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Der Israelit · 1882-07-19 · Heft 29 (19.7.1882) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 29 (19.7.1882)
Date
1882-07-19
Page
– (sequence 18)
Language
German
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738 b) sie durch geeignete Lehrer und Lehrerinnen in allen unerläßlichen Schulgegenständen unterrichten zu lassen; c) sie dis zum Alter von 18 Jahren in allen Haushaltungsgeschäften und weiblichen Arbeiten unterrichten zn lassen und zu üben, sowie diejenigen, welche sich zu einer besonderen Gewerbsthätigkeit eignen, zu unterstützen." Am 8. September 1857 wurde das neue Vereinshaus eingeweiht. Externe Zöglinge gibt es seit 1859 und zahlende seit 1862 nicht mehr. Von derZahl 12 im 1.1857 ist dieselbe auf 26 gestiegen. Bis jetzt erhielten 81 Waisenmädchen vollständige Erziehung und Ausbildung. Der Verein ist jetzt um die Rechte einer juristischen Person eingekommen und hofft demnächst von einem günstigen Erfolg seiner diesfallsigen Bemühungen berichten zu können. Die Hausmutter, Fräulein Johanna Weil, beging am 4. Nov. 1881 das 25jährige Jubiläum ihrer Wirksamkeit. Im Jahre 1881 befanden sich 28 Zöglinge, darunter 6 neu aufgenommene in der Anstalt; ausgetreten sind 2. Die Einnahmen beliefen sich an Beiträgen von ca. 800 Mitgliedern auf 4999 Mk., an Geschenken und Legaten auf 13,269 Mk., Zinsen 6557 Mk.; die Ausgaben für Haushaltung auf ca. 14,900 Mk., für Unterricht 2809 Mk., Gehalte 2010 M, Diverse ca. 500 M. Außerdemwurden verschiedene Geschenke für specielle Zwecke gemacht. Die Pauline und Leopold Höchberg'sche Stiftung erhielt von den Kindern des Herrn Leopold Höchberg 500 Mk.; das Kapital der Stiftung beträgt nunmehr 25,000 Mk. In die Sparkassenbücher der Zöglinge wurden aus Geschenken und Stiftungen ca. 13,000 Mk. zugeschrieben. Geschenke und Gabe für den Verein werden von Frau Dr. Reiß, Frau Charlotte Speyer-Stern, Herrn Adolph Doctor und Frl. Weil gern entgegengenommeu. Schweiz. Zürich. Handelsmann Abraham Meier von Hottingen, voriges Jahr vom Schwurgericht in Winterthur wegen Hehlerei zu einem Jahr Arbeitshaus verurtbeilt, wird in Folge Geständnisses eines bisher im Zuchthaus verstorbenen Mitangeklagten schuldfrei erkannt, in seine Rechte wieder eingesetzt und mit 1150 Fr. entschädigt. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Prag, im Juli. Die Sammlungen für die russischen Juden sind nun geschlossen und haben dieselben sowohl hier als in den Landgemeinden überraschend günstige Resultate auszuweisen, ja es kommen dem Präses der hiesigen Cultusgemeinde noch nachträglich bedeutende Spenden zu. Auch das FranencomitH erhielt sowohl von hiesigen Einwohnern als vom Lande ganze Kisten guter brauchbarer Wäsche und Kleider, welche sämmtlich der Alliance in Wien gesendet wurden. Die hiesigen Deutschen haben sich an den Sammlungen eifrig betheiligt und wenn das bei den Czechen nicht der Fall war, so hat dies in den nationalen Eifersüchteleien seinen Grund, welche ihren unseligen Einfluß auch auf rein humanitären Boden ausüben. In den hiesigen Gemeindezuständen ist so ziemlich Alles gleich geblieben, wenn auch nicht geläugnet werden kann, daß seit dem Amtswirken des Oberrabbiner Hirsch der Jndifferentismus ein wenig zurückgewichen nnd die religiöse Gemeinsamkeit sowie das Interesse für dieselbe lebhafter geworden ist. Besonders wohlthätig wirken einige jüngere Obmänner und Vorstandsmitglieder von Vereinen, welche mit großem Opfer von Zeit und Mühe ihre Aufgabe ganz ernstlich nehmen und ihre Stellung nicht blos als Ehrenamt betrachten. Im Laufe des Jahres sind auch mehrere wohlthätige Stiftungen gegründet worden, unter Andern das Philipp und Rosa Reach'sche Stiftungshaus für Waisenmädchen und für verarmte Kaufleute, ein wahres Prachtgebäude, eigens für diese Zwecke erbaut, sowie nocb andere Zinsstiftungen und Heirathsausstattungsstiftungen, die zum Theil bereits in Wirksamkeit getreten, zum Theil in nächster Zeit ihre Aufgabe erfüllen werden. In den letzten Tagen hat ein hiesiger Groß- Industrieller der Cultusrepräsentanz gegenüber sich bereit erklärt, für die isr. Waisenknaben eine Ferienkolonie auf seiner Besitzung, m einer waldreichen Gegend, zu gründen, welches Anerbieten mit Dank angenonimen wurde. Herr Kebinzky räumt der Anstalt einen großen Schlaffaal und 3 Zimmer ein und wird auch für rituelle Kost in ausreichender Weise Sorge tragen, so daß nächste Woche die ganze Anstalt mit dem Erzieher dahin übersiedeln wird. Die Armen werden ihren Wohlthäter gewiß recht lange in Erinnerung behalten und seiner immer dankbar gedenken. Zu bedauern ist, daß die Zöglinge der Anstalt zu wenig hebräischen Unterricht genießen und auch nicht genug Einfluß geübt wird, um dieselben zur Wahl eines auch den Interessen des Judenthums dienenden Gewerbes, als Schriftsetzer und hebr. Kalligraphie DnsiD aufgemuntert werden. Es steht sehr traurig mit diesen Gewerben, man findet hier nicht einen Schriftsetzergehilfen, der Geschriebenes im Hebräischen lesen kann. In Prag, welches einst wegen seiner hebräischen Druckereien so berühmt war, ist man nicht mehr in der Lage, ein noch so kleines Werk im Hebräischen drucken zu lassen; ebenso steht es mit den ni"v, welche keinesweges entsprechen; es wäre Sache des Oberrabbinats diesen Mängeln durch geeignete Schritte abzuhelfen.

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