Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1882)
- Date
- 1882-06-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447898-2447922--18813-2474867- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
624 Sessel zu. „Seid nit broges, daß ich Euch Hab rufen lassen: aber ich vereis' vielleicht in einigen Tagen auf längere Zeit. Ihr habt für Euren mir unbekannten Auftraggeber 30,000 Gulden bei mir, die Euch am nächsten Rosch-Chodosch zu berechnen kommen; wollt Ihr sie gleich haben, es fehlen ja nur einige Tage dazu oder wollt Ihr mir aderabbes) die andern 20,000 Gulden, die Ihr zuweilen bei mir stehen habt, auch noch dazu geben? — Ihr wißt es, es kommt mir boruch haschem auf 50,000 Gulden mehr oder weniger in meinem Geschäfte nicht an; — aber ich muß mich doch darnach richten!" „Mekaß Reb Kalmen!'' meinte Wodnian, „wenn Ihr bis Rosch-Chodosch nit zurück seid, Möcht' ich Euch bitten, mir die 30,000 Gulden zu geben, — ja, ich weiß gar nit, ob ich Euch je wieder das Geld zurückbringen werde." Opotschna erbleichte, er befand sich in der eigenthümlichsten Lage, in der sich ein Kaufmann befinden kann, er war in der That, ein, nach den Begriffen seiner Zeit, sehr reicher Mann; - aber er bedurfte, um nicht plötzlich arm, — oder mehr oder weniger als das, — ein Bankrotteur zn werden, eine Zeit lang noch fremder Kapitalien, des Credites, der ihm jetzt plötzlich, unerwartet von zwei Seiten gekündigt wurde. Er versuchte es, äußerlich seine Ruhe zu bewahren, und in einem Tone der scherzhaft klingen sollte, fragte er: „Warum? Habt Ihr oder Euer Vollmachtgeber kein Vertrauen zu mir?" „Was fällt Euch da ein, Reb Kalmen?!" erwiderte Wodnian, „aber."er brach ab. „Ihr macht immer und ewig Szodos!I Ich glaube, Ihr könnt mir ganz ruhig sagen, was Ihr für „aber" habt!" „Was kann Euch daran liegen?" Opotschna dachte einen Moment nach, er war ein kluger Mann und sah ein, daß er eigentlich in keinem Falle mehr etwas zu riskiren hatte, mehr hatte er von Wodnian nicht zu befürchten, als daß er auch die Zahlung der 30,000 Gulden verlangte und ihn: weiter kein Geld brachte. „Ich werde Euch offen sagen," sprach er endlich im Tone großer Herzlichkeit, „ich habe jetzt ein sehr großes, aber auch sehr gutes Geschäft in Aussicht, bei dem ich auf ungewöhnlich großen Rewach rechne. Mein unbekannter Geschäftsfreund gefällt mir, er muß ein sehr choschever Mann sein, und da er den fünften Theil vom Gewinn bekommt, so hätte ich ihm gerne den schönen Gewinnantheil zugewendet. Uebrigens, ich habe vorhin gesagt, es kommt mir boruch haschem auf 50,000 Gulden nicht an, davon 2) int Cegentheil. 31 (refjeimmttc. könnt Ihr Euch gleich überzeugen," er zog ihn zur offenen Kassa hin, „seh't! hier 14 Säcke mit Dukaten, hier Säcke mit Silbermünzen, hier ein Sack mit Doppellouisd'ors" — er öffnete alle — „aber, ich habe es auch gesagt, ich habe jetzt ein ungewöhnlich großes Geschäft abgeschlossen, wozu ich nicht genug Geld aufbringen kann .... also offen gesprochen, es wäre mir lieb, wenn Ihr mir Äe 30,000 Gulden lassen und noch 20,000 dazu bringen würdet.' Ich glaube, Ihr werdet mich nicht mißverstanden und keinen Widerspruch in meinen Worten gesucht und gefunden haben; — übrigens soll es auch Euer Schaden nicht sein, bei einem so großen und einträglichem Geschäfte kann ich Euch ein großes Szarßerius^) geben." „Ihr wißt es ja, Mekaß Reb Kalmen!' erwiderte Wodnian höflich, „daß ich ein solches von Euch nie annehme, mein Auftraggeber, der großes Vertrauen in mich setzt, bezahlt mir meine kleine Mühe reichlich; aber er hat mir verboten, von dem Geldnehmer ein Geschenk oder eine Vergütung anzunehmen, es wäre dies wie er behauptet Owok Ribis,-') wenn nicht gar Ribis") selbst. Ich bin auch gar nit meßupek,Z daß er unter gewöhnlichen Verhältnissen Euch das Geld lassen würde; — aber man kann jetzt nicht mit ihm spr...." Wieder brach Wodnian ab. Opotschna war seinen Worten mit großer Aufmerksamkeit gefolgt, mehr als je lag ihm jetzt daran, den Namen des sonderbaren Geschäftstheilnehmers kennen zu lernen und ohne Wodnian Zeit zum Ueberlegen zu gönnen, frug er rasch: „Ihr könnt ihn jetzt nit sprechen? nickt wahr?" und als Wodnian unwillkührlich bejahend nickte, fuhr er fort, „also, so muß der Mann ein hiesiger sein, — ich hatte bisher immer geglaubt, er lebe anderwärts und Ihr machtet die Geschäfte mit ihm brieflich ab." „Ich habe ja nicht gesagt, daß er hier wohnt!" entgcgncte Wodnian. „Also wohnt er anderwärts? Das könnt Ihr doch auch nicht behaupten! .... Ihr weicht ja meinen Blicken aus . . . ." „Ich habe nichts zu behaupten, ich habe überhaupt gar nichts zu reden!" „Ich will Euch etwas sagen, Reb Dowid, Ihr könnt gut schweigen; aber schlecht lügen, ich will in Euch nicht drängen, im Grunde kann es mir ja gleich sein; — aber wenn Ihr ihn nickt 4) Maklerlohn, Courtage von dem talinndischen < aramäiscvcn) Worte Szarsmr. 5) Wörtlich Staub von Zinsen, dem Sinne nach Zinsen in anderer svorm, indirekt. 6) Zinsen. 7) Zweifle nicht daran.