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Der Israelit · 1882-03-08 · Heft 10 (8.3.1882) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 10 (8.3.1882)
Date
1882-03-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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230 lan ' kx-rt' Wirkenden Männer fühlen uns gedrungen, durch Ihre Vermittlung unseren jüdischen Mitbürgern die Versicherung unseres Mitgefühls mit Ihren Glaubensgenossen in Rußland bei den schweren Leiden und Unbilden, von denen dieselben in der letzten Zeit heimgesucht worden sind, zum Ausdruck zu bringen. „Wir haben mit Staunen und Entrüstung von Ausbrüchen Kenntniß erhalten, welche an die unsinnigen Vorurtheile und die wilden Grausamkeiten des Mittelalters erinnern. „Wir geben uns der innigen Hoffnung hin, daß der Tag nicht fern sein möge, an dem in jedem Lande alle rechtschaffenen Unterthanen vor dem Gesetze gleich sein werden und die öffentliche Meinung Allen gleichmäßige Gerechtigkeit sichern wird, ohne jeden Unterschied der Race oder des Glaubens." An der Spitze der Unterzeichneten steht der Leiter der Gesammtuniversität, der sog. Bicekanzler, der von den Vorstehern der einzelnen Abtheilungen erwählt ist. Diese hohe Stellung nimmt gegenwärtig das Haupt des Penibroke College, der Doktor der Theologie, E. Evans, ein. Dann folgen die Unterschriften der einzelnen Vorsteher fast aller der vierundzwanzig „Colleges" und „Halls", in welche die Universität zerfällt. Es verdient vielleicht besonders hervorgehoben zu werden, daß die meisten dieser Vorsteher Doktoren der Theologie sino. Weiter kommen die verschiedenen Fachprofessoren, darunter sehr viele der bekanntesten Namen der englischen Gelehrtenwelt, Männer, bereit Ruf theilweise auch in weite Kreise in Deutschland gedrungen ist, wie der Philosoph Green, der berühmte Alterthumsforscher Rawlinson, die Historiker Stubbs und Burrows, der Jurist Holland, der Orientalist Sayce, der Nationalökonom Thorold Rogers, die ausgezeichrieten Sanscritgelehrten Monnier Williams nud^ Max Müller. Man wird ermessen, was zweihundert fünsundvierzig Männer bedeuten, die mit Persönlichkeiten wie die genannten ein Collegium ausmachen. Mit vollem Recht hat daher auch der ehrwürdige Oberrabbiner Herr Dr. N. Adler in seiner Antwort an die Universität Oxford, worin er den Empfang der Adresse dankend bestätigt, den ungewöhnlichen Werth der Kundgebung betont. Er schreibt in dieser Hinsicht folgendermaßen: „Im Namen meiner Confesston versichere ich Sie unseres herzlichen Dankes für diese edle, aus Ihrem eigenen Drang entsprungene Erklärung. Solche Empfindungen, die von Ihrer alten Universität und von Männern ausaehen, deren Stellung rm Reiche des Denkens und des Wissens ihren Aeußerungen ein ungewöhnliches Gewicht verleiht, können nicht verfehlen, einen tiefen Eindruck und eine bleibende Wirkung in der ganzen gebildeten Welt hervorzubringen.'' Gerade durch Literatur und Wissenschaft fast mehr als durch irgend ein anderes Band, werden heute die Nationen zusammengehalten und so ist es ein Gewinn für die ganze Welt, wenn wenigstens in einem Volke die erleuchteten Geister sich gedrungen fühlen, die edlen Gesinnungen laut zu bekennen, die in der Adresse der Oxforder Universität ausgedrückt sind. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 2. März. Nachdem die diesseitigen Landestheile der ehemaligen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt hinzugefügt worden waren, bestieg Ludwig I. als erster Großherzog von Hessen den Thron. Von den Soldaten, die unter ihm gedient haben, sind heute nur noch vier am Leben. Einer von diesen, Herr Jakob Löser, feiert am 7. März das Fest seiner goldenen Hochzeit. Heidelberg. Dem Orientalisten Professor Heinrich Weil ist die seltene Ehre zu Theil geworden, zum Mitglied der französischen ^.eaä^mie des inscriptions et belles lettres ernannt zu werden. In der Sitzung vom 17. ds. fiel die Wahl, welche den durch den Tod Dnlaurier's erledigten Sitz zu besetzen hatte, auf ihn. Der verdiente Gelehrte ist bekanntlich ein Frankfurter von Geburt. Berlin, 23. Febr. Bei der heute hier stattgehabteu Versammlung der Delegirten jüdischer Gemeinde-Vertretungen wird als Zweck des Bundes angenommen: „die Förderung der Verwaltungs-, Bildnngs- und Wohlthätigkeitsangelegenheiten der israelitischen Gemeinden des deutschen Reichs. Insbesondere wird dieser Zweck zu erreichen gesucht durch 1) Fürsorge für Religionsunterricht und Ausbildung von Religiouslehrern; 2) Erstrebung eines Systems der definitiven Anstellung und Pensioniruug von Gemeindebeamten und zur Fürsorge für die Hinterbliebenen; 3) Unterstützung von Unternehmungen und Veranstaltungen zur Hebung der jüdischen Volksbildung und zur Verbreitung richtiger Kenntnisse von dem Wesen und der Geschichte des Judenthums; 4) Verbesserung des Kranken- und Armenpflegewesens, namentlich Beseitigung der Wanderbettelei; 5) Ausbildung und Aufmunterung der Jugend für Handwerk, Landwirthschaft und technische Gewerbe. Die Behandlung kultureller und ritueller Fragen, ebenso

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