Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1882)
- Date
- 1882-07-05
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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688 dersanken; Andere strebten dem mehr als eine halbe Meile entfernten Bahnhofe der Kiew-Odesfaer Linie zu, weil Bahnhöfe bisher nie von den Banden angegriffen worden (sie blieben auch in Balta verschont); Viele endlich retteten sich nach der „Polnischen Seite", indem sie die wüthenden Haufen, die sich langsam, zerstörend, plündernd und würgend von der Nikolaibrücke durch die gleichnahmige Straße dem Nikolai- Kirchenplatze — dem Mittelpunkte dieses Stadttheiles — zuwalzten, auf Seitenwegen umgingen und über einen schmalen Steg unterhalb der Brücke die Boulevardnaja Ulica gewannen. Dort hatten die Juden eben einen jener kleineren Haufen zersprengt, die sich vom Kathedralplatze aus auf der „Polnischen Seite" vertheilt; ein gleiches war in mehreren anderen Straßen geschehen, so daß auch diese Banden unter dem Rufe: „Kommt hinüber, dort wehren sich die Juden!" nach der „Türkischen Seite" zogen und im Ccntrum der Stadt gegen 8 Uhr Ruhe eintrat. Als nun die Flüchtlinge eintrasen und das entsetzliche Lärmen, welches vom anderen Ufer herüberdrang, erkennen ließ, was drüben geschehe, rotteten sich viele Juden, insbesondere Arbeiter, in wilder Erregung zusammen und zogen mit dem Rufe: „Wir lassen unsere Brüder nicht morden! Wir wollen hinüber! Bietet Jeden auf, der einen Stock tragen kann!" vor die Häuser der Gemeindevorsteher Blank, Wachs, Stutt und Posnanski. Diese hatten inzwischen telegraphisch einen Hilferuf an den Gouvernur in Kamieniec-Podolski abgesendet und sich hierrauf zu den Spitzen der Localbehörden begeben, um ihr Einschreiten zu erwirken, eventuell um welchen Preis immer zu erkaufen. Aber der Eine wies ihnen den mit Worten: „Ich war immer für die Regelung der Judenfrage, wie sie heut' Nacht geschehen wird!" die Thür; der Andere verwies sie an den Polizeimeister, und dieser ließ sie nicht vor, er sei müde und wolle schlafen gehen. Nun eilten die Vorsteher nach dem Kathedralplatze, wo sich das Militär noch immer mit der Nachlese in den geplünderten Häusern beschäftigte, um vielleicht daselbst den Commandanten Karapuchin zu treffen. Er war wirklich zur Stelle, erwiderte jedoch auf Blank's Bitte: „Euch Juden geschieht schon recht, ihr verdient noch mehr!" Als ihn dieser aber beiseite ziehen wollte, um ihm einen größeren Geldbetrag zuzustecken, kam just ein Gemeinde-Beamter athemlos herbeigeeilt und begann ein eifriges, leises Gespräch mit dem Offizier, worauf de? selbe plötzlich den Juden erklärte: „Sie haben Recht! Wir müssen dort Ruhe stiften!" In der Zchat wurde das Zeichen zum Sammeln gegeben, und das Militär rückte sofort nach der „Türkischen Se re" ab. Die Vorsteher wußten sich, da dieser Gemeinde-Beamte mit Recht als der ärgste Judenfeind in Balta galt, die Sache nicht zu reimen; eine halbe Stunde später waren sie im Klaren. Hier war ein Bubenstück angcstifet und verübt worden, wie es selbst in der Geschichte der russischen Judenhetzen beispiellos dastünde, wenn ihm nicht wenige Stunden späterem noch schlimmeres gefolgt wäre. Der Commandant, darauf aufmerksam gemacht, daß die Bedrängten herüberflüchteten, daß andererseits Bewohner der „Polnischen Seite" zur Hilfe hierübereilen wollten, ließ nämlich nun, um Beides zu verhindern, die Nikolaibrücke, sowie jenen Steg besetzen und einen Cordon längs des Ufers ziehen, mit dem Befehle, wohl jeden Christen, aber keinen Juden passiren zu lassen! Karapuchin hat vor der Untersuchungs-Commission vernommen, erklärt, daß er die Passage für Jedermann verboten, weil dies das einzige Mittel gewesen, die Plünderung von der „Polnischen Seite" abzuhalten, hat aber auch vom Obersten Buragow die Reprimande hinnehmen müssen, daß diese Erklärung sowohl mit den Aussagen seiner eigenen Untergebenen im Widerspruche stehe. (Forts, f.) (N. fr. Pr.) A ST Z E I Cr £ IV. ' Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. (Eingesandt.) Hamburg. Vorigen Freitag fungirte hier in der Klaussynagoge, alter Wall,! 2. Elbstr., Herr Josef Stern, Sohn des Hrn. Dr. W. Stern, Rabbiner zu Liverpool. Er betete vor, aus Einladung des Vorstandes und Rabbiners und zwar zur Zufriedenheit der Gemeinde. Herr Stern besitzt eine schone Baritonstimme und verspricht ein tüchtiger Cantor zu werden. (G i n g e s a n d t.) Liverpool. Die von unserem Ober- Cantor und Prediger, Reverend Dr. W. Stern, gehaltenen Festpredigten finden so allgemeinen Beifall, daß der „Liverpool Marcury" sich stets veranlaßt sieht, die Predigten zu veröffentlichen. Wochen - Kalender. Freitag, 7. Juli, 20. Tamus. Samstag, 8. Juli, 21. Tamus. p-IB, DnJ’B Sabbat-Ausgang 9 Uhr — Minuten. (Mainzer Uhr.)