Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1882)
- Date
- 1882-04-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXTTI. Jahrgang. M 17 Ein Central-Organ für das orthodoxe Judenthum. Herausgegeben von »r. Lehmairn in Mainz. Der Israelit Mittwoch, dem »«. April 3642 (1682). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 10 Reichs-Mark. Man abonnirr ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 fi. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt. Leitender Artikel: Fürst Orlow über religiöse Freiheit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu: Deutschland: Mainz. Fürth in Bayern. Eppingen. Berlin. Neumark. Frankfurt a M. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: 3mal Lemberg. — Holland: 3mal Amsterdam. — Rußland: 2mal Petersburg. — Feuilleton: Parthenope. Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen: Deutschland.' Würzburg. Mühlhausen. Schrimm — Oest. - Ung Monarchie: Wien. — Rußland: 2mal Petersburg. Libau. — Feuilleton: Lob Munitz. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Thiengen in Baden. — Oest. - Ung. Monarchie: Wien. — Rußland. — Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Leitender Artikel. Fürst Hrlow über religiöse Ireiheit. Paris, 13. April. Fürst Orlow, Jugendfreund und Vertreter des Czars Alexander II., vertritt seit Decennien das russische Reich bei den verschiedenen Regierungen, die in Frankreich auf einander folgten. Eingelebt in die französische Gesellschaft, vertraut mit dem französischen Leben und durchdrungen von westeuropäischem Geiste, faßte er seine Aufgabe dahin auf, nicht blos Abgesandter des Czars bei dem jeweiligen Machthaber in Paris, sondern auch Vermittler zwischen Rußland und den: französischen Volke zu sein, Theilnahme für sein Vaterland in Europa zu erwecken, dem Herrscher seines Reiches die französischen Zustände plausibel zu machen und für manche der hier herrschenden Ideen an maßgebender Stelle in Rußland den Boden vorzubereiten. So hatte er denn bereits im Jahre 1859, als die Reformbewegung in Rußland begann, dem damaligen E^ar zwei Memoranden, das eine „über die religiösen Seelen" und das andere „über die Abschaffung der Leibesstrafen in Rußland", unterbreitet. Der verstorbene Monarch hatte die Ausführungen Orlow's vollkommen gewürdigt. Die Leibesstrafen wurden fallen gelassen und die religiösen Secten mit größerer Milde als vorher behandelt. Im Mai verflossenen Jahres, nach der Thronbesteigung Alexanders HL, veröffentlichte Fürst Orlow die beiden Denkschriften in der russischen Zeitschrift Ruskaja Starina und es scheint mehr als zufällig, daß jetzt, wo neuerdings die Nachrichten über religiöse Bedrückung in Rußland einander drängen, der russische Botschafter die beiden Mcmoires vor seiner Abreise nach Petersburg ins Französische übertrug und als Manuskript drucken ließ. Wahrscheinlich dürste die daraus entstandene Broschüre nach seiner Rückkehr herausgegeben werden und als Zeichen dienen, daß auch an der Newa der Fanatismus wenn auch momentan aufflackern, doch nicht dauernd fortwirken könne. Das erste dieser Memoranden, welches die religiösen Sekten in Rußland behandelt, beschäftigt sich allerdings speciell mit den Raskolniki (Altglauoern), aber die in Bezug auf diese Letzteren ausgedrückten Anschauungen des Verfassers lassen sich auf alle an Zahl nicht geringen Secten und Glaubensgenoffenschaften in Rußland anwenden. Es tritt uns darin die häßliche Fratze einer fanatischen Hierarchie, die sich mit einer raubsüchtigen Bureaukratie verbindet, entgegen, um alle