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Der Israelit · 1882-01-23 · Heft 4 (23.1.1882) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 4 (23.1.1882)
Date
1882-01-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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90 und ich sollte dem Manne mich undankbar erweisen, der durch nichts an mich gebunden, mir den höchsten Dienst erwiesen?" Ester schüttelte das Haupt. „Du darfst meinen Vater nicht mit Löb Munitz vergleichen. Mein Vater ist ein frommer, guter, rechtschaffener Mann, dem Niemand in der ganzen Kehilla etwas Schlechtes nachsagen kann; daß er mich nicht so liebevoll behandelt, als er sollte, das hat Niemanden zu kümmern als mich selbst, und er ist ja doch mein Vater und ich verzeih' es ihm aus voller Seele und von ganzem Herzen — aber Löb Munitz! Frag', wen Du willst, in der ganzen Gaß, — was er ist! — Benjamin! daß der Mann Dir einst das Leben gerettet, muß ich glauben, Du hast es ja gesagt; — aber was ich mir nicht denken kann, ist — daß er es wohl überlegt, und dann noch aus edler Absicht gethan — entweder hatte der geizige Mensch, der Geld und Geld über Alles, vielleicht über das Leben selbst stellt, gehofft, wenn er Dich rettet, aus Deinem Vermögen reich entlohnt zu werden; — oder hat er sich ein einziges Mal in seinem Leben von einer menschlichen Regung Hinreißen lassen .... Benjamin! Wenn Du von Löb Munitz läffest, will ich Dir gerne ein treues Weib sein — dann kannst Du bei Vater und Großvater um mich anhalten; — wenn Du das Band lösest, das Dich an ihn knüpft, dann kann Niemand etwas gegen Dich einwenden, — mein lieber, theurer Benjamin! .... Ziehst Du aber den finstern, bösen Mann — Löb Hund! mir vor, weil er — vor 16 Jahren, Dir selber dunkel, warum? — das Leben gerettet, — so" — Ester ward zuerst purpurroth, dann bleich wie ein Leinen und preßte die Zähne fest übereinander, daß man sie knirschen hörte, „kann ich Dich nicht zwingen — aber dann Benjamin ist es aus zwischen uns, für immer!" Der junge Mann blickte schmerzlich aus. „Ester, mein liebes, süßes Mädchen", sprach er, „laß Dich nicht von der Aufregung eines Augenblickes Hinreißen, — bedenk' es noch einmal, — Du wirst es bei ruhigem Erwägen selbst erkennen, daß Du Unerfüllbares von mir forderst! Ester, wenn ich thäte, wie Du wolltest, bei dem lebendigen Gotte, ich wäre Deiner nicht würdig! — Ich will nicht in Dich dringen, ich komme in acht Tage wieder, Dein milder Sinn wird das Aufwallen Deines heißen Blutes besiegen. Du wirst in acht Tagen, so hoffe ich — anders sprechen, laß dieses rasche unüberlegte Wort nicht Dein letztes sein." „Benjamin", entgegnete das Mädchen, „was ich einmal für recht erkannt, daran halte ich unverbrüchlich fest und es gibt keine Macht auf Erden, die mich von meinem Entschlüsse abbringt, es ist dies mein letztes, mein allerletztes Wort!" Es trat eine Pause ein, man hörte nichts als das tiefe Athemholen der beiden hocherregten Menschen. „Leb wohl!" sprach Benjamin endlich mit zitternder Stimme. Das Mädchen versuchte es, zu sprechen, aber ihre zuckenden Lippen vermochten es nicht, sie verhüllte ihr Gesicht um die stürmisch hervorbrechenden Thränen zu verbergen und eilte durch den finstern, schmalen Gang in ihre Wohnung; Benjamin hörte noch ihr Schluchzen, das sie jetzt nicht länger zu unterdrücken vermochte. (Fortsetzung folgt.) Für den folgenden Thcil ist die Rednüion nicht verantwortlich. Berleburg, den 11. Januar 1882. In hiesiger Gemeinde starb vor etwa 4 Wochen an einer Blutvergiftung ein junger, äußerst braver Mann und hinterließ eine Wittwe und zwei Kinder in sehr dürftigen Verhältnissen. Auch nicht das geringste Vermögen ist vorhanden und ist daher die Wittwe, welche einst bessere Tage gesehen und selbst außer Vtande ist, etwas zu verdienen, auf die Unterstützung wohlthäiiger Menschen angewiesen. Die hiesige Gemeinde aber ist zu klein, um hier ausreichend zu helfen. Daher erlaube ich mir an die MUdrhätigkeit unserer Glanbensbrüder zu appelliren und ergebenst zu bitten' doch ein ^chestlem zur Linderung der Aoth der so schwer Heimgesnchten beizntragen. Auch die kleinste Gabe ist willkommen und nimmt dankend entgegen. .... Cr- Wcrtfian, Lehrer. Die Expedition des „Israeli:" ist gerne bereit milde Gaben in Gniprang zu nehmen und weiter ju befördern. Gesuch! kiu Mann in den dreißiger fahren, der durch Unglück nur sein Mühan kam, suche am liebsten in einem Bankgeschäft, das Dabbar und steiercage geschlossen hat, eilten B e r: r a! l e > i s p o st e: i. Düerien 'unter Be. 2-ist bewegt die Grpclhk'U dB. Bl.

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