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Der Israelit · 1881-11-02 · Heft 44 (2.11.1881) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 44 (2.11.1881)
Date
1881-11-02
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1108 einen anderen Strich. Also auf dem westlichen Euphratufer Ehawllah, auf dem östlichen Kusch,! das auch AkLad heißt; das führt aber immer näher ' zu einem wirklichen Gartenland, zu der rings um , die Stadt Babylon selbst sich erstreckenden Landschaft; Kardnnias *), mit ihrem Mittelpunkt, dem alten , Babel. Daß gerade auf diese Landschaft, ganz ab- : gesehen vor: dem eben erwähnten Namen und der > noch von Xenophon und Strabo gepriesenen Para-! diesischeu Fruchtbarkeit, der bedeutungsvolle Zug der j biblischen Erzählung, nämlich das Bewässertsein voll , einem Strome, seine volle Anwendung findet, wollen j wir später noch ausführen. Es bleibt nun nur noch; der Nachweis übrig, daß wirklich unterhalb Babyi lons sich zwei vor allen übrigen Kanälen wichtige, > vom Punkte ihrer Abzweigung an selbstständig! fließende Kanäle im Alterthum existirt haben. Auch j dieser Nachweis wird von Delitzsch in vollständiger! Weise erbracht. Der eine, welcher, weil Ehawila! am westlichen Ufer liegt, fein anderer als der! Pischon sein kann, ist der mächtige Pallakopaskanal, j an dem das alte llr lag, von wo einst Abraham auszog. Er zweigte sich unterhalb der Stadt Baby-! lon ab, mündete iu's persische Meer, und war nrsprünglich, wie schon Karl Ritter vernuithete, selbst nur ein vom Euphrat schon verlassenes südwestliches Bett feines Stromes „ja der directeste Stromlauf desselben in ältester Zeit" (nach des großen Geographen eigenen Worten). Der andere ist der ebenfalls breite und schiffbare Canal, welcher auf bem linken Euphratnfer sich bei Babylon abzweigte; und an der Grenze von Mittel- und dem eigentlichen Südbabylonieu in das Hauptbett des Euphrat zurückkehrte-). In diesem Gebiet lagen auch die vier (Gen. 10) genannten Städte Babel, Erech, Akkad und Kalne. Dieser letztere Kanal, den die Araber später Schatt en-Nil nannten, hieß in ältester Zeit „Kachana" oder „Guchana", woraus die Entlehnung des Namens „Gichon" sich von selbst ergibt. Für , den Pischon ist es nicht gelungen, einen lantähn-; kicheren Namen des Pallakopaskanal nachzuweiseu. Wir geben zum Schluffe mit Delitzsch' eigenen; Worten die gelammten Resultate seiner Forschung j über die Lage des Gartens Eden. j „Ueberblicken wir das Gesammtbild, welches die heil. Schrift von diesem Garten entwirft, so ist dasselbe durchaus anschaulich und klar. Aus Eden ging ein Strom aus, den Garten zu bewässern — es rst der Euphrat, welcher aus der schmalen Strecke nordwärts von Babylon durch zahllose nach dem! 1) D. i. wörtlich „Garten des Duniasj 2) Daß der Euphrat mehrfach abgeleitet wurde uud hinter j Babylon nicht mehr in seinem alten Bette fließt, erwähnt auch i der Talmud, Berachoth 59 b. S. Raschi bs. > Tigris hinübersührende Rinnsale mit diesem gleichsam zu einem Strome verschmilzt, diesen, Babylon zunächst liegenden, Bezirk schier überreichlich bewässert und zu beispielsloser Fruchtbarkeit und Lieblichkeit erhebt, hiedurch aber eben diese Landschaft einem Gottesgarten gleich macht. Die überschwängliche Wasserfülle des Euphrat, welcher dem Garten Eden zu Gute gekommen ist, wird unterhalb Babylons getheilt, um mittelst vier großer Wasserstraßen dem ganzen Lande zugeführt zu werden. Der erste Strom, d. i. Euphratarm, ist der Pisann, welcher unterhalb Babylons sich abzweigt und auf dem rechteil, arabischen Euphratufer in langem Laufe direct zum persischen Meere fließt; der zweite Euphratarm ist der Guchann, der von Babylon aus aus dent linken babylonischen Euphrat-Ufer in langes Linie durch ganz Mittel-Babylonien fließt, um dann wieder dern Hanptbett des Euphrat sich zuzuwenden; der dritte ist der bekannte Strorn Assyriens, der Tigris, der von ebenda an wieder seine selbstständige, vom Euphrat unabhängige Stellung einnimmt, und der vierte endlich ist der Euphrat, welcher, beachtenswerth genug, in der Erzählung nicht allein die letzte Stelle erhalten, sondern auch gar keinen Zusatz hat, das letztere gewiß nicht deßhalb, weil er jedem Hebräer bekannt war — denn das war schließlich der Tigris ebenso — sondern weil er eben der den Garten bclvässernde Hanptstroui ist, der eigentliche Strom des Paradieses. Er bewahrt seine Selbstständigkeit auch in seinem fortgesetzten Laufe. Aber von Babylon ails erscheint er seiner Nntur nach gänzlich verändert'): die Kraft des Paradiesesstromes ist von Babylon aus getheilt und damit gebrochen." Wir schließen unsere Untersuchung mit dieser geistreichen und höchst ansprechenden Hypothese, in der Hoffnung, daß es uns gelungen ist, das Interesse weiterer Kreise für diese Frage wachzurufen, welche in alter und neuer Zeit den Fleiß und Scharfsinn so vieler Gelehrten angeregt hat. Ist es uns auch nicht gelungen, eine endgültig feststehende Antwort auf die m Rede stehende Frage zu geben, und waren wir auch genöthigt, Vieles von dem, was wir mitgetheilt haben, als nicht stichhaltig zu bezeichnen, so bedenke man, daß das Suchen nach Wahrheit und Klarheit an und für sich ein berechtigtes Streben ist, und, daß die Hinwegräumung von Hindernissen, die sich der Erkenntniß derWahrheit entgegenstellen, immerhin als Dienstleistungen im Interesse der Wahrheit anzusehen sind. H. Ehrentreu. 1) Vgl. auch dazu Berachoth a. a. O.

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