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Der Israelit · 1882-03-01 · Heft 9 (1.3.1882) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 9 (1.3.1882)
Date
1882-03-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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214 dankbare Antwort gäbe; — daran, daß seine Tochter Zodoks Werbung abweisen könne, hatte der beschränkte, egoistische Mann nicht gedacht; und erst jetzt als er in Esters erglühendes Gesicht blickte, überkam ihn eine leise Ahnung davon, daß seine schöne, edle, liebenswürdige Tochter doch eigentlich kein willenloses Ding sei, über das man, ohne es zu befragen, verfügen könne; er wurde verlegen und erwiderte, mit dem Bestreben, sich selbst Muth und seiner Tochter die Ueberzeugung einzuflößen, daß er sehr recht gehandelt und gesprochen. „Nu, Narreleben!12) was kann e braver Tat, der e feine schöne Tochter ohne Nedan hat, wenn e gewaltiger Oschir, der Sohn von e ausgerufenen 13) Mann, sie zum Weib haben will, anders sagen, als: Ich mach' mir e großen Kowed") und e großen Raches") daraus? — dann Hab' ich den Schadchen noch gefragt, wer ihn eigentlich geschickt hat, der Vater oder der Sohn „Was Hut er Tschuwo") gegeben?" fiel ihm Elke in's Wort. „Der HaupLbaldower n), der Sohn! — er is sein eigener Herr, hat sein eigenes Vermögen und kann thun, was er will — übrigens hat Reb Gerschom auch gesagt, daß Reb Kalmen seinem Sohn nichts in den Weg legen wird .... dann Hab' ich gesagt, da Zvdok kein Geld von mir haben will, aderabbe mir noch Geld geben will; — was ganz recht is", — fügte er, sich über die Selbstdemüthigung schlau hinweghelfend, hinzu — „weil ein so großer Kozin doch keinen Schnorrer18) zum Schwären") haben kann; — so kann das Tnojim-Schreiben20) jeden Abend, wann Reb Kalmen will, stattsinden .... Ich denk' mir", fügte er, zu Elke gewendet, hinzu, „er wird so viel Szechel haben, Alles für die Szude") bei sich machen zu lassen und schon fertig herzuschicken .... ewadde auch Silberzeug, Leuchter und Eßzeug . . . . e Pagatell!22) werden da etwas Chaschuwim23) zusammenkommen, der Peer24) der Kehilla!" „Du bist ein Chammer, ein Maiße Beheme!" zürnte Elke im kreischendesten Diskante, „der nit für e Wiener23) Mooch23) im Kopf hat! Hast Du gleich Antwort geben müssen? Hast Du's nit zuerst mit mir ausreden können? — Wenn e Oschir e Gusto hat, soll er sie auch bezahlen! — Dreitausend 12) Liebes Närrchen. 13) allgemein bekannt, berühmt. 14) große Ehre. 15) Vergnügen, Freude. 16) Antwort. 17) die Hauptperson. 18) Bettler, Bettelsack. 19) Schwäher, Schwiegervater. 20) Verlobung, bei dieser wurden früher einige Bedingungen niedergeschrieben. 21) Mablzeit. 22) eine Bagatelle! eine Kleinigkeit! 23) würdige Leute, so viel als Honoratioren. 24) der Glanz, die Herrlichkeit. 25) Pfennig. 26) Gehirn. Gulden will er Dir geben?! — Das nehm' ich nit, nit einen Kreuzer nehm' ich weniger als fünftausend Gulden!." Elke schlug mit der Faust auf den Tisch, „Du sollst nix, gar nix allein thun, mich mußt Du zuerst um Alles fragen! . . . ." Ester erhob sick>, legte ihre Hand auf ihrer Stiefmutter Arm, und als diese überrascht in das hochgeröthete Gesicht des Mädchens blickte, dessen schwarze Augen Blitze zu schleudern schienen, mußte selbst das freche Weib verstummen. „Di'ch hat der Vater in dieser Sache nicht zu fragen", sprach Ester und ihre Stimme zitterte vor Bewegung, „wohl aber mich! .... Du mußt so gut sein, gleich zu Reb Gerschom Wilmarschitz zu gehen und ihm sagen: Ich laß' mich vielmals für den großen Kowed bedanken; - aber ich muß ihn zurückweisen: — ich werde nie Zodok Apotschna's Weib werden!" Ulschitz war ein unkluger, selbstsüchtiger Mann; aber bei Weitem nicht so verderbt, wie seine Frau, in dem Momente konnte er es vollkommen begreifen, daß ein junges, geistesfrisches Mädchen, sich nicht für immer an einen Mann, der ihr mißfiel, knüpfen mochte, und er sank betrübt in seinen Lehnsessel zurück; aber Elke schrie wüthend: „Was heißt das? Was sind das für saubere Reden? Du weist e Schiduch, wodurch Du, Dein Vater, alle Deine Verwandten glücklich werden, zurück?! Ein Kind muß Taten und Mamen gehorchen, das steht schon in den eßeres hadibros2?) sonst is t ben ßorer liniore28) . ... Du bist Deiner Mutter rechte Tochter, die hat auch ihren Eltern nit gefolgt, und hat gegen ihren Willen den Sohn eines armen Schammes genommen — nix thut mir auf der Welt mehr leid, als daß die Frau gestorben is - dadurch habe ich den schlemodrigen Sabel Ulschitz geheiratet!" Elke mochte fühlen, daß sie in ihrer entsetzlichen Rücksichtslosigkeit zu weit gegangen sei und griff zu dem beliebten Hilfsmittel aller listigen, bösen Weiber, sie schlug beide Hände vor's Gesicht und heulte fürchterlich. „Was Du sprichst, ist sinnlos," entgegnete Ester „und nur aus Achtung vor meinem Vater, dessen Frau Du bist, wähl' ich keinen härteren, richtigeren Ausdruck dafür — ich verbiete Dir, von meiner Mutter so zu sprechen; überhaupt von meiner Mutter in meiner Gegenwart zu sprechen!" (Fortsetzung folgt.) 27) Zehn Gebote. 28) wideripänstiges Kind.

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