Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1881)
- Date
- 1881-11-02
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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1107 mau sich, den Finger auf die Karte legend, über die ungefähre Ausdehnung des Paradieses eine Vorstellung machen will. Betrachten wir die Lage genauer, so haben wir in der Mitte das babylonische Tiefland mit den beiden Flüssen Euphrat und Tigris, den Nil einerseits als westliche Grenze, den Indus oder gar den Ganges als östliche Grenze. Nach dieser Ansicht will uns die heilige Schrift kein enges begrenztes Gebiet bezeichnen, und das Paradies wäre zwischen Aethiopien und Indien gelegen zu denken, und man müßte darauf verzichten, jemals etwas Bestimmtes über diesen Gegenstand anfstellen zu können. Denn welch' ein weiter Spielraum besteht liier für Hypothesen, bei einer so in's Weite ausgedehnten Grenze, welche meeresarme Wüsteneien und mächtige Gebirgszüge, fruchtbare, wasserreiche Niederungen und wasserarme Hochebenen in sich begreift. Es ist, um ein triviales Beispiel zu gebrauchen, als wenn Jemand sagen wollte, ich habe mir zwischen der Wolga und der Seine einen Park angelegt. Außerdem, und diese Schwierigkeit fühlt schon'Iben Esra, fließt ja der Nil von Süden nach Norden, vom Njanza-See bis zum mittelländischen Meere, während Euphrat und Tigris eine mehr entgegengesetzte Nichtung einnehmen, nämlich vom armenischen Hochland aus bis zum persischen Meerbusen. Wie ist es nun unter solchen Umständen denkbar, ihnen einen gemeinsamen Ursprung zn vindiciren? Wir haben bereits bemerkt, daß lvir nichts Auffallendes darin sehen, selbst bei räumlich getrennten Flüssen einen gemeinsamen unterirdischen Ursprung anznnehmen; aber bei so total verschiedenem Laufe und io weiter Entfernung wäre diese Annahme gar zn gewagt und nur dann zu rechtfertigen, wenn kein anderer Ausweg bliebe. Es ist daher jene Ansicht vorznziehen, welche das Paradies nicht in nebelhafte Ferne rücken, sondern ein bestimmtes begrenztes Gebiet dafür bezeichnen will. Die Vertreter dieser Ansicht suchen nämlich die beiden anderen Flüsse Gichon und Pischon, in unmittelbarer Nähe des Euphrat und Tigris, um so ein näher begrenztes Gebiet zu erhalten. Auch dafür gibt es zwei Wege: entweder das Paradies oben bei den Quellenanfängen des Euphrat und Tigris in Armenien, oder bei der Mündung derselben in dem persischen Meerbusen zu suchen. Beide haben ihre Vertreter gefunden. Erstere halten den Pischon für den Physisch, das Goldland Ehavillah nir Colchis, von wo der Argonaute Jason das goldene Vließ holte; der Gichon wird mit Arasch indentisizirt, welcher bei dem heutigen Erzerum entwringt, so daß also das Eden in Armenien zu 1) Jetzt Moni. 2) Oder Arcixes.! suchen ist. Letztere verlegen das Paradies an die! Mündung des vereinigten Euphrat und Tigris, des! sogenannten Schalt el-Arab, vergleichen Gichon und! Pischon mit den zwei linken 'Nebenflüssen desselben; j mit dem Kercha, welcher aus Persien kömnit und unterhalb Basra in denselben mündet und mit dem! Karum, der auf dem Gebirge Euristan im südwestlichen Persien entspringt unb ebenfalls in den Schatt el-Arab mündet. Diese beiden Hypothesen haben den Vorzug, daß wir dadurch ein geographisch bestimmtes Gebiet erhalten, welches uns die Möglichkeit an die Hand giebt, die ungefähre Lage des Paradieses zu erkennen. Sie haben aber den allerdings schwerwiegenden 'Nachtheil, daß es noch nicht gelungen ist, die betreffenden Länder und Flüssenamen in den genannten Gebieten nachzuweisen. X. In jüngster Feit hat nun Prof. F. Delitzsch in Leipzig, der berühmte Orientalist, ein nmfangreiches Buch über diesen Gegenstand veröffentlicht, in welchem er, auf Grund der neuesten, keilinschriftlichen Forschungen, eine ganz neue und überraschende Lösung dieser Frage vörschlägt, welche auf's Genaueste mit dem Wortlaut der heil. Schrift übereinstimmt, bis auf wenige Einzelheiten, die er auch noch zu erklären hofft. Das Buch ist von der Kritik äußerst günstig benrtheilt worden und es wird allseits hervorg'ehoben, daß dieser tüchtige und solide Forscher die Frage ihrer endgültigen Lösung nahe gebracht hat. Wir geben in Folgendem seine Ansicht wieder, wie sie von den Blättern referirt wurde. Delitzsch versuchte zuerst, die wirkliche Lage der von den beiden Strömen Gischon und Pischon umflossenen Gebiete Ehawilah und Kusch nachzuweiseu und sie als Landschaften Babyloniens, oder an dieses angrenzend, zn kennzeichnen. In der Bibel sind zwei Kusch zu unterscheiden, einmal das äthiopische, dann aber das Land Kusch, welches der Gichon umfließt. Letzteres Kusch läßt sich noch in bent Theil jener ältesten, elamitischen Völkerschaft, der schon in den ältesten Zeiten in Babylonien zur Herrschaft gelangte und sich die Kaffi-Dynaftie nannte, wie auch in der ältesten Form des Namens Ehaldäas, Kas-da (-Gebiet der.Kassiten) mit Sicherheit wiedersinden. . Für Ehawilah kann es, nach den Ausführungen Delitzsch' keinem Zweifel unterliegen, daß dieses Sand- oder Dünenlaud der ostnordöstlichste, an den babylonischen Euphratlaus angrenzende Theil der syrischen Wüste ist. Auch die für Ehawilah genannten Prodnete, vor allem das Gold und der ^chohamstein paffen hierfür besser als für irgend