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Der Israelit · 1882-10-18 · Heft 42 (18.10.1882) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 42 (18.10.1882)
Date
1882-10-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1052 ten. Die schwereren Verbrecher, zu denen man mich zählte, sollten auch die schwerere, die Demolirungsarbeit vornehmen. Er befahl noch, daß wir in Rotten von zehn Mann abmarschiren und arbeiten sollten, jeder Rotte wurden ein Aufseher und zwei Soldaten beigegeben. Die Aufseher hatten ein dickes Bambusrohr in der Hand, an der Seite einen scharf geschliffenen Säbel, bei fauler Arbeit sollten die Aufseher nur tüchtig und schonungslos dreinhauen, bei Widersetzlichkeit von der blanken Waffe Gebrauch machen; bei einem Fluchtversuch solle gar keine Rücksicht genommen werden, könne der Hallunke niedergestoßen oder erstochen werden! — dann befahl er die Arbeitswerkzeuge, für jeden Bauarbeiter eine Hacke und einen Spaten, zu vertheilen. Mein Herz schwoll vor bitterem Schmerze, ich wurde fassungsfast sinnlos. „Herr und Gott!" sprach ich leise mit bebenden Lippen, „so gibst Du mir gar kein Zeichen Deiner Vaterhuld? Du läßt es zu, daß ich Deinen heiligen Sabbat entweihe?! — und ich, ich habe Dir gedient mein ganzes Leben lang, — mit ganzer Seele, mit vollem Herzen, mit meinem ganzen ungetheilten Können .... Das weißt Du, Allwissender! .... Ich habe nie gemurrt, nicht als Du mir Vater und Mutter im flammenden Elternhause zu Asche verbrennen ließest; — nicht als mein erstes Weib gestorben, nicht als man mich unverschuldet in den Kerker warf, für ewig für immer! nicht als ich erfuhr, daß mein Weib, meine Channa, fern von mir an gebrochenem Herzen gestorben, daß sie mir einen Sohn geboren, den ich auf dieser Welt nicht mehr sehen werde! aber jetzt, wo Du, Du allgewaltiger Gott selbst mich zwingst, Dein heiliges Gebot zu verletzen, jetzt wo ich glaube, daß Du alle meine Opfer verworfen, mich von Dir flößt — jetzt mein Gott und Herr bäumt sich meine Seele in mir auf! ... . Hab ich das um Dich verdient? Ist das mein Lohn? Du bist allmächtig, allweise, allerbarmend, allgerecht — und ich — ich bin ein Wurm, ein Nichts! — aber bei dem lebendigen, einig einzigen Gotte, ich hätte .... nicht einen Hund so behandelt wie Du . . . . Gott und Vater mich!" Munitz schlug beide Hände vors Gesicht, die Erinnerung hatte ihn mit furchtbarer Entsetzlichkeit erfaßt, ein convulsivisches Zittern durchbebte seinen ganzen Körper. Nach kurzer Pause fuhr Munitz mit vor Aufregung tonloser heiserer Stimme fort: „Ich hatte die Frevler-Worte noch nicht zu Ende gesprochen, als ein markgräflicher Diener auf schaumbedecktem Rosse durch das Thor in den Hof sprengte, und dem Gefängnißdirektor mit den Worten „Von Serenissimo! sofort zu lesen und auszuführen!" eine gesiegelte Schrift überreichte. Der Direktor entsiegelte und entfaltete die Schrift, <► la$ sie bedächtig leise durch, dann sprach er — ich! habe mir die merkwürdigen Worten des starren M ragraphenmannes mit dem versteinerten Herzen wohls gemerkt. „Das allerhöchste Dekret, das ich eben e geht ihn an, Löw Prager. Nachdem die Untersuchung gegen den ehemaligen, hochmarkgräflichen Secretäil Louis de Cleviöre, der seinem schändlichen Lckg durch Selbstmord ein Ende gemacht, ergeben Hag daß Er, Löb Prager, Jouwelier aus Frankfurt Main, des Verbrechens, fürd as er am 12. DeceiMl 1704 zu lebenslänglicher Kerkerhaft condemnirt wurde,! unschuldig ist, hat seine Durchlaucht, unser alleis gnädigster Landesherr, in seiner hohen Gerechtigkeit! zu befehlen geruht, daß Er sofort auf freien gesetzt und Ihm von dem Gerichte eine Schuldlosig-s keits- und Ehrenerklärung ausgestellt und zugemittell werde. Auch wird es Ihm freigegeben, gegen seineii Verleumder und falschen Ankläger den verstorbene!! Exsecretär, respective gegen dessen Hinterlassenschaft den Civilrechtsweg zu betreten, Seine Ersatzansprüche zu liquidiren und den Ihm von dem Gerichte zuge-I sprochenen Betrag aus dessen Hinterlassenschaft, selbst-j verständlich nur in so ferne "als diese nicht M die Ansprüche des durch genannten Exsecretärs mehij fach geschädigten, allergnädigsten Landesherrn hohes Aerar absorbirt wurde, zu erheben . . Kerkermeister, hole Er sofort den Schlosser, dainitl er dem Manne da die Ketten abnehme." Ich stand, während mich die Gefangenen bösen, neidischen Blicken musterten, wie öcrftemertl da, und der Direktor fuhr im geschäftsmäßiges Tone fort: „Löb Prager! Er kann, wenn Er will, sogleich das Gefängniß verlassen, doch müßte ich Ihn ich diesem Falle von einem Gefängnißaufseher begleiten! lassen, weil er durch diesen die Sträflingskleidm die Ihm unentgeltlich zur Benutzung während da Dauer seiner Haft verabreicht wurde, und ficj welche ich dem hohen Acrario verantwortlich zurücksenden muß. Will Er aber, wie ich amteW so lange warten, bis Er sich auf irgend eine Wm bürgerliche Kleidung angeschafft hat, so steht nwl unserem Reglement nichts dem entgegen, daß er lange in unserer Kanzlei oder wenn der KerkermeiMs keine Einwendung dagegen erhebt, in dessen Wohnung! verweile. Dagegen erlischt selbstverständlich fein wj spruch auf Verabreichung der heutigen Sträflings mittagskost, wonach 'man sich" — der Direkt^ wandte sich an den anwesenden Hausverwalter „strenge zu richten hat! ... . Ihr Andern abel! zur Arbeit! marsch!" (Fortsetzung folgt.)

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