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Der Israelit · 1881-11-02 · Heft 44 (2.11.1881) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 44 (2.11.1881)
Date
1881-11-02
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Zweite Anlage zu IIr. 44 des Israelit. Leitender Artikel. Me „öudenfrage" vor der Augusttzonferenz. in. ,8. Das Korreferent bewegt sich natürlich in demselben Ideenkreise, von dem das Referat beherrscht ist. Die Heger sucht dasselbe zwar von den Nöckschößen der konservativ-orthodoxen Partei abzusckmtteln, was aber wohl kaum gelingen wird , so lange noch ein Herr Stöcker ans den Bänken dieser Partei sitzt. Daß es wünschenswerth sei, die Emancipation der Juden rückgängig zu machen, spricht der Redner nicht mit dürren Worten ans, aber der Hinweis darauf läßt sich nicht verkennen. Das Resultat dieser Reden ist nun die Resolution, welche die Bewegung gegen die Juden als eine nationale anerkennt, da der Einfluß der Inden ein zu merkbarer geworden, gegen welchen man das christlichgermanische Leben schützen wollte. Sie bedauert die Excefse und ermahnt die Ehristen, eingedenk zn bleiben, daß „das Heil von den Inden komme", aber auch ein solches Staatsleben zu führen, daß die Inden an ihm Gefallen finden und z um Ehristenthum geführt werden könnten. Was sich gegen den ersten Theil der Resolution sagen läßt, ist bereits in unfern ersten beiden Artikeln enthalten,- es bedarf der zweite Theil noch einer besonderen Besprechung. Die Ehristen werden aufgefordert, eiil Volks- und _ Staatslebm. darzustelleu, durch welches die Inden für das Ehristenthum gewonnen werden um den christlichen Staat wieder herzustelleu. Die Resolution gibt also zu, daß das Volks- und Staatsleben bisher nicht ein solches gewesen, welches die Juden zum Uebertritt zum Ehristenthum hätte verlocken können; andererseits wird hervorgehoben, daß die Juden zersetzend auf Volks- und Staatsleben gewirkt hätten. Es muß also einmal eine Zeit gewesen sein, in welcher ein Zustand schuldloser Frömmigkeit und mustergiltigen Lebenswandels unter den Christen geherrscht habe, dieser paradiesische Nnschgldszustand muß aber aus der Zeit datiren, da der Urgroßvater die Urgroßmutter nahm, aus der Zeit, da die Juden noch nicht „zersetzend" auf das Volksleben wirken konnten, aus der Zeit vor der Emancipation. Es ist ja bekannt, daß man die irreligiöse Gesinnung, die in der Reuzeit öfters zum Ausdruck kommt, die Verwilderung der Sitten, über welche eine gewisse Partei so viel zu klagen weiß, dem Einfluß jüdischen Wesens zuschreibt. Ohne uns näher auf eine Darlegung des Eulturzustandes des alten Deutschland einzulassen, wollen wir nur bemerken, daß wenn den Gemüthern die Religion abhanden gekommen ist, wenn Einfalt des Herzens und Einfachheit der Sitten geschwunden, nicht die Inden die Schuld tragen, daß hier andere Factoren dem Unglauben die Bahn gebrochen, dem Unglauben, der in dem Nihilismus eine giftige Frucht gezeitigt hat. Die Encyclopädisten, der germanische Baron Holberg und der französische d'Alembert an ihrer Spitze haben den Boden vorbereitet, auf dem der Unglauben bis zur Verzerrung seine Blütheu getrieben hat — die Eucyelopädisteu aber waren keine Inden. Run aber soll ein Leben geführt werden, das die Juden für das Ehristenthum gewinne. Run, gute Besserung! wünschen wir von Herzen allen Denen, welche durch ihre Rohheit und ihre Sünde gegen das Strafgesetz ihrem Ehristenthum keine Ehre machen, daß aber eine solche Besserung das Wunder einer Massentaufe bewirken sollte, bezweifeln wir sehr. Was sollte es auch euch, ihr Herren von der Eonsereuz, nützen. Stecken in dem Juden als Jude von Rare solche böse Eigenschaften, wie ihr sie voraussetzt, steckt ihm einmal der Teufel im Blute, so treiben ihn doch drei Tropfen Wasser nicht heraus. Haltet ihr aber dieses dennoch für möglich, o so kehret erst vor eurer Thür und erprobet eure Kraft an euren eignen Schafen und treibt aus den Zank-, Streit-, Sauf- und Mordteufel, der in so vielen eurer christlich geborenen und erzogenen Brüder steckt. Erst erprobet au diesen die Kraft eurer Rede und Belehrung. Das ist eine Mission des Schweißes der Edlen werth — aber werden die Herren auch sich dazu verstehen können, das edle Werk der Menschenerziehung zu üben? Wir glauben's nicht, sie werden sich ihr eigenes Handwerk nicht selbst legen; würde wohl der Weizen ihres Hetzgeschäfts blühen, wenn die Menschen zur Tugend und Menschenliebe erzogen würden?

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