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Der Israelit · 1881-12-07 · Heft 49 (7.12.1881) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 49 (7.12.1881)
Date
1881-12-07
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1232 Speisegesetze aus sanitären Rücksichten auch der christlichen Welt Englands zu empfehlen. Wir lassen hier folgen, was ein Londoner Korrespondent über die Sache schreibt: Auf Grund einer Schrift, welche Dr. Henry Behrend verfaßte und zuerst in Artikeln im „Jewis Chromcle" in London veröffentlichte, fordern englische Blätter die Negierung auf, sanitätliche Vorkehrungen im Einklänge mit manchen Vorschriften des Talmud zu treffen. Dr. Lehrend führt aus und belegt seine Ausführung mit wissenschaftlichen Dokumenten, daß viele Krankheiten dein Menschen und der niederen Thierwelt gemeinsam seien. „Es ist notorisch", bemerkt der „Globe" hiezu, „daß jüdische Gemeinden in bemerkenswerthem Grade von manchen schrecklichen Krankhcitsgeißeln befreit bleiben, welchen Andersgläubige zum Opfer fallen. Die Todesfälle durch Schwindsucht, welche in der großen Straße des Ostendes Whitcchapel- High-Street Vorkommen, geben eine Lehre, welche unsere Besucher beachten sollten. Die eine Seite der Straße ist zumeist von Juden, die andere von Christen bewohnt. Die Juden fallen in sehr bedeutend geringerer Zahl jener Krankheit zum Opfer, als die Christen in einer und derselben Straße." Dr. Behrend erblickt die Ursache dazu in der Uebertragung von Thierkrankheitcn ans den Menschen und zugleich in den strikten Vorsichtsmaßregeln, welche jüdischerseits gegen hen Genuß unreinen oder inficirten Fleisches getroffen werden.. Der „Morning Advertiser" bemerkt: „Es ist eine nicht zu lcugneilde Thatsache, daß die mosaischen Regeln für die offizielle Beaufsichtigung thierischer Nahrungsmittel sich dringend unserer Aufmerksamkeit empfehlen, wenn wir'gewisse Uebcl aus der Masse des Volkes verbannen wollen." Dr. Behrend erklärt in seiner Schrift wörtlich: „Es ist nicht zuviel behauptet, wenn ich sage, daß diese Speisegesetze. wenn genau ausgeführt, dazu führen den Genuß von krankem Fleisch praktisch so gut wie unmöglich zu machen, und zwar insbesondere zur Ausmerzung der Ansteckungsgefahr von Pleuro - Pnenmonia und tuberkulösen Krankheiten beizutragen." Die „City-Preß" sagt: „Es wäre sträfliche Nachlässigkeit, solche Lehren, die uns täglich all oculos als richtig bezeichnet werden, unbeachtet zu lassen." R u ß l a n d. Vor einigen Monaten ernannte die russische Regierung aus Rücksicht auf die Vorstellungen des britischen auswärtigen Amtes, denen sich auf des letzteren Einladung 'verschiedene der Großmächte angeschlossen hatten, eine Kommission, um die angeblichen Beschwerden der in Rußland wohnenden Juden zu untersuchen. Zufolge der „Jewish World" hat diese Kommission nun ihren Bericht veröffentlicht und empfiehlt: 1) die Gewährung des unumschränkten Rechtes zum Aufenthalte von Personen jüdischen Glaubens in jedem Theile des russischen Reiches und 2) daß die Juden gesetzlich in den Stand gefetzt werden möchten, unter günstigen Bedingungen nicht uiehr als fünfzig „Diffatin" Land zur landwirthschaftlichen Benutzung anzukaufen. Letzteres ist ein Zugeständnis;, welches, es sei denn, daß die Juden in Rußland Tendenzen verschieden von Denen, welche ihre Glaubeusbrüder anderswo verfolgen, angenommen haben, nicht leicht eine sehr weitverbreitete Dankbarkeit Hervorrufen wird, da dieselben im Exil landwirthschaftlicheu Beschäftigungen in der Regel nicht obznliegeu pflegen, und die erstere ist eine Konzession, welche es Rußland nicht sehr zur Ehre gereicht, daß dieselbe von dessen Regierung hat gefordert werden müssen; denn es scheint unglaublich, wie die Daily News" hierzu bemerkt, daß Leute, gegen welche man keine andere Anschuldigung hatte, als daß sie Juden waren, wenn sie die Absicht angaben, ihren legitimen Geschäften in St. Petersburg nachzugehen, von der Polder gehetzt und beordert worden sein sollten, ihre machen aufzupacken und sich innerhalb der kurzen Frist von nur wenigen Stunden ans dein Lande zu begeben. Es ist der ehrenwerthen Beharrlichkeit des Barons von Worms im Uuterhansc in dem Levisohu'schen Falle zu danken, daß Lord Granoille veranlaßt wurde, die Sache in die Hand zu nehmen und eine Kollcctiv-Note in Vorschlag zu bringen, welche an den Negierungen der Ver. Staaten und einiger der europäischen Mächte eine warme Unterstützung fand. Es bleibt nur zu wünschen, daß die Vorschläge der kaiserlichen Kommission ohne Verzug und in einem liberalen Geiste zur Ausführung gelangen mögen. Aus Odessa wird geschrieben, daß Sarah Bernhardt am 25. ds. auf dem Bahnhöfe festlich empfangen wurde und Abends in der „Camelieudame" stürmischen Applaus hervorrief. Beim Nachhausefahren wurde der Wagen vom Mob mit Steinen beworfen. Am 26. ds. brach ein Judenkrawall aus. Kapa.en schlugen unter Rufen: „Sarah, die Jüdin, plündert die hiesigen Einwohner und die Juden verthenern die Sitze", die Scheiben der Wohnungen von Inden ein Die Aufregung war eine große. Momentan ist wieder Ruhe eingetreten, mau befürchtet aber eine neuerliche Ruhestörung. Arabien. In Europa wird es gewiß nur wenig bekannt sein, daß die Juden in Arabien, deren Vorfahren

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