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Der Israelit · 1882-08-30 · Heft 35 (30.8.1882) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 35 (30.8.1882)
Date
1882-08-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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884 den Feiertagen dispensiren. Wie konnte man in aufgeregten Zeiten, und die Aufregung war damals in Permanenz, die Seele des Geschäftes, ein, zwei, drei oder gar vier Tage nacheinander entbehren! Wenn die Feiertage auf Donnerstag und Freitag fielen, so mußte Adolph vier Tage nacheinander dem Geschäfte fern bleiben; denn dem Freitag folgte der Sabbat, diesem der Sonntag, an welchem die Bank ohnehin geschlossen war. — Adolph beharrte fest darauf, lieber auf die glänzende Stellung verzichten zu wollen, als den Sabbat und die Feiertage preiszugeben. Man gab ihm insoferne nach, daß man ihn von jeder wirklichen Arbeit dispensiren wollte; jedoch verlangte man mit Entschiedenheit, daß Adolph auch an den Sabbaten und Feiertagen einige Stunden in der Bank zubringe, die Dispositionen überwache, im Geschäfte au feit bleibe und im Nothfalle verhüte, daß ein feux xas gemacht werde. Adolph wies auch diese Zumuthung auf das Entschiedenste zurück. Die Verhandlungen mit ihm zerschlugen sich in Folge dessen gänzlich, und statt seiner wurde ein Anderer zum Director erwählt. Betrübt kam Adolph nach Hause. Als er seiner Mutter Alles berichtet hatte, suchte ihn diese zu trösten. „Du hast Recht gethan, mein Sohn/ sprach sie; „ich bin stolz darauf, einen Sohn zu besitzen, der für seine Ueberzeugung die größten Opfer zu bringen bereit ist. ' Gott segne Dich, mein Sohn. Nimm's Dir nicht zu Herzen. Sei froh, daß Dir Gott die Gelegenheit gegeben hat, für Ihn und Sein heiliges Gesetz auf eine so große Stellung zu verzichten." „„Ich würde fröhlich und vergnügt sein, wenn es sich nur um die Stellung allein handeln möchte. Aber, daß ich unter diesen Umständen wahrscheinlich auf die Hand Helenens werde verzichten müssen, das betrübt mich sehr."" „Tröste Dich, mein Kind. Wenn es Gottes Wille ist, daß Du Helene heimführst, so wird sie dennoch die Deine werden." Dieser Ansicht war nun Comerzienrath Silberstein nicht. Er hatte an der Börse den Hergang erfahren und hatte nicht Schimpfworte genug, um das Vorgehen Adolph Marbachs zu charakterisiren. Ganz außer sich vor Wuth kam er nach Hause. „Der Dummkopf, der Schafskops, der Esel, das Rindvieh!" schrie er seiner Frau entgegen. „„Nun, lieber Mann,"" fragte Frau Lisette gelassen, „„wer ist der Unglückliche, dem Du alle diese lieblichen Namen beilegst?"" „Wer anders als Dein Liebling, der bornirte Adolph Marbach? Denke Dir, er hat die Directorstelle bei der Arbitragebank ausgeschlagen! Man hatte ihm das größte Entgegenkommen bewiesen, hatte ihn für den Sabbat und Feiertage von jeder Arbeit dispensirt, hatte nur verlangt, daß er an denselben für einige Stunden in's Geschäft komme, und nach dem Rechten sehe, und der halsstarrige Mensch hat auch das nicht zugestehen wollen. In einer Arbitragebank, in welchem der Augenblick be« nutzt werden muß, wo es sich manchmal um großen Gewinn handelt, wenn der rechte Moment benutzt wird, und um großen Verlust, wenn man ihn verpaßt, wollte er zwei oder gar drei Tage nacheinander fortbleiben, nein, solche Esel sind die Verwaltungsräthe doch nicht. Das haben sie ihm nicht zugestanden, und so hat er die Stelle ausgeschlagen, der Dummkopf!" „„Aber lieber Abraham, da muß man ja großen Respect vor dem jungen Manne haben, der so fest in seinen Ansichten ist und der Religion so große Opfer zu bringen nicht zögert. Welch ein edler Charakter!"" „Was edel, was Charakter! Ich will Dir sagen, was er ist, ein Esel, ein Dummkopf ist er. Was wissen Frauenzimmer von Charakter! Charakter ist, wenn man in redlicher Weise viel Geld verdient, wenn man den Kampf ums Dasein mit ehrlichen Mitteln führt und sich über das Niveau der Alltäglichkeit emporhebt. Ein seif made man, wie die Amerikaner sagen, das ist ein Charakter. Ich z. B., der ich mich aus geringen Anfängen emporgeschwungen habe, der ich fast mit gar nichts angefangen habe und jetzt im Besitze von Titel und Mitteln bin, ich bin ein Charakter. Vor mir muß die ganze Welt Respect haben. Der Dummkopf aber, der Marbach, wird es zu gar nichts bringen; er wird ein unbedeutender Commis bleiben sein Leben lang. Mir darf er nicht mehr über die Schwelle." „„Wie, der Lebensretter Deiner Tochter?"" „Lebensretter hin, Lebensretter her! Mein Goldkind ist für einen solchen zweibeinigen Esel nicht gewachsen." „„Aber lieber, bester Abraham . . . „Kein Wort mehr! Was ich gesagt habe, dabei bleibt's." Frau Lisette schwieg; sie wollte abwarten, bis ihr Mann ruhiger geworden und die Angelegenheit milder und besser beurtheilen würde. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilage». x: Zeit Entla hiesig, Anspi I glaub l gen g an sö s n. B Herr |im H 5 sich m! schuft kländei dasH nen. khat d sZerb Staat K 302 k G. (Ben, d |imb bii als E Degen Erzeuc ügnei 8 l>es »Neki us d tein, ube, igung verantwortlich«- »«baroon; Dt. Lehmann in Mainz. — Verlag unv Expedition deS .Airaelit" große Bleiche 45. Z. Er ttSlsden't Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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