafty, der Bürgermeister-Stellvertreter General Mintschaki und alle Municipal- und Gemeinderäthe. Die Vorstände aller wohlthätigen Anstalten waren in corpore erschienen. Der Sarg wurde trotz I8gradigem, von heftigem Nordwinde begleiteten Forste von den Mitgliedern der Gemeinde bis zum Friedhofe abwechselnd getragen (vier Werst weit). Den Zug eröffneten die Zöglinge aller Gemeiudeschulen und die Waisenkinder, ihnen folgten die Chöre aller Synagogen. Hinter dem Sarge ging die gebeugte Familie des Verewigten und die Delegirten fremder Städte, sowie der verschiedenen Vereine, und eine auf 15000 Menschen geschätzte Bürgerschaft. Die Leichenreden hielten der Vorsteher der Cultusgemeinde Lulky, Advocat M. Margulies, der berühmte Kenner der jüdischen Zustände in Rußland, ferner einige Studenten. Feuilleton. Gin Zug aus Gottfried August Mürger's Leöen. Von Karl Wiesenthal. Am 31. Dezember des Jahres 1889 sind 140 Jahre verflossen, seit Gottfried August Bürger das Licht der Welt erblickte. Weithin ist der Name dieses vortrefflichen Dichters bekannt; ebenso aber seine unglückliche Lebensgeschichte, die hier zu erwähnen nicht der geeignete Platz ist. Bürger war trotz seiner vielfachen Mängel ein ganz vortrefflicher Mensch, der so warm für seine Mitmenschen zu fühlen im Stande war, daß man besonders während seiner Thätigkeit als Justizamtmann in Altengleichen bei Göttingen viel Rühmliches von seiner Gerechtigkeitsliebe erzählt. Als einst ein alter Jude in Altengleichen des Holzdiebstahles beschuldigt wurde und das Volk den Uebelthäter bestraft wissen wollte, da sprach der Amtmann Bürger zur Beruhigung des Volkes eine von wahrer Menschenliebe durchwehte Rede. Auch wurde ein Schreiben bekannt gegeben, worin die Unschuld des Juden vertheidigt wurde. Dieses Schreiben lautet: „Da Niemand da ist, der bei Gott schwö- „ren will, mit ehrlichem Auge gesehen zu haben, „daß der Jude Holz gestohlen, so sei der Jude „frei! Nicht ist es recht zu strafen und zu richten „über Solche, die nicht einer Schuld überführt „werden können. — Wohl hat der Paff dem „Volke gelehrt, daß man den Glauben der Juden „verlachen, ihre Menschenrechte verhöhnen, ihre „Person beschimpfen, ihr Gut gefährden kann, „aber es ist noch lange kein Thun, das man „gut und gangbar heißen kann. Um nichts kann „auch der Jude nicht bestraft werden; wo kein „Vergehen, da darf kein Richter schalten nach Ge- „lüsten Eurer Bos- und Dummheit! Hört es, „Volk! Die Juden sind ohnehin wie Gefangene „in unseren Landen und alle bedrückten Menschen „sind mürrisch. Es sei bei scharfer Strafe im „Orte verboten, so Jemand die Einwohner auf- „hetze und doch behaupte, der Jude sei ein Dieb!" Altengleichen, am 16. Sept. 1773. Der Justizamtmann Bürger. Bürger hat durch diese eine Handlung bewiesen, daß das Recht nichts mit der Bosheit zu schaffen habe und man kann wohl annehmen, daß der treffliche Charakter dieses Mannes in einer finsteren Zeit, so Manches gethan hat, was der Menschheit zum Lichte verholfen. Bürger's Andenken bleibe auch uns erhalten. Briefkasten der Redaction. Herrn W. E. in P. Die Lösungsworte Ihres Räthsels 2) und 3) sind in diesen Blättern früher schon verwendet worden. Wir ersuchen Sie, bei künftigen Einsendungen das bereits Gebrauchte nicht wieder zu bringen. Briefkasten der Expedition: Abonnent 8. E. in A. Der Name des betreffenden Rabbiners ist uns nicht bekannt. Druckfehlerberichtigung. In dem Referate über den Hamburger Vortrag des Herrn Dr. Berliner muß es heißen: Der Redner setzte in die Zeit des Rabbon Gamliel das Erscheinen des ersten offiziellen nicht großen offiziellen) Vorbeters. Wochen - Kalender. Freitag, 4. Jan., 2. Schebat. Samstag, 5. Jan., 3. Schebat dt 2 Sabbat-Ausgang 5 Uhr — Min. (Mainzer Uhr).

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