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Der Israelit · 1882-02-08 · Heft 6 (8.2.1882) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 6 (8.2.1882)
Date
1882-02-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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130 Hs jaschir Moscheh! Mainz, den 1. Februar. „Und Israel sah die große Hand, die der Einige bethätigt an Mizrajim, und das Volk fürchtete den Ewigen, und sie glaubten an den Ewigen und an Moscheh, seinen Diener. Damals sang Moscheh und die Söhne Israels dieses Lied dem Ewigen." (2. B. M- C. 14, V. 31, C. 15, V. 1.) Die weisen Erklärer des heiligen Schriftwortes machen die Bemerkung, daß das Wörtchen w „damals" eigentlich überflüssig sei; es hätte ja heißen können: om nro *vb"i „und es sang Moscheh und die Kinder Israel". Warum wird das „damals" so hervorgehoben? Da das Loblied unmittelbar den vorher erzählten Ereignissen folgte, so scheint es unnöthig zu sein, daß die heilige Schrift den Zeitpunkt so genau bestimme. Um diese Frage zu erörtern, möge es uns gestattet sein, zuvor eine andere Frage aufzuwerfen. In Tractat Megilla (f. 10 b.) lehren die Weisen, daß sich Gott des Unterganges der Frevler nicht freuet. Er, der allgütige und allbarmherzige Vater des ganzen Menschengeschlechtes will, daß alle Seine Kinder in Seinen Wegen wandeln, die Tugend üben, und das Böse verabscheuen, daß auch die Sünder reuig zu Ihm zurückkehren, und Er hat keine Freude daran, wenn Seine Geschöpfe von der verdienten Strafe ereilt werden. Anlehnend an die Worte der heiligen Schrift n^n nr nr ttm erzählt Rabbi Jochanan, daß, als die Engel ihren Lobgesang anstimmen wollten, Gott sie mit den Worten zurückwies: Meine Geschöpfe sinken in's Meer, und ihr wollt ein Loblied singen? Nach dem Erzählten liegt die Frage auf der Hand, wie denn die Israeliten ein Loblied singen durften ob des Unterganges der Aegypter; hätte nicht Gott auch zu Moscheh und den Kindern Israels sprechen sollen: Meine Geschöpfe sind im Meere versunken und ihr wollt ein Loblied singen? Wenn wir das heilige Schriftwort genau betrachten, so wird sich die Sache ganz anders Herausstellen. — Ein ohne Grund unterdrücktes und viele Jahrzehnte lang auf das Schrecklichste mißhandeltes Volk entflieht seinen Peinigern. Diese setzen ihm nach und wollen es in die alte Knechtschaft zurückführen. Durch Gottes wunderbare Hilfe ereilt die Verfolger der Tod. Und es half der Ewige an diesem Tage Israel aus der Hand Mizrajims! und Israel sah Mizrajim todt am Ufer des Meeres. Aber nicht jetzt stimmen Moscheh und die Kinder Israels den Jubelgesang an, nicht der Umstand ist es, daß ihr grimmiger Feind untergegangen, der sie zu einem Loblied begeistert, sondern erst der Erfolg dieses wunderbaren Ereignisses, daß Israel von nun an und weiter Gott unaufhörlich fürchtet und unerschütterlich an den Ewigen glaubt und an seinen Diener Moscheh, erst dieser Erfolg erfüllt Moscheh und die Kinder Israels mit der Begeisterung, daß sie das herrliche Jubellied anstimmen dem Ewigen, in, damals, als dieser Erfolg erzielt war, sangen Moscheh und die Kinder Israels dieses Lied dem Ewigen. Deßhalb wies Gott das Loblied der Kinder Israel nicht zurück, denn es galt ja nicht dem Untergange der Aegypter als solchem, sondern der ewigen Begründung der Gottesfurcht und des Gottesglaubens in den Herzen aller Israeliten. Und deßhalb hebt die heilige Schrift es hervor w, damals als Israel Gott fürchtete und an Gott und an seinen Diener Moscheh glaubte, damals sangen Moscheh und die Kinder Israels dieses Lied dem Ewigen. Damit stimmt auch der Ausspruch unseres Weisen überein, der sich an den Psalmverr anlehnt: pvi ,nn«t otnyov e"jw ,nn« a^yo wo ittov wo “NDD „Fest steht Dein Thron von damals, von Ewigkeit her bist Du. Obgleich Du bist von Ewigkeit her, ist doch auf Erden erst fest gegründet Dein Thron in den Herzen der Menschen von damals an, da Moscheh und die Kinder Israels das Loblied sangen, ob der Thatsache, daß das Volk für immer fürchtete den Ewigen und unerschütterlich glaubte an Gott und an seinen Diener Moscheh. Wir lernen daraus, daß die heilige Religion Israels die Schadenfreude auf das Strengste verpönt, selbst den Verfolgern und Unterdrückern gegenüber. Israel hegt keinen Haß gegen diejenigen, welche ihm wehe gethan haben. Siehe, die Aegypter hatten einem Sohne Jakobs die Rettung vom Hungertode zu verdanken. Sie hatten dann die Familie Jakobs eingeladen, in ihr Land zu kommen und sich dort anzusiedeln. Ohne Grund und ohne Veranlassung von Seiten der Israeliten, lediglich aus Neid, Mißgunst und Angst vor künftigen Gefahren hatten sie dann die Schwachen unterdrückt, ihrer Freiheit beraubt, ihre Kinder gemordet und sie selbst auf das Schrecklichste gequält und gepeinigt. Und dennoch befiehlt uns unsere heilige Religion: Du sollst einen Aegypter nicht verabscheuen, denn Fremdling bist Du gewesen in seinem Lande; ihre Nachkommen dürfen ausgenommen werden in die Gemeinschaft der Gemeinde des Ewigen. (5. B. M. C. 23. V. 8 u. 9.) Und so ist es ein Charakterzug geblieben in unserem Stamme, daß wir niemals Haß nachgetragen haben unseren Unterdrückern und Verfolgern. Allen Nationen der Erde tragen wir unsere Liebe

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