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Der Israelit · 1881-11-09 · Heft 45 (9.11.1881) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 45 (9.11.1881)
Date
1881-11-09
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXII. Jahrgang. Zweite Lrilage;u Nr. 45 des Israelit. Zeitungsnachrichten und CorreLpon-enzen. Deutschland. Berlin, 27. Oct. Zu der Bemerkung für Raschi's Erklärung zu den Sprüchen Sal. C 23, L. d (s. vorige Nummer S. 1067) füge ich ergänzend hinzu, daß wie oft, so auch hier Raschi's Commentar zum Talmud den gehörigen Aufschluß gibt. Man vergleiche daher Raschi's Worte zur Stelle in Berachoth 236, Megilla 186., besonders aber zu Sota 35, wo es ausdrücklich heißt: nio») nw’m p’onno pa ^anDno njnn nona py yyy rean dkw turw t>d Uebrigens ist die von N. monirte Stelle nicht die einzige in jenen Artikeln, welche Unrichtigkeiten enthält. Dr. Berliner. Berlin, 4. November. Tie „Nationalzeitung" schreibt: „Fürst Bismarck unterhält bekanntlich mit der Mehrzahl seiner pommerschen Nachbarn sehr freundliche persönliche Beziehungen, die in häufigem nngezwungenern Verkehr ihren' äußeren Ausdruck finden. Fast täglich sieht der Kanzler einen oder mehrere derselben als Gäste an seiner Tafel. In den letzten Tagen befand sich darunter ein jüdischer Industrieller, der mit dem Fürsten insofern in geschäftlicher Verbindung steht, als ein großes Fabriketablissement des Herrn sich aus dem dem Kanzler gehörenden Grund und Boden befindet und seine Rohmaterialien aus den Varziner Waldungen entnimmt. Die genannte Persönlichkeit steht mit dem Fürsten seit einer langen Reihe von Jahren in ununterbrochenem regelmäßigem Verkehr. Die diesmalige Begegnung gab dem Staatsmann auf eine zufällige Bemerkung feines Gastes Veranlassung, sich über seine Stellung zur Judensrage zu äußern. Er sprach in eingehender Weise darüber und ließ dabei starke Schlaglichter aus einzelne bezeichnende Phasen der Bewegung fallen; dann sagte er u. A. ans die sich selbst gestellte Frage, ob er mit der antisemitischen Bewegung einverstanden sei: Nichts kann unrichtiger sein. Ich mißbillige ganz entschieden diesen Kampf gegen die Juden, sei es, daß er auf konfessioneller oder gar aus der Grundlage der Abstammung sich bewege. Mit gleichem liechte könnte man eines Tages über deutsche von polnischer oder > französischer Abstammung herfallen wollen und sagen,! es seien keine Deutschen. Daß die Juden mit Vor- I liebe sich mit Handelsgeschäften befassen, nun, das ist j Geschmacksache^ Durch ihre frühere Ausschließung von anderen Berufsarten mag das wohl begründet sein; aber sicherlich berechtigt ist es nicht, über ihre größere Wohlhabenheit jene aufreizenden Aeußernngen zu thun, die ich durchaus verwerflich finde, weil sie den Neid und die Mißgunst der Menge erregen. Ich werde niemals darauf eingehen, daß den Juden die ihnen verfassungsmäßig zustehenden Rechte in irgend einer Weise verkümmert werden. Die geistige Organisation der Juden im Allgemeinen macht sie zur Kritik geneigt, und so findet man sie wohl vorzugsweise in der Opposition; aber ich habe keinen Unterschied zwischen christlichen und jüdischen Gegnern meiner Wirthschaftspolitik, die ich nach meiner Ileberzeugung als ersprießlich für das Land verfechte. Wenn ich 5uftinunenbe Adressen und Telegramme beantwortet habe, so erfülle ich damit eine Pflicht der Höflichkeit, wie ich dies schon Richter erwiederte; ich würde mit Vergnügen ebenso höfliche Antworten ans Zustimmungsworte der Fortschrittspartei gegeben haben; ich habe nur keine erhalten. Auf die' Frage des Gastes, ob er von einen: Theile dieser Aeußerungen öffentlichen Gebrauch selbst durch die Presse machen dürfe, antwortete der Kanzler unbedingt zustimmend." Berlin. Wir lesen im „Bert. Börs.-Courier"! „Wie wir hören, beabsichtigt der Chef eines der namhaftesten Bankhäuser, Herr Hermann B. H. Goldschmidt, binnen Kurzem Berlin zu verlassen, um in Brüssel seinen künftigen Wohnsitz zu nehmen. Cs ist dies das erste uns bekannt gewordene Beispiel, daß ein wohlhabender Israeli: in Folge der ekelhasten antisemitischen Bewegung sein Domicil nach dem Auslände zu verlegen beabsichtigt. So bektagenswerlh ein solcher Entschluß sein mag, verargen wird man es keinem unserer israelitischen Mitbürger können, wenn er den häßlichen Erscheinungen, zu denen die antisemitische Bewegttng führt, aus den: Wege geht und den Schutz jener Länder aussucht, in denen mildere Titten herrschen, als gegenwärtig in Deutschland." Berlin. Die Repräsentanten der Berliner jüdk- - schen Gemeinde beschlossen, durch alle Instanzen klägerisch gegen Stecker und Genossen vorzugehen. Das

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