Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1882)
- Date
- 1882-02-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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189 Ijeme10) von Schammes zum Manne genommen hat!" Sabel Ulschitz war in seiner — wie der geschätzte Leser errathen haben wird — nicht sehr wonnereichen Ehe gegen derartige Expektorationen seiner süßen Ehehälfte etwas abgestumpft worden; aber die zartfühlende, ihrer Mutter nachgerathene Ester hatte sich nie an diese Ausbrüche boshafter Rohheit zu gewöhnen vermocht, sie sprach: „Mamme, der Tat will ja mir, nit Dir etwas sagen; und Dir wird ja ewadde auch nichts an einer Sach' liegen, die nur mich angeht!" „Hast e misrable Mad!"") fuhr Elke ungeberdig auf, „das soll man Kindern und Kindskindern Zwooh12) hinterlassen, bevor man e Almon w) mit e große Tochter nimmt, soll man sich lieber e großen Stein um den Hals binden und sich in den Fluß werfen, da wo er am tiefsten ist! .... ." allein Elke war nicht weniger neugierig als zänkisch und boshaft, und der Gedanke, daß ihr Mann, von Ester angeregt, seine Mittheilung an seine Tochter allein richten würde, veranlaßte sie plötzlich einzulenken und in widrigster Weise Gutmüthigkeit heuchelnd, sagte sie lächelnd: „Ez") solltet mich doch schon kennen! ich bin e Bisl ungeduldig und rasch, wie alle gute Menschen, — aber ich Hab nur e bös Maul, aber e ganz gut Herz! — man darf meine Wörter nit immer auf die Goldwaag legen; also erzähl'weiter, Sabelleben! — ich werd' jetzt kein Wort mehr drein reden und still wie ein Mäuslein sein!" „Also, wie ich ans Schul nach Haus' geh', seh' ich Reb Gerschom Wilmarschitz vor unserm Haus auf- und abgehen und der stolze Mensch, was sonst uns gemeine Leut gar nit ankucken15) thut, kommt auf mir zu und gibt mir auf der Gaß die Hand — denkt Euch nur! Mein Gabbe") Reb Gadel Zoref is grad' vorübergegangen, der hat Augen gemacht!" „Tateleben!" unterbrach ihn Ester, die zuweilen denn doch den frischen Uebermuth, den die Jugend verleiht, nicht ganz zu ersticken vermochte, „was Dein Gabbe für Augen gemacht hat, liegt mir wirklich nicht viel auf..... . also ich kann mir's denken, Reb Gerschom is mit Dir in's Haus gegangen, Du hast ihn in's Cheder geführt, er hat sich niedergesetzt — und." Ester machte eine Pause, in der Hoffnung, ihr Vater würde, nachdem sie ihm die Sprechbahn säu- 10) Dummkopf. 11) Ein miserables Mädchen. 12) Letztwiltig. 13) Wittwer. 14) Ihr. 15) Angucken, anschauen. 16) Vorsteher. berlich geebnet, fortfahren und zu dem Wesen der Sache übergehen, aber Sabel Ulschitz besaß kein Talent den abgerkssenen Faden eines Gespräches kunstreich anzuknupfen und er stotterte: „Ja .... ja .... so war's — ja, was ich Hab' sagen wollen; — ich Hab' noch die Flasche feinen Liqueur, was ich geschenkt bekommen Hab', hereingenommen, ihm ein Glas voll eingeschenkt und ihn gebeten Brocho zu machen17) aber er hat. . ." „Nix trinken wollen!" ergänzte Elke mit richtigem Errathen, „und hat für Ester einen Schiduch18) angetragen.also thu' mir die Towoh^) und sag' gleich wen! sonst reißt mir die Geduld, ich lauf plete2") und will von der ganze Maiße2*) nichts wissen!" Wenn auch zu befürchten stand, daß die Geduld des bösen, reizbaren Weibes risse, so hätte ihre zweite Drohung, sie würde ohne das Ende der Mittheilung davonlaufen, einen Schärferblickenden als Sabel Ulschitz kaum zu beängstigen vermocht; aber der arme Pantoffelheld sprudelte jetzt heraus: „Zodok Opotschna, den reichsten jungen Menschen in der ganzen Gaß22), vielleicht in ganz Pohm2^), hat er mir für meine Ester angetragen — und" — wenn Sabel Ulschitz schon in der Rede drinn war, schien sich die Voluvilität seiner Zunge in geometrischer Progression zu steigern, „er hat sein eigenes großes Vermögen, er hat von seinem Deden ^) in Preßburg — Gott der lebendige weiß wie viele Tausende geerbt, die liegen bei seinem Vater und der muß sie ihm, sobald er es verlangt, baar auszahlen; — und dann Reb Kalmen Opotschna, der is doch auch ein gewaltiger Oschir, er hat von der ersten Fran außer Zodok gar keine Kinder, von der zweiten einen Sohn und eine Tochter, — acher meo schonim 25) wird er von seinem Taten auch ein schön Stück Geld erben — kurz von der Sach: der Jung is meschuge um Ester28) und will sie zum Weib haben; Nedan2?) verlangt er keine, aderabbe28), er will mir 3000 Gulden baar auf den Tisch aufzählen, ich werd' e Oschir werden, brauch' kein Schammes nit zu sein, nit e jederen2") zuerst „Gut Morgen zu sagen; Du Elkeleben wirst, wie Du's gern Haft, gut essen und trinken, schöne Kleider tragen, und mir 17) Die Benediktion, die vor Genuß von Speise und Trank gesprochen wird, die damals gebräuchliche Form der Aufforderung etwas zu genießen. 18) Parthie. 19) Güte, Gefälligkeit. 20) Davon. 21) Geschichte. 22) Judenstadt. 23) Böhmen. 24) Großvater. 25) Nach hundert Jahren; eine übliche Umschreibung für nach dessen Tode. 26) Der junge Mensch ist wahnsinnig in Ester verliebt. 27) Mitgift." 28) Im Gegentheil. 29) Jedermann.