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Der Israelit · 1882-05-31 · Heft 22 (31.5.1882) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 22 (31.5.1882)
Date
1882-05-31
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXIII. Jahrgang. Zweite Seilagc zu Nr. 22 des Israelit. -X'i Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Viblis (Hessen), im Mai. mpcn \d pns nxw' □ic-n ntsny. Das Scheiden eines Frommen aus einein Orte läßt eine fühlbare Lücke zurück! Die Wahrheit dieses Spruches sollen auch wir tief empfinden; denn ein Mann, ausgezeichnet durch echte Religiosität, hervorragend durch seine Gelehrsamkeit und edle Tugenden, Herr Dr Wolfs wird in den nächsten Tagen unsere Gemeinde, in der er fast 15 Jahre segensreich wirkte, verlassen, um einem ehrenvollen Rufe an das Rabbinerseminar zu Colmar zu folgen. Wir verlieren in ihm einen Führer voll heiligen Ernstes, voll inniger Liebe und zärtlicher Fürsorge für das Wohl der ihm anvertrauten Gemeinde und Schule. Es ist ein harter, wohl schwer für uns zu ersetzender Verlust, denn sein Einfluß wirkte auf Alle, die mit ihm in Berührung kamen, veredelnd und wohlthuend. Nicht allein in religiösen Fragen, sondern auch in jeder anderen Angelegenheit stand dieser edle Mann in Rath und That Jedeni gerne zur Seite. Liebe und Friede war stets seine Aussaat und demgemäß seine Ernte. Durch diese Friedensliebe und Menschenfreundlichkeit gewann er die Herzen Aller und führte sie zu min n"Zi mi2y. Hierdurch hat er sich in unserer Gemeinde unsterblich gemacht; seine zahlreichen Schüler werden seiner stets in Liebe und Dankbarkeit gedenken. Seiner geehrten Frau Gemahlin, die eine wn ntPN in des Wortes edelster Bedeutung genannt zu werden verdient, gebührt nicht der kleinste Theil; dieser ungetheilten Anhänglichkeit und Liebe, indem! ein Jeder, ohne Unterschied und zu jeder Zeit, ein? freundliches Entgegenkommen und liebevolle Auf- > merksamkeit auch ihrerseits fand.; Möge es ihm gelingen, in seinem neuen Wir- ' kungskreise recht viel des Guten und Edlen zum! Wohl und Heil des Judenthums zu wirken. Möge er uns ein freundliches Andenken bewahren, sowie auch wir seiner stets in Liebe und Dankbarkeit gedenken werden. "-2-7:2- 2-22 cvrc* t~x’ 'r, : Feuilleton. Um Hamburger Uahnhof in Berlin') Die Sonne lächelte herab auf den Hnmboldshafen. Am Himmel trieb ein leiser Wind flüchtige, kleine Wolken vorüber, die hier auftauchten, dort verschwanden — das Bild eines flüchtigen, heimathlosen Wanderers. Ueber die weitgespannten Bögen der Stadtbahn rollte geräuschlos ein Zug, aus dem frische, fröhliche Gesichter auf das sich unter ihnen ausbreitende Stück Berlin herabblickten; auf dieser Seite des Wassers gewahrte man den Lehrter Bahnhof, eine der zierlichsten Bauten der Hauptstadt unterallen jenen, die dem Bedürfnisse des Tages gewidmet sind; gerade aus sieht man die schönste Brücke Berlins, die Alsenbrücke, die nach drei Seiten dem Verkehr breite, bequeme Straßen öffnet, die den Fußgänger auf mächtigen Granitquadern über das Wasser hinübergeführt, und hinter ihr schweift der Blick durch eine Straße, die auf beiden Seiten von Palästen gebildet wird, zu dein erquickenden Grün der Bäume des Thiergartens und zu jenem mächtigen Nasenplatze, aus dessen Mitte sich stolz die Siegessäule erhebt. Man zögert, ehe man sich von diesem Denkmal deutscher Größe abwendet; drei glorreiche Kriege haben die Motive für die Reliefs des Sockels geliefert. Aber es ist nicht der Stolz der deutschen Nation, aus vielen Dutzend Schlachten als Sieger hervorgegangen zu sein; man träumte, man glaubt, daß alle diese Siege auch Triumphe des Fortschritts und der Civilisation wäre, daß mit dem Blute von Hunderttausenden den künftigen Generationen eine nienschenwürdigere Heimstätte hienieden geschaffen sei. Man schöpft reiche Eindrücke aus alledem, was dicht gedrängt um den Humboldhafen hernmliegt. Der Lehrter Bahnhof predigt den Segen, den rascher, schneller Verkehr für Handel nnd Wandel hervorbringt, und die gefällige Form des Gebäudes zeigt, wie die Kunst mit dem einziehenden Reichthum selbst die Werke der reinen Nützlichkeit mit ihrem verklärenden Schimmer umgiebt. Die stattlichen Häuser, fast nur von Kaufleuten bewohnt, gemahnen an die Resultate eines werkthätigen Lebens; sie sind die Früchte einer arbeitsvollen Vergangenheit, und mag : V : i ■ r l °) Aus der Tribüne.

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