Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1882)
- Date
- 1882-11-08
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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1125 dem kleinen Kreise, Benjamin und Feisch fuhren erschrocken auf, Munitz sah mit lebhafter Spannung in des Rabbis Zügen, sogar der Primator sah verwundert auf und nur Rabbi Jakow lächelte ruhig, Oppenheim aber fuhr nach kurzer Pause fort: „Aber nicht darin lag Euer Hauptvergehen, daß Ihr in einem Momente schwerster Seelenbedrückung zu Gott aufschriet und Euer schwacher Menschensinn des endlos großen Gottes Walten nicht begreifen konnte; — ein Fehler war's, das will ich Euch gestehen, doch diesen, dem Wesen des Menschen anklebenden Fehler, haben die größten Männer, die je gelebt, seit Gottes Wille die Welt aus Nichts hervorgerufen, begangen, nicht wahr Frankfurter Raw?" wandte er sich um Bestätigung an diesen, der bejahend mit dem Kopfe nickte, „und Ihr, Ihr selbst, Reb Löb, Ihr seid ja ein Lamden und müßt ja auch die Talmudstelle kennen: Elijohu hitiach dworim klape malo!") — und ebenso Mosches — und an beiden Stellen heißt es: schechosar hakodosch boruch hu wehodu Io!2 3 4) lieber diesen kleinen, begreiflichen Fehler, den Ihr begangen, hat Euch der allmilde, gnädige Gott nie gezürnt, — den habt Ihr endlos oft abgebüßt.... also dieser kleine Fehler, den Ihr in krankhafter lieberreizung für ein riesengroßes Verbrechen angesehen; — war nie ein solches gewesen; — dafür leg' ich Euch keine Sühne auf — aber . . . „Aber," wiederholten Alle, mit Ausnahme des Frankfurter Rabbi. „Aber," fuhr Oppenheim fort und das milde Lächeln auf seinen noch immer rothen, frischen Lippen beeinträchtigte nicht im Geringsten die imponirende Würde des herrlichen Mannes, „die Art Eurer Buße war ein Fehler, ein Bergehen! Daß Ihr Euch Jahre lang zerquält, Euch die schönsten, besten Jahre Eures Lebens erniedrigt, Euch Unrecht gethan und es geschehen ließt, daß Andere Euch Un¬ 2) Elias erhob seine Klagen gegen das, was vom Höchsten beschieden wurde. Berachorh Fol. 31. 3) Ebendaselbst Fol. 32. 1) Eine wortgetreu schwer übersetzbar methaphorische stelle, dem Sinne nach: Gott machte ihnen keinen Vorwnrs daraus, in seiner endlosen Weisheitsnille anerkannte er die Klage als eine vom engbegrenzten Standpunkte des Menschen, berechtigte. recht thaten, daß Ihr Eurem Sohne ferne geblieben, ihn um die schönsten Lebensfreuden gebracht. Euren Diener Feisch Jchenhausen, der treu zu Euch gehalten, betrübt und gekränkt; Menschen verleitet habt, undankbar gegen Euch zu sein. Euch Verachtung zu beweisen, statt Euch zu verehren — dafür muß ich. Euer Raw, Euch Buße auferlegen!" Munitz, der edle Mensch mit der wunderbar reinen Kinderseele hatte die längere Rede Oppenheims mit höchst gespannter Aufmerksamkeit, doch fast unverstehend angehört. „Sprecht Rabbi, was soll ich thun? Ich gelobe Alles zu erfüllen, was Sie mir auferlegt, und sei es noch so schwer!" „Nun denn," sprach Oppenheim, und wieder lagerte sich ein feines Lächein um seine Lippen, „Ihr habts gelobt und ich habe Zeugen für Euer Gelöbniß. — Ich lege Euch auf, Euch von Ml ab aus vollem Herzen und aus ganzer Seele zu freuen an dem schönen, vollen Menschenleben, und abzuwerfen! die falsche Demuth; es zu gestatten, daß ich und > Andere Euer hohes Lob verkünden, Euch als das, > was Ihr in der That seid, als schwer erreichbares Musterbild der Mit- und Nachwelt aufzustellen und I — jetzt brach Oppenheims Stimme vor bisher! schwer bekämpfter Rührung — Gottes reichster I Segen über Euch, Euern Sohn, Eure Nachkommen j zu erflehen — bis ewig!" Nach diesen Worten war eine Pause tiefster! Erschütterung eingetreten. Munitz rief mit abwehj renden Händen: „Mein Rabbi! Neßi elokim ato beszochenu*)!! und Deine Worte sind mir armem, unwürdigem; Menschen wie erfrischender Himmelsthau — also; mein Rabbi und Lehrer, Du glaubst, ich werde! Chelek leolom habo haben")."! „Wenn ich Dich nicht endlos liebte, ich müßte! Dich darum beneiden!" erwiederte Oppenheim, j wandte sich um und schritt mit seinen Begleitern! der Thüre zu; wäre er länger geblieben, er hätte - sich seiner strömenden Thränen nicht zu 'erwähren z vermocht, er hätte in lautes Schluchzen ausbrechen i müssen. |_ (Fortsetzung folgt.) I 1) Ein Fürst Gottes bist Du in unsrer Mitte.! 2) Antheil au der zukünftigen Welt habentz A^ZEIGEIT. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. KAir suchen einen streng religiösen, nnj CViatge Mädchen finden zur prakt. Erler-! /Lin junges Mädchen aus guter Familie. verheiratheten Lehrer, der zugleich das! nung des Haushalts Aufnahme in einer! in der feinen, wie bürgerl. Küche wohl Amt eines Schochet und Chasan zu versegebild. religiösen Familie in einer Kreis-! erfahren, worüber die besten Zeugnisse zur Heu hat.! stadt Rheinhessens. Zugehörigkeit zur Fam. I ^eite, sucht bald eine passende Stellung. Stade, Provinz Hannover. j Klavier im Hause. Best. Res. Offerten > Offerten unter Nr. 4V80 besorgt die 3998) Deb Gemeinde-Vpxstand.! unter M. Nr. 4042 bes. die Exped. d. Bl.! Exp. d. Bl.