Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1882)
- Date
- 1882-03-29
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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328 4 Deinen Taam maspik2') für Dein sonderbares, ungleichförmiges Benehmen Deinen beiden Söhnen gegenüber hören!" Opotschna erkannte jetzt zu seinem Schrecken, daß er, der stolze, hochmüthige Mann, dem kecken Sohne nicht mit jener würdevollen Haltung entgegengetreten war, die er sich gerne zu jeder Zeit, unter allen Verhältnissen und gegen Jedermann bewahrte, er zwang sich in das entgegengesetzte Extrem zu verfallen und polterte: „Ich habe immer geglaubt, Du wärst ein Chochom22), aber jetzt seh' ich, Du bist ein rechter Beheme! .... Ich habe Dir den wahren Grund nicht so vor meiner Frau und Deinen Geschwistern sagen wollen, ich will ja nit ohne Ursache unter meinen Kindern Kinne Szinno22) machen! Ich Hab' geglaubt. Du wirst es errathen! .... Du vergleichst Dich mit Tije?! — es is wahr, Tije is der Sohn eines reichen Mannes; — aber Du bist weit mehr, Du bist nur nebenbei auch der Sohn eines reichen Mannes; aber Du selbst bist ja durch die Jerusche") Deines Großvaters einOschir. — Bei Tije muß ich, wenn er verheirathet, auf Geld sehen — bei Dir nit! ..... Du hast Dein Vermögen richtig geschätzt, Du hast unbeschrieen meo alofim Gulden, die ich für Dich in meinem Geschäfte verwende, und ich werde Dir, wenn Du verheirathest bist, so viel Rewach ^) geben, daß Du wie ein Fürst wirst leben können — von dem, was Du von mir acher meo schonim erben wirst, will ich gar nicht reden — also warum soll ich Dich hindern wollen, ein Mädchen zu heirathen, das brav, schön und gut ist? .... . Wenn Tije nicht einen großen Schiduch machen möchte, würde er im Vermögen zu sehr gegen Dich zurückstehen. Ich bin zwar reich; aber, Du weißt, ich habe Vögeles Choßon 30,000 Gulden Nedan zugesagt, .... ich kann Tije nicht gar so viel geben! . . . ." „Warum?" frug Zodok lauernd. „Du bist ja reich, besitzest ein einträgliches Geschäft; Dein Geschäft muß sich ja jährlich bedeutend vermehren." Reb Kalmen blickte überrascht aus. Zodok hatte bisher — wenn uns der Ausdruck gestattet wird — wie ein gianck seigneur gelebt, der mit vollen Händen ausgibt, er weiß, daß dies seine Verhältnisse gestatten, sich aber um die Details, wie viel er eigentlich an Vermögen und Einkommen besitzt, gar nicht kümmert, und die Verwaltung des ersteren mit voller Beruhigung seinen Intendanten überläßt. Er begann zu fürchten, seinen Sohn jetzt plötzlich von einer neuen Seite kennen zu lernen. Er zwang sich, Gleichgiltigkeit zu affektiren und sagte im Tone leichter Ungeduld: „Freilich habe ich ein großes Geschäft, das unbeschrien, jährlich einen großen Gewinn abwirft; aber vergiß es nicht." — Opotschna bemühte sich jetzt wieder in dem Tone seiner Stimme den Ausdruck seiner Herzlichkeit zu legen, der Zodok schon seiner Ungewöhnlichkeit wegen fremdartig klang — „Du bist ia doch mein B'chor, mein liebstes Kind, der Sohn meiner ewig unvergeßlichen esches neurim^b) mit Dir kann ich ja offen sprechen — es werden jetzt drei Familien davon leben müssen; — Tijes Mechuton" — Opotschna sprach unwillkürlich etwas rascher, als wolle er über diesen Punkt möglichst schnell wegkommen — „hat es zur Bedingung gemacht, daß ich meinen zweiten Sohn als Chawer27) in mein Geschäft aufnehmen — also ... ich, der ich doch meinem Stande gemäß Haus führen muß — Du — und Tije, die Ihr doch im jirze Haschern22) Familie bekommen werdet, — wir Alle werden von dem Ertrage des einen Geschäftes leben müssen; — da kann ich dann nicht mehr darauf rechnen, daß ich jährlich gar so viel werde zurücklegen können; .... Du siehst es also ein, daß ich Tije nicht sehr viel Geld geben kann und darauf dringen mußte, daß er eine große Nedan bekommt." Zodok hatte die längere Auseinandersetzung seines Vaters mit gespannter Aufmerksamkeit angehört, jetzt erhob er sich, legte die Hände am Rücken zusammen, schritt einigemal im Zimmer auf und ab, und blieb endlich vor seinem Vater stehen. „Du hast behauptet, ich. Dein B'chor, wäre Dein liebstes Kind; — das glaube wer will; — ich — nicht, Tate! Daß Du den um mehr als fünf Jahre jüngeren Tije, früher als mich zum Choßon machtest, spricht nicht für Deine Behauptung!" „Die Sache hat sich gerade so gemacht", unterbrach ihn Opotschna verlegen. „Du weißt es ja, der Schadchen . . . ." Opotschna mußte heftig schlucken, „hat mir für einen meiner Söhne die gute Partie in Nikolsburg angetragen ..... nu da ich Tije gerad in Geschäften nach Brünn schicken mußte, hat er einen kleinen Umweg über Nikolsburg gemacht ..... nu — weil er schon dort war — is er auch auf die Beschau22) gegangen, er hat dem Mädchen, das Mädchen hat ihm gefallen ...... Die ganze Sach' hat sich eigentlich ganz von selbst gemacht — ohne, daß ich etwas dazu gethan habe — Du weißt es ja selbst, nicht wahr?" „Sei mir mochel^), ich weiß das nicht; — 21) ausreichenden Grund 22) kluger Mann. 23) Neid und Feindschaft. 24) Erbschaft. 25) Gewinn, Ertrag. 26) Gattin, Frau meiner Jugend, erste Liebe. 27) Compagnon, Gesellschafter. 28) so Gott will. 29) Brautschau. 30) verzeih'.