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Der Israelit · 1882-06-28 · Heft 26 (28.6.1882) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 26 (28.6.1882)
Date
1882-06-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXIII. Jahrgang. Zweite Scitage z« Ur. 26 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Würzburg, 25. Juni. Heute verstarb dahier Staats minister Herr Michel Henri Godfroy aus Haag, isr. Confession, nach längerem Leiden im Alter von 68 Jahren. Godfroy war verschiedene Male holländischer Minister, so von 1860—62 Justiz-Minister. In der Kammer saß er 30 Jahre lang als Abgeordneter der Stadt Amsterdam. Wie sehr seine Verdienste Anerkennung fanden, beweist, daß er von seinem Könige mit der goldenen Ehremedaille und dem Titel Exellenz- Staatsminister bis zum Tode ausgezeichnet worden, sowie von seinen Mandanten ihm Dankadressen und Schenkungen gewidmet wurden. Sein Wunsch war, nach jüdischem Ritus beerdigt und nach seiner Vaterstadt Haag verbracht zu werden. Posen, im Juni. Die Synagogenfrage ist endlich insoweit erledigt, daß Seitens der Gemeindebehörden-Vorstand und Repräsentanten-Versammlnng — der Bau einer neuen Synagoge beschlossen worden. Wenn, wie hierbei verlautet, dieses Project ohne Belastung der Gemeinde ausgeführt werden soll und kann, so wird allerdings die gegen den Neubau vorherrschende oppositionelle Stimmung zum größten Theile schwinden und nur diejenigen Gemeindemitglieder an ihrer Opposition festhalten, denen es nicht gleichgiltig ist, von den Jahrhunderten alten Stätten der Gottesverehrung scheiden zu müssen. Der erwähnte Beschluß wird daher wohl jedenfalls noch Gegenstand erregter Verhandlungen und Proteste werden. — Gleichzeitig ist auch zur Beschaffung eines interimistischen Betlocals für die Besucher der geschlossenen Synagogen die Summe von 1200 Mark auf ein Jahr bewilligt worden. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Budapest. Die Reichstagsdebatte über die i Einwanderung der russ. Juden und die Tißa-Eßlarer Affaire hat auch in Ungarn eine hochgradige antisemitische Bewegung zur Folge und sind aus den verschiedensten Gegenden des Landes an die jüd.- orthodoxe Durchführungs - Commission in Budapest Anzeigen gelangt, daß die Gährung im Volke solche Dimensionen angenommen, wonach das Schlimmste zu befürchten wäre. Die jüd.-orthodoxe Durchführungs- Commission wendete sich nun mittels eines Memorandums an das Ministerium des Innern, infolge dessen an sämmtliche Jurisdictionen des Landes behufs Hintanhaltung und Bewachung antisemitischer Umtriebe eine strenge Ministerialverordnung erging, die denn auch bereits ein günstiges Resultat zur Folge hatte. — Aus Tyrnau sind nämlich dieser Tage Seitens der dortigen jüd. orthodoxen Gemeinde, an die Durchführungs-Commission über Judenhetzen, haarsträubender Natur, Berichte gelangt und da genügte es vollkommen, daß die Durchführungs-Commission sich nunmehr unter Bezugnahme auf den Ministerialerlaß, an den Vicegespan des Preßburger Comitates direct mittelst einer Eingabe wendete, der denn auch sofort persönlich sich nach Tyrnau begab, um daselbst die größtmöglichsten Vorkehrungen zu treffen, damit den dortigen Hetzern das Handwerk gelegt sei. Rußland. Petersburg. Schon vor einigen Tagen telegraphirte man einem Wiener Blatte von Petersburg, es würden ernstliche Regierunbsmaßnahmen zum Schutze der Juden erwartet. Bei der jüngsten Rundreise durch ein Gouvernement habe General Gurko den Juden gesagt: „Nun könnt Ihr ruhig sein, man wird Euch nickt mehr massacriren." In der That hat sich die Meldung bestätigt; ein Circular des Ministeriums des Innern gibt bekannt, daß die Juden den gleichen Schutz wie die übrigen Staatsbürger genießen und macht die Gouverneure für jede Störung der Ruhe verantwortlich Wenn auf die Herren Gouverneu.e die Verantwortlichkeit für die Wiederholung der Judenverfolgungen fällt, dann werden sie schon dafür sorgen, das Volk über den Willen des Kaisers aufzuklären. Auch auf andere Weise sucht Tolstoi gutzumachen, was sein Vorgänger in der Judenfrage verbrochen hat. Nach der „W. A. Z." hat er nämlich die Entscheidung getroffen, daß allen nach Rußland zurückkehrenden jüdischen Emigranten ohne Rücksicht darauf, ob sie mit einem Auswanderungspasse versehen find oder nicht, straflos die Weiterreise in ihre frühere russische Heimath zu gestatten ist. Diese Entscheidung wurde sofort den betreffenden Grenzbehörden telegraphisch notificirt. Es ist somit anzunehmen, daß die jüdische Bevölkerung sich bald in vollständiger Sicherheit befinden wird.

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