Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1882)
- Date
- 1882-10-25
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1084 unterstehenden Bezirkshauptmannschaften, sowie an sämmtliche mährische Städte mit eigenem Statute nachfolgenden Erlaß gerichtet: In den letzten Tagen sind abermals an verschiedenen Orten Kundgebungen antisemitischer Natur vorgekommen, die allerdings bisher ohne alle ernste Folgen geblieben. Die häufige Wiederkehr solcher Erscheinungen und die zunehmende Zahl der Orte, pn welchen sie wahrgenommen wurden, bestimmt mich, Euer Wohlgeboren im Nachhange zu meinem Erlasse vom 6. October l. I., Z. 3463, neuerdings die scharfe Ueberwachnng einer allfälligen antisemitischen Bewegung zur Pflicht zu machen. Euer Wohlgeboren wollen demnach die untergeordneten Organe zur sorgfältigen Aufmerksamkeit in Absicht auf Ueberwachung etwaiger Aufreizungen, in Absicht auf Beseitigung von Umständen, die zu einem Eonflikte führen könnten und in Absicht auf die Anzeige jeder in dieser Richtung bedeutsamen Wahrnehmung anzuspornen. In gleicher Richtung soll der Herr Bezirkshauptmann auch die Vorsteher der Gemeinden der Amtsbezirke entsprechend eindringlich anweisen, sie über den von ihnen einzuhaltenden Vorgang belehren und ihnen die ernsten Folgen einer Außerachtlassung, sowie auch die ihnen zufallende Verantwortlichkeit, insbesondere bei Unterlassung der Anzeige irgend welcher Bedenken erregender Vorkommnisse nachdrücklich Vorhalten. Sollte es tatsächlich zu irgend welchen gewaltthätigen Ausschreitungen gegenüber den Angehörigen des mosaischen Bekenntnisses kommen, so wird es geboten erscheinen, solche mit größter Raschheit und allem Nachdruck niederzuhalten. Ich ersuche Euer Wohlgeboren daher, im Falle eines thatsächlichen Exceffes mit allen Ihnen zu Gebote stehender Kraft und mit Anwendung aller gesetzlich gestatteten Mittel aufzutreten, um Ruhe und Ordnung herzustellen, und insoferne hiezu die lokalen und eigenen Kräfte nicht zureichen sollten, sich des Beistandes der bewaffneten Macht zu bedienen, welche Euer Wohlgeboren sodann unmittelbar bei dem nächstgelegenen Trupp enabtheilungs-Commando bei gleichzeitiger Anzeige an mich in Anspruch nehmen wollen. Ich wende mich in dieser Richtung unter Einem an das k. k. General-Commando. Schließlich erwarte ich, daß sich Euer Wohlgeboren thunlichst in Kenntniß aller im Gegenstände wichtiger Vorfälle erhalten und mir die bemerkenswerthesten derselben anzeigen werden. Brünn, 18. Oktober. Der k. k. Statthalter Schönborn m. p. Ein zweiter Erlaß des k. k. Statthalterei-Präsidiums, oer gleichzeitig mit dem ersteren versendet wird, lautet: Nach einer vertraulichen Mittheilung soll di^ antisemitische Bewegung in Ungarn von SocialistM erzeugt werden, um für socialistische Bestrebungen unter den Arbeitern Propaganda zu machen, m es sollen diesfalls in einem sozialistischen Conventikel? Pläne entworfen worden sein. | Sowie die Socialisten sich mit dem Gedanke^ beschäftigen sollen, Geldmittel auf verbrecherischem Wege, sogar durch Einbruchsdiebstähle sich zu üer4 schaffen, so soll es auch als zeitgemäß hingestellt worden sein, große den Juden gehörige Fabriken iÄ Brand zu stecken und die Antisemiten als Urheber hinzustellen, wodurch eine größere Anzahl Arbeitei! erwerbslos und die Zahl der unzufriedenen Elemem vermehrt werden würde.! Zufolge hohen Erlasses Sr. Excellenz des Heu» Minister-Präsidenten und Leiters des hohen Minm riums des Innern vom 8. Oktober l. I. setze il Euex Wohlgeboren hiervon zur entsprechenden A« achtung mit der Aufforderung in Kenntniß, alle,» falls in dem Gegenstände gemachte Wahrnehmung?» oder getroffene Verfügungen hierher anzuzeigen. i Der k. k. Statthalter Schönborn m. p.| Pesth, 17. Oct. Budapefti Hirlap meldet, ei» Maler in Agram, welcher die Abschlachtung de» Esther Solymossy gemalt hatte, sei verhaftet morde» wegen eines Drohbriefes, daß er das Bild in de» Auslage ausstellen werde, wenn die israelitische Ge» meinde ihm nicht 3000 fl. geben wollte. > PreHburg. lieber eine judcnfreundliche 3» monstration, welche am 8. d. in Duna-Szerdahel» stattfand und an welcher sich viele intelligente chri» liehe Einwohner des genannten Ortes und der lln» gebung betheiligten, schreibt man der „Preßburge» Zlg." aus D.-Szerdahely vom 9. d. M.: I Nun ist hier und in der Umgebung wieder Ru» und Friede eingekehrt. Die Exzedenten sind durch» das strenge Auftreten des Herrn Stuhlrichters » Szabo zur Raison gebracht worden, so daß die Bü» gerwache der Nachtpatrouiüe enthoben wurde. Geste» Abend versammelten sich mehrere hiesige christlich» Bürger im Gasthause des Herrn Marczell und lüde» die Juden ein, ebenfalls dahin zu kommen, um ein» Aussöhnung unter den hiesigen Bürgern herbei;» führen. Die Juden haben dieser Einladung bera» willigst Folge geleistet und wurde durch gegenseitig» Händedrücken die Aussöhnung herbeigesührt; dan» begaben sie sich vereint mit einer Musikbande an de» Spitze vor das Haus des Stadtrichters Herr» Petenyi, zum israelitischen Gemeindevorsteher Herr» M. Goldberg und zu dem Feuerwehr-Kommandant» Herrn Dr. Pirk, brachten ihnen ein Ständchen, ließe» dieselben hochleben und riefen: „räljen az egye»