Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1882)
- Date
- 1882-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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104 und erntete ungeteilten Beifall. Dieser junge in- . telligeute Eingeborene unserer Hauptstadt begab sich; vor einigen Jahren nach Berlin, um dort sein Wissen : in der Rabbiner-Lehr-Anstalt des Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer '"2 zu bereichern und sich voll-; ständig als Rabbiner und Prediger auszubilden, j wonach er hierher zurückZukommen gedenkt. — Er ist der Hauptcandidat für die zu besehende Chacham- Stelle in der großen spanisch-portugiesischen Gemeinde, woselbst sein fei. Later als Dajau lagiährig segensreich wirkte. In talmudischeu Kreisen ist sein Großvater, der sel R Abraham All durch feiii ausgezeichnetes Werk: nD'nz’ 'n cm-x rvu genügend bekannt t dieser ehrwürdige Greis beendete seine Tage im heiligen Laude. Wir sind von der Hoffnung beseelt, falls Dr. Abrahams die Stelle als geistliches Oberhaupt der ^'-nson p"p erlangen sollte, daß er sicher in die Fnßstapseu seiner Ahnen treten und die orthodoxen Principien des Berliner Seminars zum Leitfaden seines Strebens und Wirkens wählen und bethätigen wird. London, 2.4. Januar. Die Morgen-Blätter überraschen uns mit der wichtigen und erfreulichen Mittheilung, daß die hervorragendsten Persönlichkeiten des Landes: der Erzbischof v. Eautorbury, Grat (Earl) de Shaftesburp, die Bischöfe pou London, Manchester und Oxford, der Chancellor der Universität, der Professor Charles Darwin und viele Mitglieder de? Parlaments, sowie angesehene Kaufleutc ein Bittgesuch an den Lord Mayor richteten, welches wie folgt lautet: „Wir, die Unterfertigten, erachten es für ge- „eignct, daß der öffenilichen Meinung über die „Verfolgungen, welche die Juden in Rußland „neuerdings und vor einiger Zeit erlitten, Aus- „druck verliehen werden möge. Demgemäß bitten „wir Ew. Lordschast, die Güte habest zu wollen, „sobald als Ihnen couveuiren wird, eine össent- „liche Sitzung in dem Mansion - House- Gebäude „veranstalten und gefälligst das Präsidium über- „nehmen zu wollen. Wir zeichnen ec." Das Antwortschreiben des Lord Mayors lautet dahin, daß Mittwoch den 1. Februar 3 Uhr Nachmittags in der Egyptischeu Halle des Mansion-House Gebäudes die gewünschte öffentliche Sitzung abgehalten werden soll. London, 26. Jan. Baron Henry de Worms wird, wie eS heißt, gleich nach der Eröffnung deS Parlaments im Unterhanse die Einbringung eines Antrags anmelden, welcher das Verhalten der russischen Regierung wegen Gestattung der gegen ihre jüdischen Unterthanen verübten Exeeffe mißbilligt und die britische Negierung auffordert, in Gemäßheit des von Lord j Russell zur Zeit desPotenaufstaudes in 1863 gesetzten PräeedenzfallS eine Vorstellung au das St. Petersburger Eabinet zu richten. London, 28. Jan. Die „Pall Mall Gazette", daö Gladstonc freundlichste Journal, dem man sicherlich eine Voreingenommenheit gegen Rußland nicht vorwerfen wird, publieirt den Bericht eines Augenzeugen über die russischen Gräuel gegen die Juden. Ter Berichterstatter, ein geborener Engländer, ist Protestant und mit keinem Juden verwandt. Er lebt seit vielen Jahren als Großkaufmann in Rußland. In Kiew sah er ganze Reihen von Häusern gänzlich demolirt und absolut unbewohnbar gemacht, wodurch Tausende von Juden vollständig zu Bettlern wurden, indem sie nur die Kleider am Leibe retten konnten. Die Behörde): ergriffen jeden möglichen Ausweg, um zu verhindern, daß die Wahrheit über die Grauet bekannt werde; allein der Evrrespondent erklärt eS auf das bestimmteste als Thatsache, daß die Behörden den Pöbel vollständig gewähren ließen, so lange derselbe sich ans die Plünderung der Juden und ihrer Häuser beschränkte. Bezüglich der rorgesallenen Ermordungen weiß der Eorrespondent keine Zahl anzugeben, allein die Berichte melden, daß an dreißig Ermordungen und außerdem viele Schändungen, besonders in den Vorstädten, verübt worden. Die sträfliche Unthätigkcit der Behörden ist erwiesen und die Ausrede, daß sie keinen Constiet zwischen dem Militär und dem Pöbel Hervorrufen wollten, dadurch widerlegt, daß in einem speciell ausgesnhrten Falle ein jüdischer Geschäftsfreund des Berichtserstatters durch ein Geschenk von hundert Rubeln, welches er einem Offizier gab, zwei Schildwachen erhielt, die einen ganzen Pöbelhaufen am Plündern binderten, während andere Soldaten die ans dem Marktplätze aufgestellt waren, ruhig die Plünderung anderer Häuser zuließen. Ileberdies ist es thatsächlich erwiesen, daß sogar Soldaten, Polizisten und selbst ein Offizier an der Plnndrrnng sich betheiligten, v.i einigen kleinen Orten in der Rahe von Kiew vereinigten sich sogar kleine Detachements Soldaten ganz offen mit dem plünderndem Pöbel. London, 29. Inn. Im Lande mehren sich die Merkmale der Sympathie für die russischen Juden. Der conservative Verein von Oxford hat in seiner am Donnerstag Abend stattgehabteu Jahresversammlung einstimmig eine Resolution gefaßt, welche nach einem Ansdrucke des Bedauerns über die Abwesenheit von Freiheit in Rußland, wie sich dieselbe durch die Judenverfolgung kundgebe, die Hoffnung ansspricht, Ihrer Majestät Regierung werde Schritte thuu, um den russischen Behörden die Pflicht einzuprägen, welche ihnen als einer muthmaßlich civilisirten Regierung obliegt, die Interessen aller Schichten ihrer Uuterthauen zu schützen. —