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Der Israelit · 1882-12-06 · Heft 49 (6.12.1882) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 49 (6.12.1882)
Date
1882-12-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1224 worden; wenn der Verbrecher unentdeckt bliebe, wäre der Scandal zu groß! Ich muß um jeden Preis einen Thäter auffinden, freilich, ich wünsche, es wäre der richtige! .... Ich habe schon zweimal, kurz nacheinander schreckliches Unglück gehabt und habe derowegen von den Appellationspräsidenten den Grafen Wischnok und Wallis strenge Rügen erhalten und meine Stellung ist erschüttert. Wenn es mir auch diesmal nicht gelingt, den Thäter zu eruiren, so kann es mir leicht geschehen, daß ich ungebeten meinen Urlaub erhalte. — Vor zwei Jahren, als der Dechant in Buchau ermordet wurde, quälten wir uns mit einem Roßdiebe ab und torquirten ihn so lange, bis er den Mord mit allen erdenklichen Nebenumständen eingestand; wer war glücklicher als ich! — aber proste Mahlzeit! Wir hatten über das „überschwere Verbrechen" eine „härtere Todesstrafe" erkannt; und mußte derowegen das Urtheil an das Obergericht nach Prag zur Bestätigung schicken, und da wurde uns plötzlich der niederschmetternde Auftrag, wir sollten den Pferdedieb nur in Gottes Namen laufen lassen; der sei an dem Morde des geistlichen Herrn so unschuldig wie ein neugeborenes Kind. Ein Deserteur, de-r in Prag justificirt wurde, hatte vor seinem Tode auf dringendes Zureden seines Beichtvaters noch mehrere Crimina, darunter auch den Mord des Dechanten, gestanden; und um unsere Beschämung voll zu machen, mußte sich noch das unglückselige, kurfürstlich bayrische Gericht mit einer Zuschrift an das kaiserlich königlich böhmische Appcllationsgericht wenden, aus welcher in lichtvollster Weise hervorging, daß der Pferdedieb zur Zeit, als der Mord in Buchau verübt wurde, im Münchener Zuchhtause einen Diebstahl abbüßte. Wir wären der Verordnung: den Roßdieb laufen zu lassen, ja recht gerne nachgekommen; aber der elende Kerl war durch die scharfe Frage so arg hergenommen, daß man ihn ins Spittel legen mußte, wo er richtig nach wenigen Tagen krepirte. Sein Weib, eine geriebene Eanaille, drohte mich auf Schadenersatz für ihren verlorenen Ehegatten zu klagen, das mußte ich um jeden Preis verhindern, da wäre eine saubere Geschichte heraüsgekommen; — und ich mußte dem nichtsnutzigen Weibsbilde noch aus meiner eigenen Tasche ein großes Stück Geld zahlen .... Voriges Jahr, da erging es uns noch ärger. Da war ein sächsischer Kaufmann aus offener Landstraße mit durchschnittener Kehle in seinen? Blute schwimmend, seines Geldes und seiner Waaren beraubt, gefunden worden. Wir quälten uns monatelang und torquirten endlich zwei verdächtige Zigeuner zu Schanden; aber zuletzt mußten wir selbst einsehen, daß wir nicht die richtigen Leute vor uns hatten; wir konnten beim besten Willen gar keinen Thäter bezeichnen. Da hatte nun wieder einmal der Teufel sein Spiel! In dem benachbarten Eger griffen sie einen wandernden Musikanten auf, der im Verdacht stand, zwei junge Mädchen ermordet zu haben. Beim ersten Folter-1 grade schon gestand der gute Bursche dieses Verbrechen und gab das Geständniß des Mordes de?! sächsischen Kaufmanns rein nur aus Gefälligkeit p[ ...... Und das Aergste war noch, derselbe Mn-! sikant war von uns selbst, wegen eines geringen Delictes zu ein Paar Tagen Arrest und einer Tracht Stockschläge verurtheilt worden; — er war in unserem Gewahrsam gesessen, wir hatten ihn in Händen gehabt. Ich habe damals von dem Apvellationspräsidenten Grafen Wallis einen Verweis erhalten, der mit Vorwürfen über unbegreifliche Ungeschicklichkeit, strafbare Nachlässigkeit, unerhörte llnachtsamkeit und andern derartigen Redeblumen reich gespickt war .... Ich habe es schon gesagt, diesmal muß ich einen Thäter finden, und wenn ich mir ihn aus der Hölle holen müßte.Es ist] schier zum Verzweifeln!" „Na, na! Man stellt sich die Sachen zuweilen] ärger vor als sie in der That ausfallen . . Richtig, sakkerment hinein! Da hält' ich bald wiederI an etwas vergessen, was ich Dich schon lange habe fragen wollen .... Sei so gut und sieh mal den Kauskontrakt da nach, ob er auch so recht abgesaßt ist?" So sprechend zog Wallbruck eine Schrift aucder Brusttasche und reichte sie dem Bürgermeister hin.] Purkhammer hatte kaun? die ersten Zeilen lesen, als er verwundert ausrief: „Du hast von Claudy Rodler um 5000 Gulden Felder gekauft?" „Was ist denn daran Auffallendes?" frug bei] Arzt hastig. „Die Felder grenzen ja an meine ” sitzung . . . er richtete seinen Blick durch längere! Zeit auf seinen linken Aermel, von welchem er mit] großem Eifer ein kleines Fleckchen weglvischte. „Du hast mir ja vor einigen Monaten einmal! gesagt, daß Rodler die Felder, die Du zur Abrmi-! düng Deines Besitzes erwerben wolltest, um fcinetij Preis verkaufen will!" „Der Rodlerhofbauer ist ein verständiger Mensch, er hat schließlich doch eingesehen, daß ich ihm für die Felder einen höhern Preis bot, als dies eins zweiter thun möchte." „Hm .... merkwürdig! Am 16. November! hast Du den Kauf mit ihm abgeschlossen? — und! in der Nacht vom 18. auf den 19. November würbe] sein Weib Barbara ermordet!" „Wie kommt denn Eins zum Andern? Claud»! Rodler hat mir am 16. die Felder verkauft und inj der zweiten Nacht darauf wurde seine Frau ermordet] — oder glaubst Du, daß der Kaufkontrakt ein Tnlis-»

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