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Der Israelit · 1882-08-02 · Heft 31 (2.8.1882) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 31 (2.8.1882)
Date
1882-08-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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788 und es sei ihr innigster Wunsch, daß nach ihrem Ableben, sie — ihre Schwester — ihren Gatten durch ihre Hand beglücke! .... Bele hatte ihren Zustand richtig beurtheilt, sie ward zusehends schwächer und der Arzt, der von ihrem Gatten an ihr Krankenbett gerufen wurde, mußte, als er aufgefordert wurde, seine Meinung über die Leidende offen auszusprechen, gestehen, daß Bele von einem heftigen, unheilbaren Brustleiden ergriffen, daß, so weit menschliche Voraussicht reiche, keine Rettung möglich sei! — Ihr Gatte und ihre Verwandten boten alles Menschenmögliche zu ihrer Rettung auf, es war vergeblich und sie vermochten nichts anderes zu thun, als ihr die letzten Lebenstage zu verschönern, so weit dies in ihren schwachen Kräften stand. Kurz darauf ließ sie eines Abends ihre Eltern, ihren Gatten und ihre Schwester zu sich rufen. „Ich danke Euch Allen für Eure Liebe und Anhänglichkeit," sprach sie, „und bitte Euch nur mir den einzigen Wunsch, der mir übrig bleibt, zu erfüllen. Unsere Thoro hakdoscho gestattet es ja, daß der Mann nach dem Ableben seiner Gattin deren Schwester zum Weibe nimmt. Löb! ich Hab' Dich lieb, ich kannDir's nicht schildern wie! und ich möchte Dich so glücklich wissen als Du's verdienst und auch um mich verdienst. Thu' mir, Du guter treuer Mann, noch in meiner letzten Stunde die einzige Liebe und versprich mir mit Deinem Mannesworte, daß Du meine herrliche Schwester Channa zum Weibe nimmst. Werdet so glücklich als ich es wünsche, Gottes reichster Segen über Euch, über Euch Alle!" War es, daß diese letzte Willensäußerung ihre letzte Kraft erschöpft, oder umgekehrt, hatte sie jene für den Moment aufgespart, von dem sie fühlte, daß er zu ihren letzten zählen würde; — das ließ sich bei diesem geistig-starken Wesen nicht bestimmen; — aber es waren die letzten Worte, welche Bele gesprochen, eine Stunde später hatte sich nach kurzem leichten Todeskampfe ihre reine Seele zu Gott, zu ihrem Schöpfer emporgeschwungen!" Rabbi Jakob mußte einen Moment innehalten, er erzählte ein Begebniß, dessen Zeuge er selbst nicht gewesen, über das mehr als ein Vierteljahrhundert geschritten, und doch fühlte er sich von tiefer Rührung ergriffen, welche auch seinen Zuhörerkreis erfaßt hatte. „Frankfurter Raw!" sprach David Oppenheim endlich, „Ihr habt uns da ein wunderbar schönes Familienbild entrollt, und wohl wir Alle fühlen für jeden Einzelnen dieses herrlichen Kreises warme Theilnahme; — und ich kann es nicht verheimlichen, es ist wir vollkommen unerklärbar, daß ein Mann, wie Löb Munitz-Prager es sein muß, in seiner Vaterstadt so lange und in so merkwürdiger Weise verkannt werden konnte!" „Es erscheint auch mir dies vollkommen unbegreiflich," meinte der Primator, „doch muß ich auch gestehen, daß anderseits Munitz absonderliches Behoben mir ganz verwunderlich erscheint. Ich habe mich absichtlich, Nachmittags, nochmals und ganz genau über ihn erkundigt; — nicht nur, daß es nie bekannt wurde, daß er je einen Armen mit der unbedeutensten Kleinigkeit unterstützt hätte, war es oft genug vorgekommen, daß er Dürftige, zumeist Fremde, die seinen schlechten Ruf noch nicht konnten, und ihn um Unterstützung angingen, sehr hart anließ." „Wenn Ihr damit andeuten wollt, Munitz habe sich zu seinen Ungunsten verändert," sprach der Frankfurter Raw, „so muß ich Euch sagen, Primator! von einem solchen Manne muß das Mahnwort gelten: Gemire towo lo hawe bischo!"Z „Es ist nicht immer leicht, die Handlungen, noch weniger die Gedanken eines Andern richtig zu beurteilen," mischte sich Josef Oppenheim fchichtern in die Conversation „en odom jodea matmenoßow schel chawero!"1 2) „Es versteht sich wohl von selbst, daß er den Wunsch seiner ersten Frau erfüllte und nach deren Ableben, deren Schwester zur Gattin nahm! nicht wahr?" meinte der Oberrabbiner. „Ein Jahr lang gab sich Munitz dem gerechten Schmerze über den Verlust seiner Frau hin, dann wurde feine Hochzeit mit seiner Schwägerin und Cousine Channa in geräuschloser Weise gefeiert, aber die Armen und die wohlthätigen Gemeindeinstitute wurden reich bedacht. Eine kurze Zeit schien es, daß Reb Löb Munitz, oder wie er dort genannt wurde, Prager, sich eines wohlverdienten Glückes erfreuen sollte. Die wehmüthige Erinnerung an seine erste Frau, ward verschönt durch das hochbefriedigende Gefühl auch ihr gegenüber alle Pflichten in schönster, edelster Weise erfüllt zu haben; Channe war eine Frau, die durch Anmuth, Tugend und Frömmigkeit das Leben ihres Gatten mit wundervoller Schöne auszuschmücken wußte; sein Geschäft blühte und er war einer der angesehensten Männer Süddeutschlands geworden; — aber plötzlich trat mit entsetzlicher Raschheit ein furchtbarer Wechsel in seinen Verhältnissen ein . . . ." „Was geschah?" rief der Primator, der Rabbi Jakobs Worten mit der höchsten Spannung gefolgt war. (Fortsetzung folgt.) 1) Es ist sestgestellt: Der wahrhaft Gute kann nie sch lech: werden. Berachos Fol. 29 a, 2) Kein Mensch kennt die verborgenen Gedanken seines Nebenmenschen.

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