Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1882)
- Date
- 1882-12-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1214 wir dann gestützt auf diese Ueberzeugung, wie die Zeiten sich auch gestalten mögen, es Ihm aus tiefster Seele danken, daß Er uns diese Zeit hat wieder erleben lassen, dann kleiden sich die Gedanken und Gefühle, die Hoffnungen und Empfindungen, welche nach einem Ausdruck ringend die jüdische Brust durchwogen, in die herrlichen Worte und die sich ihnen so traut anschmiegenden, wunderbar ergreifenden alten Weisen der Chanukah-Hymne; sie wird der treue Dolmetsch alles dessen, was in namenloser Erregung Geist und Gemüth bewegt, was sie hoffen, was sie fürchten, was sie lieben, was sie hassen, alles Denken, alles Fühlen jubeln die über das weite Erdenrund zerstreuten Sänger in die von ihren Lichtern erleuchtete Nacht hinaus mit ihrem nw id 'nyw’ -ns ryo .rüB?*? Wer könnte auch diese Lichter anzünden, ohne in ihnen den alten jüdischen Hasmonäer - Geist in seinem Hause neu entflammen, wer könnte diese Lichter, deren verjüngender Strahl die Jahrtausende alte Vergangenheit alljährlich neu belebt, sinnend betrachten, ohne die leuchtende Brücke zwischen Dnn D'w und n:n jot in ihnen zu verehren, ohne zu sprechen: „Diese Lichter zünden wir an für die Wunder „und Zeichen, für die Siege und Kämpfe, die Du „unseren Vätern bereitet in jenen Tagen — in „dieser Zeit — durch Deine heiligen Priester. „Diese Lichter sind ein Heiligthum, wir dürfen uns „ihrer nicht bedienen, wir dürfen sie nur ansehen, „um Huldigung und Lob Deinem großen Namen „zu zollen für Deine Wunder, Deine Zeichen, „Deine Hilfe!" Und wenn nun das Gedächtniß jener heiligen Priester uns zum Liede drängt, so greift dasselbe unter den vielfachen göttlichen Waltungen, die der Gottesname zum Ausdruck bringt, in ungemein bezeichnender Weise gerade die Attribute ns ryo heraus, die uns Gott als Urquell aller Widerstandskraft und als den unveränderlichen, alles bewältigenden Hort begreifen lehren, dem wir unser ganzes, wirkliches Dasein 'nyw zu danken haben. Als in den Tagen des hasmonäischen Hohepriesters Matitjahu ben Jochanan und seiner Söhne die griechische Willkürherrschaft sich über Israel erhob, um mit Köder und Folter die Thora aus den Herren und dann die praktische Erfüllung des Gottesgesetzes aus dem Leben zu streichen, da war es die unbeugsame Festigkeit der jüdischen Widerstandskraft, welche die treugebliebenen heiligen Priester, als die jüdischen Reihen wankten, nicht verzweifeln ließ. Nicht das feige Schwanken der geköderten Großen, nicht das blutige Erliegen der zum Tode gemarterten Massen konnten ihren Muth lahmen und ihre Zuversicht erschüttern. Wenn Alles wankte, Einer stand fest, Dm moji Dom •porro nnm oms njo, Gott und Seine gerade in solch' prüfungsreichen Zeiten sich bekundende Liebe! Er bewährte sich ihnen als der unerschütterlich feststehende Hort in der Zeit ihrer Noth. Ihn hatten sie in der Geschichte ihres Volkes als den Fels im Meere der Zeiten kennen gelernt, an dem die Brandungen aller §eitströmungen ohnmächtig zurückprallten und das ewußtsein, daß auch die Juden- und Judenthumfeindliche Richtung ihrer Zeit an diesem Felsen zerschellen werde, drückte ihnen das Schwert in die Sand, ohne vorher die Kräfte zu messen, ohne die enossen zu zählen, dieses Bewußtsein erfocht den Sieg der O’tcon über die o’-oj, der onsyo über die D’m, weil es ein Kampf der onmo gegen o’kdd, der D’pny gegen D'y«n, der imm gegen onr war. Der Grund ihrer Verfolgung war die Ursache ihres Sieges. Ihre Unzugänglichkeit für die bestrickenden Reize griechischer Leichtlebigkeit, ihre abweichende Haltung der in ästhetische Formen gekleideten griechischen Sinnlichkeit gegenüber ließ sie als die verstockten eigensinnigen Juden erscheinen, weil ihnen der Ernst der jüdischen Wahrheit höher stand als der den Sinnen schmeichelnde Cultus des Schönen. Die griechischen Götter, die ihren Anbetern mit der Uebung aller Laster vorangingen, stellten lächelnd aller Ungebundenheit den Freibrief aus. Der Gott der Diebe sprach den Diebstahl heilig, Bacchus flocht den Trunkenbolden den Rosenkranz um's Haupt und die Göttin der Schönheit sanctionirte jede Unkeuschheit und Schamlosigkeit, indem sie. ihnen ihren Schutz angedeihen ließ. Von all' dieser bestechlichen Gefügigkeit hatte der ernste Gott der trotzigen Juden nichts; ja. Er war der Urquell aller ihrer Festigkeit «nd Widerstandskraft, nyo, und die unbesiegbare jüdische Kraft, die kein anderes Volk den Griechen entgegensetzte, jrv loy1? ry 'n, hat den Juden ihr Gott selber gegeben, ihre ry verdanken sie lediglich ihrem ryo.*) Die griechischen Götter stellten die Ideale unerreichter Schönheit dar. In der formvollendeten Harmonie ihrer Bilder und Statuen hat die hellenische Plastik ihre höchste Vollendung erreicht, — Der Gott der Juden ist der starre, unverrückbare Fels — ns =, der sich gegen jede Form sträubt, in die ihn schwache Menschenhände zwingen möchten. Nach der jüdischen Lehre schuf Gott den Menschen nach Seinem Bilde, nach der heidnischen bilden ihn die Menschen nach dem ihrigen. Das war die Kluft, die Dnn o-D’: das Juden- *) Wie vfr das Licht ist. das der Lichtträger vto auSstrahlt, wie wjw die Sammelstätte für jedes einzelne mi ist, so ist »u”1 Krastfülle, der jede einzelne Kraftäutzerung tu> entstammt. — Vergl. Hirsch'S Psalmen Eap. 3l. 3.