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Der Israelit · 1882-06-28 · Heft 26 (28.6.1882) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 26 (28.6.1882)
Date
1882-06-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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642 nicht quälte, obgleich fast alle Geschäfte und Handwene während des Aufenthalts in der Wüste unnöthig waren, so trübten dennoch die Leidenschaften gar manchmal das Werk der Erziehung; der thörichte Wahn schuf das goldene Kalb, die Lüsternheit bereitete den Lüsternen ein frühes Grab, die Empörer unter Korachs Leitung wurden vom Erdboden verschlungen oder vom himmlischen Feuer verzehrt, und als Israel wieder' mit andern Völkern in Berührung kam, ließen sich Viele von den Töchtern Midians verführen und dienten den Götzen der Midianiter. Auch nach der Besitzergreifung des verheißenen Landes vermochte Jakob seiner hohen Aufgabe nicht zu genügen. Ein fortwährender Wechsel zwischen gut und bös, zwischen dem Erfassen der reinen Gotteslehre und der Hinneigung zum Götzendienste erzeugte endlose Kämpfe, bis das Heiligthum Gottes in Trümmer sank und die Söhne Jakobs in die Gefangenschaft wandern mußten. Noch einmal führte sie Gott zurück, noch einmal erstand auf dem heiligen Berge sein heiliges Haus. Jetzt war der Götzendienst für immer aus Israels Mitte gewichen; unter Chaldäern, Medern, Persern und andern heidnischen Völkcrn hatte Juda für immer den Götzendienst zu verabscheuen gelernt. Aber andere Leidenschaften hatten sich des Volkes bemächtigt. Jrrlehrer traten aus und stifteten allerlei vom wahren Judenthum abweichende Secten; Zwietracht und Parteiung zerstörten den inneren Frieden und führten die Einmischung der Fremden herbei. Zunl zweiten Male ward Jerusalem zerstört und das Heiligthum unseres Gottes vernichtet. Nicht nach einem Lande wurden diesmal die Besiegten vertrieben; sie wurden über die ganze Welt zerstreut. Seitdem weilt der Ueberrest Jakobs inmitten vieler Völker. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Offenbach a. M. Bei der am letzten Wochenfeste dahier stattgefundencn Confirmation (?) richtete Herr Dr. Formstecher aus einem Buche Fragen an seine Confirmanden (?). Als er unter Anderem eine Frage an ein Mädchen richtete, antwortete dieses: „Herr Doctor, Sie fragen falsch." Der Herr Doctor hatte nämlich zwei Blätter auf einmal herumgedreht und dadurch Störung in das Frag- und Antwortspiel gebracht. — Commentar unnöthig. Aus Kurhefsen, 20. Juni. Ein Theil der niederhessischen Conseroativen, allerdings nicht der anständige, ist schon seit einem Jahre in die Fußstapfen Stöckels getreten und betreibt oder läßt vielmehr das Geschäft der Judenhetze in den verschiedensten Formen betreiben. Nicht allein, daß mau den Herrn Hofprediger vor der letzten Reichstagswahl zu einem Vortrage nach Kassel einlud, der aber bekanntlich sehr zahm ausfiel, auch seine Gehilfen, die Herren Henrici, Förster u. dgl., waren wiederholt in Hessen, um für die „gute Sache" zu wirken. Da ihre Redeübungen entweder nicht besucht waren oder von den neugierigen Zuhörern lediglich als Gelegenheit zum „Ulk" angesehen wurden, war der Effect gleich Null. Damit die Agitation nun nicht einschlief, mußte auf andere Wege für sie gedacht werden. Zwar leistete das „Kasseler Journal," dem wöchentlich der amtliche Anzeiger für den Landkreis Kassel und den Kreis Wolfhagen beigelegt wird, schon ziemlich viel in Aufreizung und ließ keine Gelegenheit vorübergehen, alle Gerichtsverhandlungen und anderweitigen Vorkommnisse, an denen Israeliten betheiligt waren, in der gehässigsten Weise aufzubauschen. Doch war das den Faiseurs noch lange nicht genug; es mußte ein Mittel gefunden werden, noch mehr auf die Leidenschaften des Pöbels zu wirken, ein Organ, worin man das ungeschminkt zu sagen wagte, was das „Kasseler Journal" seiner Beziehungen wegen doch nicht aufnehmen durfte. So gründete man denn ein Wöchenblättchen, genannt „Das Geld Monopol," das seit einem halben Jahre in dem Dorfe Wehlheiden bei Kassel erscheint und einen Herrn Hennies zum Redacteur hat. In diesem Winkelblatte, das auf den Straßen und in den Wirthshäusern colportirt wird, lagert sich nun aller Schmutz ab, dem anderswo der Platz verweigert wird. Das Blatt leistet geradezu Unglaubliches in der Verhetzung zum Racenhasse; vor den ordinärsten Anecdoten schreckt es nicht zurück, um bei seinen Lesern Ekel gegen die Juden zu erregen. Die Nachricht, daß em Lehrer zu seinen Mitarbeitern gehöre, halten wir für ganz unglaublich. Auch schon wegen des oft haarsträubenden Stiles, der an nichts weniger als akademische Bildung erinnert. Wie man vernimmt, sind bisher alle Versuche angesehener israelitischer Mitbürger bei Regierung und Staatsanwaltschaft, dem Treiben des „Geldmonopol" Schranken zu setzen, vergeblich gewesen. Daß es da an unliebsamen Parallelen mit dem Verlauf früherer gegen Kasseler Blätter vorgekommener Preßprozesse nicht fehlt, kann man allen anständigen Leuten — und diese sind doch in der großen Mehrheit — nicht verdenken. In Kassel z. B. erinnert man sich recht gut, wie viel man dem Gemeinsinn und der Wohlthätig keit der älteren dort angesiedelten jüdischen Familien zu verdanken hat und weiß nicht, warum unsere Po-

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