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Der Israelit · 1882-06-21 · Heft 25 (21.6.1882) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 25 (21.6.1882)
Date
1882-06-21
Page
– (sequence 20)
Language
German
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632 Beamte zwei Tage später, am 27. März, die jüdischen Notabeln zu einer neuen Versammlung berief und sie unter Hinweis auf jene Proclamationen befragte, was sie nun endgiltig zu ihrem Schutze vorzukebren gedächten. Ihre Antwort war dieselbe wie - im Februar. „Damit ist's nichts!" erwiderte er ihnen. „Erstens werdet ihr selbst euch nicht zu schützen vermögen, und zweitens wäre die Bewaffnung und Organisation der Juden eine Gefahr für die übrigen Bewohner und könnte zu einer Christenhetze führen. Ich kann sie darum nicht gestatten!" Die Juden erlaubten sich, in aller Demuth auf den Widerspruch der beiden Gründe hinzuweisen, gaben die sichtlich ernstgemeinte Versicherung ab, daß eine Christenhetze ihrerseits nicht zu befürchten sei, zeigten sich jedoch durch das plötzliche Verbot nicht erschüttert. Einer ostentativen Organisation, dachten sie, bedürfe es ohnehin nicht, und an der Vertheidigung ihres Lebens und Eigenthums im Nothfalle würden sie die Behörden wohl nicht zu hindern wagen. Daß diese zu Gunsten der Mordbrenner einschreiten könnten hielten sie für undenkbar — und dies war ihr Jrrthum; der Fall ist thatsächlich eingetreten. Balta stünde noch heute blühend und aufrecht, wenn Polizei und Militär neutral geblieben wären. Den Beweis hiefür bietet die nachfolgende Darstellung des thatsächlichen Vorganges. Getrosten Muthes gingen die Juden an ihre Vorbereitungen, unbeirrt durch die Hetzreden ihrer „Beschützer". So versicherte ihnen einer derselben: „Die Bauern werden uns von euch befreien und euch nach Palästina heimschicken. Was ihr errafft habt, bleibt aber hier — aus Palästina hab't ihr es ja nicht mitgebracht!" Hingegen seufzte ein anderer sentimental: „Verblendetes Volk, wir haben es so gut mit euch gemeint!" Anders ein munterer dritter: „Ich freue mich auf die Oftertage!" sagte er dem Rabbiner. „Da wird es lustig sein! Da bekommen wir auch nach Balta ein Theater! Ich will mir Polster und Pfeife an's Fenster nehmen und zusehen wie aus einer Loge!" Allerdings mußten die Juden in aller Stille rüsten, da ja das polizeiliche Verbot „wegen Gefahr einer Christenhetze" eine ostentative Organisation verhinderte. Samstag den 8. April wurde in allen Bethäusern vor Beginn des Gottesdienstes die Parole ausgegeben: Alle Läden sind bis zum Mittwoch geschlossen zu halten; Weiber, Kinder und Greise werden in den Kellern oder Hofräumen geborgen, die Jünglinge und Männer haben sich nach Kräften bewaffnet, im Flur ihrer Wohnhäuser bereit zu halten; im Falle eines Allarms eilt die Hälfte an den bedrohten Punkt; Gewalt wird mit Gewalt abgewehrt. Dann schritt man zum Gebete, und „so ist noch nie in Balta gebetet worden, wie an diesem Sabbath-Vormittag", erzählen die Flüchtlinge. Nach Schluß des Gotesdienstes begaben sich Alle auf Posten und griffen trotz des Sabbaths zu Hacke und Sense, Keule und Revolver. Nur tu Lebensgefahr darf man die Gebote des Ruhetages übertreten; hier lag dieser Fall vor. (Schluß folgt.) (N. Fr. .Pr.) AIZEIOEX. Für den folgenden Theil ist die Redaktion nicht verantwortlich. in tüchtiger Lehrer, Talmudist (Ungar), der seit einer Reihe von Jahren, auch jetzt noch, in Deutschland post, ist, der schon 20 Jahre Schochet, Vorbeter. ein correcter Korah, gerühmter Mohl, Tokeah, der zu jeder Gelegenheit eine schöne, deutsche Predigt zu liefern im Stande ist, 40 Jahre alt, mit kleiner Familie, und von mehreren deutschen und ungarischen Rabbinen und Gemeinden Anempsehlnngsatteste zum Borzeigen hat, sucht zum I. oder höchstens 15. Juli d. I. eine Anstellung. Gemeinden, wenn auch kleinere, bei nicht großem Gehalt, freier Wohnung und Beheizung, welche in geregelter Ordnung find, können gefall, ihre Offerten direct an den Lehrer Jakob Luftig in Mandel bei Kreuznach einschicken. (1747 ie Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters dahier ist in Erledigung gekommen und ist sofort wieder zu besetzen. Fixer Gehalt 700 Mk., bei freier Wohnung außer Einkünfte der Schächtersunktiou. Einem tüchtigen Mann wäre geboten, sowohl in der nahe liegenden Stadt, sowie in einigen Rachbargemeinderr durch Ertheilung in hebräischen und deutschen Unterricht sich das Einkommen wesentlich zu verbessern. Bemerkt wird, daß nur Seminarlehrer ausgenommen werden. Bischbcrg b. Bamberg, 9. Juni 1882. August Lehmann 2266) Enltusvorstand. i^in israel. Mädchen mit guten Zeugnissen, welches die bürgerl. Küche versteht, gesucht. Metzger Dav. Bier, 2378) Eöln. /Ta« j. Mädchen, w. d. Putzarb. gründl. erl. 'S' hat, wünscht e. Stelle in sölcber Branche, ganz im Hause. Gute Ref. stehen z. Vers. Off. unter E. 32 an A. Goldschmidt, Buchhandlung, Hamburg, erbeten. (.2362 der hiesigen Gemeinde ist die Ele- <\> merrtaru. Neligionslehrerstelle, verbunden m i t dem Cantorat, v a c an t. Das Einkommen beträgt Mk. 180!) und wollen sich qualificirende Bewerber unter Einreichung ihrer Zeugnisse beim Unterzeichnetem Vorstande melden. Vorstand der Synagogen Gemeinde 2262 j zu Kosten. CVi'tr einen jungen Mann vom Land wird O eine Lehrlings stelle bei einem religiösen Metzger gesucht. Ges. Offerten sind an Hrn, Benj. Niederhofheim, Frankfurt a. M.. zu richten. Wochen - Kalender. Freitag, 23. Juni, 6. Tamus. Samstag, 24. Juni. 7. Tamus. ,mi 'L fctsjaca '.i 's ,rpn Sabbat-Ausgang 9 Uhr 20 Minuten. (Mainzer Uhr.)

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