Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1882)
- Date
- 1882-07-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2447898-2447924--18867-2474923- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
670 / entgegengehe und unter den vielen Völkern verschwinde. Wie können wir dem Verderben entgehen? Wir vermögen nicht in die unerforschlichen Pläne der göttlichen Vorsehung einzudringen: aber die schrecklichen Ereignisse, welche in der jüngsten Zeit alle Gemüther mit Trauer und Schmerz erfüllt haben, sind wohl dazu angethan, unser Nachdenken anzuregen, auf daß wir unsere Wege überdenken und durchforschen, die Schäden heilen, die Uebelstände Hinwegräumen und uns reinigen von jeder Schuld. Es ist nicht genug, daß wir uns über den Haß und die Feindseligkeit unserer Gegner beklagen, wir müssen uns vielmehr bemühen, ihnen die Angriffswaffen aus den Händen zu winden, durch hohe Tugend und rechtschaffenen Lebenswandel selbst unsrer Feinde Liebe und Bewunderung zu gewinnen. „Und es soll sein der Ueberrest Jakobs inmitten vieler Völker, wie Thau vom Ewigen." Nach der Lehre unserer Weisen ist der Thau der Welt unentbehrlich. Als der Prophet Elijahu den götzendienerischen König Achab und das sündige Israel durch Strafe bessern wollte, flehte er zu Gott, daß dem Lande der Thau und der Regen entzogen wer^e. Gott erhörte ihn nur in Bezug auf den Regen; aber den Thau entzog er der Welt nicht, weil dieser unentbehrlich ist. Selbst wenn der Regen ausbleibt, befruchtet der Thau die dürstende Erde und befördert das Wachsthum der Pflanzen. Je heiterer und ruhiger die Nacht ist, ün desto größerer Fülle fällt der erquickende Thau. Der Thau hat noch eine andere Eigenschaft; er hindert Niemanden. Wenn der Regen auch noch so nothwendtg ist, so gibt es immerhin Viele, die sich dessen nicht freuen, die Wanderer, die in ihrer Reise gestört werden, der Landmann, der das Heu noch nicht eingebracht hat, allerlei Handwerker, die trocknes Wetter brauchen. Gelehrte und Beamte, die zur Erhaltung ihrer Gesundheit sich Bewegung in freier Luft machen müssen. Nicht so der Thau; er stört Niemanden, er hindert Niemanden; er wirkt nur wohlthätig. Wir Juden sind inmitten vieler Völker immer nur in verhältnißmäßig kleiner Anzahl vorhanden; wir bilden überall die Minorität, wir sind überall die Schwächeren. Wir sind durchdrungen von der Nothwendigkeit unserer Existenz, wir sind uns unserer hohen Aufgabe auf Erden wohl bewußt; aber es genügt nicht, daß wir uns von diesem Bewußtsein tragen lassen — wir müssen den Völkern, in deren Mitte wir leben, beweisen, daß wir uns unserer hohen Aufgabe bewußt sind und der gesummten Menschheit zum Segen gereichen, daß wir uns bemühen, das an unserem Vater Abraham ergangene Gotteswort zu Wahrheit zu machen: „Und es sollen durch Dich gesegnet werden alle Geschlechter des Erdbodens und durch Deine Nachkommen." (Fortsetzung folgt.). Zeitungsnachrichten und Correspondenz I. Deutschland. Mainz, 4. Juli. In einem jüdischen Blatte findet sich die Notiz, daß ein ehemaliger Rabbinatscandidat, Namens Bernstein, sich in Godesberg bei Bonn habe taufen lassen. Das Blatt schreibt noch: „Wir haben über die Vergangenheit desselben nur noch erfahren, daß er in Berlin mit dem bekannten Convertiten Dr. Paulus Cassel Umgang hatte und später längere Zeit bei der Redaction des „Israelit" in Mainz literarisch thätig war." —Soweit di es er Bericht den „Israelit" betrifft, ist derselbe völlig aus der Luft gegriffen. Mainz, 4. Juli. Die hier veranstaltete Wohlthätigkeits-Lotterie zu Gunsten der russischen Flüchtlinge hat ein sehr günstiges Resultat gehabt; es konnten nahezu 2800 Mark an das Berpflegungs- Comittz abgesandt werden. Die Betheiligung war eine allgemeine. Auch viele Nichtjuden kauften Loose und gaben Geschenke. Der Zufluß der Geschenke war so groß, daß nicht ein Gewinn gekauft zu werden brauchte und der ganze Ertrag — bis auf 150 Mark Loosesteuer — dem wohlthätigen Zweck zugewendet werden konnte. Oberaltertheim (Unterfranken). Die veränderten Zeitverhältnisse, welche einen größeren Zuzug nach den Städten und eine Entleerung der Landgemeinden bewirken, lassen oft einen sehr wehmüthigen Eindruck zurück, indem wir häufig bemerken, wie ehemals blühende mitunter berühmte Gemeinden nunmehr auf ein kleines Häuflein oft bis zur Auflösung zusammengeschmolzen sind, und selbst da, wo die Abnahme noch nicht in dem Grade stattgefunden, die Aufgabe zur Erhaltung der nöthigsten Gemeinde- Institutionen wie Synagoge und Schule rc. immer schwieriger wird. Es gehört daher gewiß zu den Seltenheiten, heute noch von Synagogen-Einweihung, von einer nnyD mo auf dem Lande in dem früheren Style zu hören. Dennoch bin ich in der angenehmen Lage Ihnen von einer solchen Thatsache aus hiesiger Gemeinde zu berichten und dürfte die Art und Weise der Begehung auch fernere Kreise interessiren. Die hiesige Gemeinde, resp. mm, suchte sich der Pflicht dd? iddd mp,»dadurch zu entledigen, daß sie unter schweren Opfern ein schönes isd anfertigen ließ.