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Der Israelit · 1882-09-07 · Heft 36 (7.9.1882) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 36 (7.9.1882)
Date
1882-09-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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905 Oesterr. - Ungar. Monarchie. Pefth. Der ung. Abgeordnete Csernatony theilt im „Ellenör" seinen Gedankenaustausch mit Kossuth über die antisemitischen Hetzereien und die Tisza- Eszlarer Affaire mit. Er thut^dies, damit die Hetzer vor dem Volke Kossuth nicht solche Gesinnungen zuschreiben, vor welchen sein ganzes Wesen zurückschaudert. Kossuth drückte seine Verwunderung darüber aus, daß Jstoczy sich zu solcher Bedeutung erheben konnte. Es gebe, meinte er, Sonderlinge auch in anderen Parlamenten, über deren Auslassungen man sich amüsirt, die aber nicht ernst genommen werden. Csernatony versicherte hierauf Kossuth, es sei in Ungarn mit Jstoczy vor der Tisza-Eszlarer Affaire gerade so gewesen und werde nach Beendigung derselben wiederum so sein. Kossuth äußerte sich hierauf im Tone tiefster Entrüstung darüber, daß man Dasjenige, was schlimmstenfalls individuelles Verbrechen oder ein Act individuellen Fanatismus ist, zu einem traditionellen rituellen Verbrechen einer ganzen Confession stempeln wolle, was nicht geschehen dürfte, selbst wenn das Verbrechen schon constatirt wäre, über welches einstweilen noch Dunkel herrscht. Csernatony legte hierauf Kossuth i seine Ansichten über die Untersuchung in der Tisza- Mzlarer Affaire dar, die nicht so sehr bemüht war, den Mörder zu eruiren, als vielmehr die antisemitische Hetze zu nähren; er sagte ihm auch, was er von der ganzen Geschichte des Verschwindens der Mher glaube und was nicht. Schließlich erklärte »er ihm, daß die ganze 6au8e cölebre und die da- »nit in Verbindung stehenden antisemitischen Hetzen Wichts weiter seien, als ein Schwindel und ein Geichäff welches gewisse Leute auf den gegen die Jubestehenden Antipathien etabliren, um die Leidenschaften Unüberlegter auszubeuten und im Trüben »u fischen. Csernatony bemerkt nebenbei, er werde Wese seine Ueberzeugung später journalistisch oder MI Parlament noch weitläufiger entwickeln, und Wgt: „Der Geist der ungarischen Justizpflege müsse »röthen über die Enthüllungen des Vize-Staatsan- »altes von Nyiregyhaza." Zum Schluß drückte Mtzuth seine Freude und Genugthuung darüber aus, «5 das besonnene ungarische Volk sich nicht zu Aus- «reitungen verleiten ließ. — Wie die „Agr. Ztg." Mdet, wurde der Austräger.einer dortigen Buchhandl. Mästet, der antisemitische Broschüren colportirte. Mr Dtadthauptmannschaft vorgeführt, gab er zu, M er die Broschüre: „Esther Solymossy oder der Mych-rituelle Jungfrauenmord in Tisza-Eszlar," I Merlin gedruckt, in den Häusern nicht blos zur ME, sondern auch zum Verkaufe angeboten und Wgevuch fünf Exemplare auch verkauft habe. Nachdem seine Aussagen zu Protokoll genommen waren, wurden er entlassen. SttkolsbrrrA, 28. Aug. Ein hiesiger Buchhändler, Herr G. Th. hält es für angemessen, hier eine von G. von Marcziänyi verfaßte, in Berlin im Verlage der „Wahrheit" erschienene Broschüre, Esther Solymojsi, oder der jüdisch-rituelle Jungfrauenmord in T.-E. betitelt, zu verbreiten, eine Broschüre, deren antisemitischen Inhalt vollkommen geeignet ist, die hiesige Bevölkerung gegen ihre jüdischen Mitbürger aufzuhetzen. Es wird nämlich in derselben als eine über jeden Zweifel erhabene, unanfechtbare Thatsache hingestellt, daß die Juden für ihre Ostern Christenblut brauchen, und als unumstößlicher Beweis dafür wird auch der Fall Esther Solhmossi angeführt. Dieser Umstand bringt mir eine Thatsache in Erinnerung, welche sich hier ereignet hat und gewiß auch für einen weiteren Leserkreis nicht ohne Interesse sein dürfte. Vor drei Jahren, am 26. März 1880, gerade ein Tag vor den jüdischen Ostern, wurde in unserer Stadt an einer Katholikin, Namens Grass er, welche in der Judengasse, in unmittelbarer Nähe der Altschul-Synagoge wohnte, ein entsetzlicher Mord verübt; dieselbe wurde nämlich in ihrem Zimmer mit durchschnittenem Halse aufgefunden. Sofort war man hier mit der Verdächtigung bei der Hand, es läge ein ritueller Mord vor; die Juden hätten diese Frau abgeschlachtet, da sie ja doch das Blut für ihre Tags darauf beginnenden Ostern benöthigten. Und dies wax damals die Ansicht nicht allein des ungebildeten Theiles der hiesigen Bevölkerung; denn allenthalben sah man lebhaft gesticulirende Gruppen, welche darüber debattirten, so daß der Bürgermeister der hiesigen Israeliten - Gemeinde, ein allgemein geachteter Mann, sich genöthigt sah, persönlich die aufgeregte Menge zu beschwichtigen. Und wer weiß, was geschehen wäre, hätte es ein gütiges Geschick nicht gefügt, daß schon zwei Tage nach vollbrachter That der Mörder in der Person des Franz Mat tausch dingfest gemacht worden wäre. Vielleicht dürfte sich der heute noch in tiefes Dunkel gehüllte Fall in Tisza-Eszlar auf ähnliche Weise klären, keineswegs aber ist es ein Mord zu rituellen Zwecken, wie es genannte Broschüre als apodiktisch hinstellt, und wäre es wohl Sache der politischen Behörde, den Verkauf einer Broschüre zu verbieten, deren auf Lüge und Entstellung basirter Inhalt nur darauf gerichtet ist, das Publikum aufzuregen. Adolf Bauer. Kremfier, 28. Aug. Die in der Nr. 6461 der „Neuen Freien Presse" aus Kremsier unter dem 19. Aug. l. I. eingesendete und mein angebliches

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