Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1882)
- Date
- 1882-01-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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81 äußerliche Kapital und die außerordentlichen Einnahmen mehr und mehr zunehmen. Obgleich wir einen ansehnlichen Betrag davon gebrauchen zur Deckung der ordentlichen Ausgaben für den Unterhalt, so bleibt uns immer noch eine ansehnliche Summe zur Vergrößerung des unveräußerlichen Kapitals. Wir haben in den verflossenen zwei Jahren erhalten: In Gaben für das unveräußerliche Kapital Fr. 11,995. — Gaben in der Synagoge und verschiedene andere Fr. 5,233. 50. Zusammen Fr. 17,228. 50. Der Kapitalstock beträgt am 30. September 1881 Fr. 81,803. 10. Noch haben wir das Vergnügen anzuzeigen, daß unser Aufruf im Geschäftsbericht vom Jahr 1878 79 von dem besten Erfolg gekrönt wurde. Die zahlreichen und bedeutenden Zeichnungen, welche das Comite für eine neue fünfjährige Periode gesammelt, sind ein Zeichen des mildthätigen Geistes unserer Glaubensgenossen. Sie sind für uns eine Ermuthigung in der Fortsetzung unserer Aufgabe zu beharren. Die Mitglieder der Israelitischen Gemeinden von Basel, Mülhausen und Chaux-de-Fonds haben sich besonders ausgezeichnet. Die Dienste, welche die Anstalt unseren armen und unglücklichen Glaubensgenossen leistet, werden nach und nach allgemein anerkannt. Die Subskriptionen für die neue Periode von fünf Jahren betragen Fr. 7236. 75. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Aus Krakau wird vom 3. d. M. geschrieben: „Die hiesigen jüdischen Kaufleute wurden durch ein hier seltenes Ereigniß in eine Aufregung verseht, welche wohl leicht begreiflich ist, wenn man sich die letzten in Warschau gegen die jüdische Bevölkerung verübten Excesse vor Augen hält. Es wurden nämlich am 2. d. mehr denn dreißig Drohbriefe (anonym) an die auf dem Ringplatze etablirten jüdischen Kaufleute abgesendet, in denen gedroht wurde, falls sie binnen einer Woche die innere Stadt nicht verließen und sich in die Vorstädte zurückzögen, ihnen ein gleiches Loos wie ihren Warschauer Glaubensgenossen beschieden sei. Sämmtliche Briefe wurden der hiesigen Polizei übergeben." Belgien. Brüssel. Ein literarischer Veteran der in den Tagen des „jungen Deutschland" namentlich als > Schildträger Gutzkow eine Rolle gespielt hat, Ludwig > Wihl, ist am 16. d. in Brüssel im Hospital St. Jean gestorben. Wihl, geboren 24. Oct. 1806 zu Wevelinghoven bei Aachen, als Sohn jüdischer Eltern, besuchte das protestantische Gymnasium in Köln. Hier nahm sich der Erzbischof Graf Spiegel seiner an und verschaffte ihm auch die Mitttel, daß er in Bonn und München klassische Philologie und orientalische Sprache studieren konnte. Nach beendigten Studien suchte er vergebens eine Anstellung, im Staatsdienste zu erhalten. Friedrich Wilhelm III. wollte keinen Juden zu einer Professur zulassen und Wihl mochte seinen Glauben nicht verändern. Er ging darauf nach Frankfurt a. M., wo er an Gutzkows Phönix theilnahm, folgte diesem auch nach Hamburg, wo Gutzkow den „Telegraphen" redigirte. Er schrieb namentlich literarische Kritiken und Zeitgedichte, denen das Interesse für die Judenemancipation, das überall herstortrat, eine besondere Färbung verlieh. Vorher schon hatte er London und Paris besucht. Auch die hier empfangenen Eindrücke wußte er gut zu schildern. Das Einvernehmen mit Gutzkow dauerte nicht lange, und Wihl kehrte nach Frankfurt zurück, wo ihm ein christlicher Banquier die Mittel gab, eine Erziehungsanstalt zu gründen (1840). Da ihm indeß untersagt wurde, christliche Zöglinge in seine Anstalt aufzunehmen, so konnte dieselbe nicht bestehen und mußte nach anderthalb Jahren wieder eingehen. Nach einem längeren Aufenthalt in Amsterdam und Utrecht ging Wihl 1848 nach Paderborn und betheiligte sich hier an einer politischen Zeitung. Wegen eines Artikels zu einem Jahre Festungshaft verurtheilt, entzog er sich derselben durch die Flucht. Aus einen grünen Zweig kam er nie. Seine Briefe an Gutzkow, die wir in dessen Nachlaß eingesehen haben, sind fortlaufende Jeremiaden. Sein Unglück war, daß sein poetisches Talent nicht ausreichte, um ihm eine selbstständige Stellung zu machen, für praktischere Berufsarten er aber wenig tauglich war. Wihl ging später nach Frankreich und fand Anstellung am kaiserlichen Lyceum in Grenoble als Lehrer der modernen Sprachen. Ende der 60er Jahre wurde er pensionirt und siedelte nach Paris über. Von hier 1870 ausgewiesen, verlegte er seinen Wohnsitz nach Brüssel und lebte dort die letzten zehn Jahre ein einsames Leben. In den Straßen und Cafs's von Brüssel erregte der alte Sonderling mit dem langherabhängenden grauen Haare die Aufmerksamkeit des Publikums. Nach dem deutsch-französischen Kriege hat Wihl sein Vaterland einige Male wiedergesehen. Es erschieneu von ihm „Gedichte" im Jahre 1836 „Englischer Novellenkranz im Jahre 1839 und „Westöstliche Schwalben" im Jahre 1847.