Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1882)
- Date
- 1882-03-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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310 Existenz habe und lediglich durch in Deutschland und Amerika gesammelte Unterstützungsgelder erhalten Mt. Unsere Informationen besagen das Gegen- Die Württembergischen sogenannten Templer ,.oei Colonien gegründet, eine am Fuße des ,i' und eine in der Nähe von Jaffa. Die genannte hat einen großartigen Aufschwung ge- ^mmen und erfreuen sich die Colonisten eines beoeutenden Wohlstandes; die zweitgenannte hat allerdings unfruchtbares Terrain erworben, was dem Aufblühen der Colonie hinderlich ist; trotzdem kömmt sie ganz gut fort. Die dritte Colonie wurde vor zwei Jahren von Israeliten gegründet. Es ist dies dieselbe, welche den Namen nipn nrs Pforte der Hoffnung, führte und über deren traurigen Ausgang wir bereits in diesen Blättern berichtet haben. Die Colonie konnte nicht gedeihen, weil von vornherein ungesundes Terrain angekauft worden war. Fieber brachen aus und zwangen die Colonisten ihre Pläne aufzugeben. Herr Netter behauptet nun, daß in Palästina alles gesunde und fruchtbare Gelände in Händen der Araber sei und nur solches Terrain angekauft werden könne, welches entweder unfruchtbar sei oder sich in ungesunder Lage befinde. Unsere Informationen widersprechen dieser Behauptung. Palästina ist gegenwärtig ein sehr wenig bevölkertes Land und ist daselbst fruchtbares Gelände in gesunder Gegend um geringen Preis zu erwerben. Herr Netter behauptet ferner, daß es für in Norden geborene und herangewachsene Menschen schwierig sei, unter einer glühenden Sonne zu arbeiten. Das ist allerdings wahr; wir erinnern jedoch an die Thatsache, daß ein Theil der in Amerika eingewanderten russischen Emigranten im Süden der Vereinigten Staaten angesiedelt wurde, an Orten, wo die Sonne nicht minder heiß brennt, als in dem Lande unserer Väter. Herr Netter meint ferner, daß die Araber, welche keine (?) Bedürfnisse haben, um Preise produciren, welche für Europäer nicht lohnend seien. Unsere Informationen besagen das Gegentheil und behaupten, daß der Ackerbau in Palästina sich zu einem sehr lohnenden Gewerbe gestaltet. Herr Netter meint ferner, daß die Ernte in Palästina durch räuberische Araber gefährdet sei. Wir müssen demgegenüber constatiren, daß überall die Feldfrüchte vor Dieben nicht sicher sind, daß namentlich auch in den noch nnbevölkerten Gebieten Amerikas der Staat die Ackerbauer gegen Diebe und Räuber nicht zu schützen vermag, daß in erster Linie die Colonisten sich selbst schützen und Wachen organisiren müssen. Anderes bleibt den in Amerika Anzusiedelnden auch nicht übrig. Ferner macht Herr Netter geltend, daß im heiligen Lande diejenigen Gottesgebote, welche sich an das Land knüpfen, den Ackerbauern hinderlich entgegentreten würden. Das ist allerdings wahr; doch könnte man das leicht vermeiden, indem man in solchen Gegenden Land erwirbt, die jenen Pflichten nicht unterliegen. Es gibt dort große Länderstrecken ^32 Hm itpio icp, welche in religiöser Beziehung dem Auslande gleich zu achten sind und deren jüdische Bewohner ganz wie Nichtpalästinenser leben und z. B. die zweiten Feiertage feiern. Man könnte zunächst die Colonisten in diesen Gegenden ansiedeln. Bemerken wollen wir jedoch, daß die Erfüllung jener Pflichten nicht so gar schwierig und hinderlich ist, wie es den Anschein hat. Herr Netter weist auch daraus hin, daß Kausleute, Handwerker rc. sich nur unter großen Schwierigkeiten in Ackerbauer nmwandeln können und daß große Mittel erforderlich seien zum Ankauf von Land, Ackergeräth, Vieh, Saatkorn, zur Erbauung von Häusern, Synagogen, Schulen, zur Anlegung von rituellen Bädern und Apotheken. Da Herr Netter aber selbst zugesteht, daß dieselben Schwierigkeiten sich den Colonisten in Amerika entgegenstellen, so wollen wir diese Punkte nicht näher hier erörtern. Herr Netter meint, daß, wenn die Colonien in Amerika nicht reüffiren sollten, die Einwanderer dort leichthin andere Beschäftigung finden würden, während sie in gleichem Falle in Palästina die Zahl der darbenden und unterstützungsbedürftigen jüdischen Bevölkerung vermehren würden. Auch das ist nicht ganz richtig. In dem an Krisen so oft leidenden Amerika wiederholen sich die Perioden allgemeiner Noth und Arbeitslosigkeit sehr häufig, und in den größeren Städten Amerikas gibt es ein zahlreiches Proletariat, welches nur unter Hunger und Kummer sein Leben fristet. Zum Schluffe führt Herr Netter eine — wie sollen wir sagen? — Drohung in's Feld, die uns ungemein lächerlich erscheint; er meint, daß eine Colonisation der russischen Emigranten in Palästina die Meinung Hervorrufen würde, daß für die Semiten das heilige Land noch immer seine Anziehungskraft ausübe und daß diese Meinung eine Katastrophe herbeiführen könne, wie Israel seit zwanzig Jahrhunderten nichts Aehnliches erlebt habe. Dieser letzte Punkt gibt über die Gesinnung des Herrn Netter genügenden Aufschluß. Wir aber wissen, daß uns die Liebe zn dem Lande unserer Väter niemals zum Nachtheile gereichen wird. Wir sind Herrn Netter dankbar dafür, daß er uns Anlaß gegeben, all die Gründe, welche gegen die Colonisirung russischer Emigranten in Palästina geltend gemacht werden können, einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen. Das Ergebniß derselben ist, daß wir die Ansiedelung in Palästina nur be-