Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1882)
- Date
- 1882-03-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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231 auch die Erörterung politischer Gegenstände sind von der Thätigkeit des Bundes ausgeschlossen. Vertreten waren bei den Verhandlungen sämmtliche religiöse Richtungen des Judenthums. — In der Nachmittagssitzung wurde beiläufig das Reskript des sächsischen Ministerium vom 16. Dezember, welches in durchaus wohlwollender Form die Gründe angibt, die einer Ertheilung der juristischen Persönlichkeit an den Bund nicht opportun erscheinen lassen, zur Kenntniß der Versammlung gebracht. Der Sitz des Ausschusses wurde nach Berlin verlegt. Die sämmtlichen Punkte der Tagesordnung wurden einstimmig angenommen. Berlin, 27. Febr. Soeben komme ich vom Lehrter Bahnhofe, wo ich Zeuge einer tief in's Herz schneidenden Scene war, deren Rührung noch ganz mein Herz erfüllt und mich noch lauge beschäftigen wird; ich beeile mich, Ihnen Mittheilung von dem Vorgänge zu machen. Vor 9 Tagen wurden dem Rabbiner Dr. Hildesheimer hier von Breslau nicht weniger als 73 Auswanderer unsrer so unsagbar unglücklichen russischen Brüder und Schwestern zugesendet, da das hiesige Comittz jede weitere Expedition nach Amerika eingestellt hat. Dr. H., der nur persönlich und deßhalb selbstverständlich nur in beschränkteren Kreisen sich den Sammlungen anschließen kann, war natürlich der ihm ausgetragenen Mission nicht entfernt gewachsen, er wandte sich vergebens an das Hamburger Comittz, dessen Mittel fast ganz erschöpft, und das sich daher vorläufig nur auf die Verpflegungsliebesdienste der dort befindlichen, der Uebersahrt Harrenden — die es allerdings in sehr wackerer, liebevoller Weise auch jetzt leistet, — beschränken muß, sowie an das Londoner große Comittz des inan8ioii house, das die Bitte ebenfalls zurückwies, und zwar mit der Motivirung, daß es den deutschen Comitös erst dann durch seine Mittel an die Hand gehen könne, wenn ihm dies Seitens Deutschlands durch Zuführung von Geldmitteln geschähe, was man demselben allerdings nicht verdenken kann. So ganz auf sich allein angewiesen, mußte Dr. H. vor Allem dafür sorgen, daß die Unglücklichen für die Zeit der Abwickelung etwaiger Anstrengungen zur Erreichung des Zieles nicht nur unter Dach gebracht, sondern auch verproviantirt werden. Letzteres gelang in recht reichlichem Maße in Verbindung mit dem edlen Wettstreite vieler Privaten, welche sich freudigst an der täglichen Versorgung der Armen mit Brod, Fleisch und Reis betheiligten, aber mehr als dies auch noch so viele Kleidungsstücke und Wäsche spendeten, daß sowohl Männer wie Frauen und Kinder reichlichst damit versorgt werden konnten. In dieser Zeit ging die Hauptsache natürlich ihren Gang, indem sich Dr, H. an seine vielen Rabbinatssitze einnehmde Schüler, wie sonstige befreundete Rabbiner, wandte, sie bittend, ihm zu obigem großen Zwecke etwa schon eingegangene Spenden dieses Zweckes einsenden oder wenn nicht Sammlungen all lioc vornehmen möchten. Dieser Aufforderung wurde auch allseitigft und freudigst entsprochen, und so war es in Verbindung mit der Baarschaft des Dr. H. selbst möglich, diese Auswanderer ohne in Anspiuchnahme irgend eines Comitös direkt ihrem Bestimmungsorte zuzuführen. — So eben nun fuhren dieselben ab, Dr H. und noch mehrere edle Männer waren an der Bahn um den llebersiedlern das„->^^' nachzusagen." Diese ergingen sich bei der Abreise im begeisterten Freudesjäuchzen des Dankes an ihre Wohlthäter, mir aber und sicher auch allen Anwesenden, schnitt dieses Jauchzen tief in die Seele, und man fragt sich tiefbekämmert tis -iy? (Wir haben zur Beförderung der im Vorstehenden erwähnten russischen Auswanderer von den bei uns eingegangenen Geldern Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer "j 2500 Mark übersandt. Red.) Hannover, 19. Febr. Heute vor 25 Jahren empfing Herr I. Krimke hier das Diplom, welches seine Anstellung als Stifsrabbiner u. Lehrer der Seminaristen enthielt. Es wurden dem Jubilar aus Anlaß dieses denkwürdigen Tages zahlreiche Glückwünsche von Rah und Fern dargebracht. Herr Krimke ist Verfasser des Hannov. Israel. Kalenders und der hebräischen Lesefibel. Frankfurt a. M., 26. Febr. Prof. Moritz Oppenheim ist am Freitag Abend plötzlich verstorben. Frankfurt verliert in ihm einen der bedeutendsten Vertreter seines Kunstlebens, einen Maler, dessen Bedeutung wert über die Grenzen seiner zweiten Vaterstadt hinausreicht und der ein Ehrenplatz in der Kunstgeschichte beanspruchen darf. Moritz Oppenheim ist 1801 in Hanau geboren, hat also das hohe Alter von 81 Jahren erreicht. Erbesuchte später die Akademie in München, setzte von 1821—25 seine Studien in Paris und Rom fort und ließ sich daun in unserer Stadt nieder, wo er seitdem gelebt hat. Oppenheim's eigentliche Bedeutung liegt in der poesievollen Auffassung und der charakteristischen Wiedergabe des jüdischen Familienlebens, doch hat er auch im Historienbilde und Portrait Bedeutendes geleistet. Wir erinnern in letzterer Beziehung vor Allem an sein berühmtes Portrait Börne's. Von seinen sonstigen Bildern sind besonders die „Rückkehr des jungen Tobias" (noch in Rom gemalt), „Susanna im Bade", „Rückkehr eines jüdischen Freiwilligen", „das Innere eines Bildhauer- Ateliers'' im Städel'schen Museum), „Lavater und Lessing bei Moses Mendelssohn" (1846), der „Cyc-