Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1882)
- Date
- 1882-05-31
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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553 genug bekommen, sagte eine Dame des Comittzs — die Kinder wenigstens sollen nicht Noth leiden. — Jetzt waren Alle befriedigt; Dankesworte wurden aus den Coupes gerufen, dann setzte sich langsam der Zug in Bewegung, er rollte hin, er war verschwunden und leise töntendie schönenFreiligrathschen Verse von unseren Lippen: .... — Zieh't hin in Frieden! Gott schütz' euch, Mann und Weib und Greis. Sei Freude eurer Brust beschieden. Und euren Feldern Reis und Mais. Wir traten hinaus; — dort stand ein Beamter der Eisenbahn. — Und Sie sind im Allgemeinen mit den Leuten zufrieden? — Ja, sehr; wir Helsen ihnen, so viel wir können; man müßte ja ein Vieh sein, wenn man mit Denen kein Mitleiden hätte! — Man müßte ja ein Vieh sein, wenn man mit Denen .kein Mitleiden hätte! Und dort unten lag das stolze, reiche Berlin, die Hauptstadt des mächtigen Deutschlands; und dort winkte die Siegessäule, die die Verkünderin eines Eulturfortschritts sein sollte. Es will Einem kaum in den Kopf, daß man in einem europäischen Staate Tausende unschuldiger Menschen berauben, martern, tödten darf, ohne daß sich eine Hand regt; wenn auf einer fernen asiatischen Insel Gräuel von einem Herrscher an seinen Unterthanen begangen werden, dann setzen sich Kriegsschiffe aller Nationen im Namen der Humanität in Bewegung. In Rußland darf man plündern, rauben, schänden, verstümmeln, tödten — nichts ist dort verboten. Mir fielen die bitteren Worte eines großen Berliner Professors ein: „Das Völkerrecht handelt weder von den Völkern, noch vom Recht." — Aber wenn die Regierungen nichts thun, so mag der Einzelne handeln. In Berlin, in Paris, in London, in New-Aork bestehen Central-ComitLs, die die Auswanderung, die Unterstützung der flüchtenden Juden organisiren. Etwa zweihundert Mark kostet allein der Transport solch eines Unglücklichen von der russischen Grenze bis Amerika; welche ungeheuren Mittel also sind nothwendig, um hier nur in geringem Umfange Linderung und Hilfe zu schaffen. Eine Mutter, die ein Kind hat, spende für die Kinder der Vertriebenen; wer einen alternden Vater hat, denke an jene Greise, die hilflos in Rußland zuGrunde gehen; wer eine Frau, wer eine Schwester hat, er denke an die Schmach, die Hunderten von Weibern in Rußland angethan worden ist; ein Jeder muß nach Kräften das große Hilfswerk unterstützen; ein Jeder muß dazu beitragen, um ein Wenig von dem Unglück zu tilgen, das jene Aermsten erduldet haben; Europa ist dazu verpflichtet, durch seine Mildthätigkeit die Schmach zu bedecken, die dem neunzehnten Jahrhundert von Rußland angethan worden ist. Es gibt keine Partei, es gibt keine Confession, die sich ausschließen dürfte; wer sich ausschließt, gehört zur Secte der Verworfenen. „Man müßte ja ein Vieh sein, wenn man mit denen kein Mitleid hätte." P. N. A \ K E I (i E IS. Für den folgenden Theil ist die Redaktion nicht verantwortlich. Mitbürger und Mitbrüder! Zwei größere, fast nur von Inden bewohnte Städte Westrnßlands, ^morgon und Kowno, sind von einem schweren Brandunglück betrossen worden. Und zwar ist Smorgon säst ganz, von Kowno nur ein Theil, jedoch gerade der von den Handel und Eewerbcreibenden bewohnte Theil der Stadt eingeäschert. In jeder dieser Städte werden Tausende sleißiger Menschen brodlos. Telegraphisch und brieslich um Beihilse erstickt, wenden wir uns an Euch im Geben unermüdliche Mitmenschen. Lasset Euch nur nicht das ewige Birten und Betteln verdrießen. Bedenket wie Ihr ruhig und glücklich, behäbig und behaglich im trauten Heim lebet und wohnet, während diese Menscken „Bein von Eurem Bein und Fleisch von Eurem Fleische" unaufhörlich von schwerstem Unglücke heimgesucht sind und Ihr werdet gerne geben. Im Namen der ewigen Liebe tmd Barmherzigkeit bitten wir, helfet Euer» Brüdern! Memel, im Mai 5042 (1882). Das ständige Hilfscomi16 für die Uothstände russischer Israeliten. Gesucht zu Michaelis für einen kleinen Haushalt eine erfahrene saubere Köchin, die etwas Hausarbeit mit übernehmen muß. (2121 Hildesheim. Frau Henriette Dux« Ein ordentlicher iSrael. Bäckerlehrling j unter günstigen Bedingungen gesucht. s G. Düring, Bäcker iss | Cöln, Thieboldsgasse 45. Br. Itülf*. 31. L.urie. A. Wittenberg. Wir sind gerne bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und an Herrn Dr. R fl l t weiterznbeiördern._Die Expedition des „Israelit." fCm ]. Mädchen, musik. geb., in Lpr. u. z /Lin braver gut empfohlener junger Mann, Wissensch. bew., sucht Stelle als Erzieh., i w' welcher Lust hat in ein jüdische- Gesellsch. od. Reisebegl. Gest. Off. unter! Metzgergeschäst als Lehrling einzutreten, H. H. an A Goldschmidt Buchhandj kann sich melden bei Metzger Salomon lnng, Hamburg. (2140 Traub in Karlsruhe, Baden. (2163 /Lin braves isr. Mädchen, das gut bürgerlich kochen kann und beste Zeugnisse auszuweisen hat, für eine kleine Familie in der Schweiz gesucht. Stierten befördert unter Chiffre 8. 8. 20 die Annoncen-Expedition von I. Kauffmann in Frankfurt a. M. (2106