Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1881)
- Date
- 1881-12-07
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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XXII. Jahrgang. Zweite öcilage Ar. 49 des Israelit. Leitender Artikel. Woch einmal „Arber die Lage des Härtens Lden". In der vorigen Nr. dieses Blattes sucht Herr Jakob Obermeyer, die von mir in Nr. 44 mitgetheilte Ansicht Delitzsch' über das obige Thema zu widerlegen, und seine, bereits früher anderweitig mitgetheilte Hypothese zu bekräftigen. Obschon es eigentlich nicht meine Aufgabe ist, Hrn. Delitzsch in Schutz zu nehmen und ich auch seine Ansicht nur als eine höchst ansprechende Hypothese mitgetheilt habe, so kann ich es doch nicht unterlassen, nachdem ich schon einmal die Vermittlung seiner Ansicht übernommen habe, die notwendig knapp gehaltene Wiedergabe seiner Hypothese in Folgendem zu ergänzen. Ich fühle mich hiezu um so mehr verpflichtet, als ich mir nicht verhehlen kann, daß meine etwas zu kurz ausgefallene Darstellung der Sache, den Ausstellungen des geehrten Herrn Einsenders scheinbare Berechtigung verleiht. Wenn ich mich in meiner Replik nicht blos auf die Defensive beschränke, sondern gleichzeitig meine Bedenken gegen die Ansicht des geehrten Herrn Einsenders äußere, so geschieht es nur beiläufig, nachdem ich in dieser Sache die Feder wieder ergriffen habe. Einsender macht geltend, daß an der Stelle, wo das alte Babel lag, Euphrat und Tigris in weiter Entfernung von einander fließen. Dagegen in in der von mir zitirten Stelle gesagt worden, daß der Euphrat auf der schmalen Strecke nordabwärts von Babylon durch zahllose nach dem Tigris hinüberfahrende Rinnsale mit diesem gleichsam zu eincni Strome verschmilzt, Natürlich gilt dies nur von der früheren Zeit. Nordwärts von Babylon erschien der Tigris nur als ein Seitenarm des Euphrat, indein der letztere hier auf einem viel höheren Niveau fließt und in alter Zeit unzählige Wasserrinnen und kleine Kanäle zu ihm hinabsendete, um den ziemlich wasserarnien und schinalen Tigris mit Wasser zu versehen. So sagt Schacht, Lehrbuch der Geographie S. 435: „Seine (des Euphrat) Ufer nämlich werden flacher, jemehr er sich dein Tieflande nähert; sobald er nun durch den geschmolzenen Schnee Armeniens wächst, tritt er über, und zwar nach der Südostseite, wohin der Boden sich neigt.... das Flußbett des Tigris liegt tiefer, denn das des Euphrats, so daß die mit Euphratwasser gefüllten Kanäle dasselbe an den Tigris abgebcn konnten." Die in Wirklichkeit „bei den Haaren herbeigezogene Hypothese" von einem unterirdischen Zusammentreffen beider Flüsse, hat mit dieser Ansicht nichts zu thun. Auch ist nicht behauptet worden, daß der Garten an der Stelle lag, wo das später erbaute Babel sich befand, sondern in derjenigen Gegend oder Landschaft, die Babel zum Mittelpunkte hatte, was aber nicht ausschließt, daß 1er auch weit davon entfernt gewesen sein mag. In Bezug ans die Ansicht des Herrn Oberweyer, deren wesentlichen Theil auch mein Artikel erwähnt und die schon von Calvin aufgestellt worden sein soll, habe ich Folgendes zu erwiedern. Ich habe nur deßhalb in meinem Artikel keine Kritik an die Mittheilnng dieser Ansicht geknüpft, um nicht zu ausführlich werden zu müssen. Diese Kritik möge hier, gleichsam als Ergänzung zu meinem vorigen Artikel folgen. In der heiligen Schrift heißt es deutlich, daß von denk Hanptflüsse die vier Flusse sich abzweigen. Dies trifft aber bei dem Kercha nicht zu. Der Kercha ist kein Seitenarm des Euphrat, der sich v o 11 demselben abzweigt, sondern ein Nebenfluß, der sich in den Euphrat, oder besser in den Schatt el Ar ab ergießt Es ist also thatsächlich das gerade Gegentheil von dem, was die Bibel in den Worten Dwsn nyirN1? rrm behauptet. Ferner ist die Sachlage, wie sie Herr O. darstellt, nicht übereinstimmend mit der Erzählung der heil. Schrift. Der vereinigte Schat el Arab zertheilt sich in drei Mündungen und ergießt sich so in den persischen Golf. Das so sich bildende Mündungsdelta mag kaum einige Quadratmeilen groß sein; wie läßt sich nun von einem solchen Mündungsarm sagen: „Dieser umfließt das ganze Land Chawila"? Kann wohl diese Strecke ein Land genannt werden? Drittens ist es bekannt, daß in früherer Zeit Euphrat unb Tigris abgesondert in den persischen Meerbusen mündeten, also keinen vereinigten Fluß bildeten. Erst nach der Eroberung Babyloniens durch die Perser verschütteten diese die Mündungen beider Flüsse, um durch die Abschneidung des Han-