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Der Israelit · 1881-10-26 · Heft 43 (26.10.1881) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 43 (26.10.1881)
Date
1881-10-26
Page
– (sequence 16)
Language
German
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1084 unsrer Stelle vom paradiesischen Gichon erzählt wird. — Den entgegengesetzten Weg schlägt eine andere Gruppe von Erklärern ein, indem sie, von der als feststehend angenommenen Identität von Kusch-Aethiopien ausgehend, den dieses Land, nach den Worten der Bibel, umfließenden Gichon, für den Nil hält. Die verschiedenen Arme des Nil (weißer, blauer Nil) umsrrömen nämlich Aethiopien, namentlich das Land Meroö, wie ein Blick auf die Karte zeigt. Schon die Alexandrier setzen Jer. 2 , 18 für Nil, und ebenso erklärt cs Josephus (Archäol. 1,1, 8 3), so daß man leicht zu der Annahme gelangen kann, daß es der Name dieses Flusses sei, wenigstens soweit er Aethiopien umfließt. Dieser Bestimmung haftet aber die Schwierigkeit an, daß dadurch der Gichon unverhältnißmäßig weit entfernt von den beiden anderen Strömen gedacht werden muß. Um dem auszuweichen und einen asiatischen Fluß für den Gichon zu finden, haben Andere das Kusch des Paradieses vom aethiopischen getrennt, und den Gichon dem Oxus (arabisch Gaichum) gleichgesetzt. Eine bereits den Griechen bekannte Völkerschaft, Namens Kossäer, welche man sich willkürlicherweise als dort wohnend dachte, wird zur Erklärung des Ländernamens „Kusch" herangczogen. Andere haben sich von einer entfernten Lantähnlichkeit leiten lassen und halten den Gichon für den indischen Fluß Ganges, welchem wir noch bei „Pischon" begegnen werden. Und, wie um alle Möglichkeit zu erschöpfen, wollen Einige in dem Gichon gar keinen Fluß, sondern den arabischen Meerbusen sehen, der sich um Aegypten und Aethiopien windet!!! Gewiß ein verzweifelter Ausweg. Wir behalten uns vor, das Faeit ans diesen Bestimmungen weiter unten zu ziehen, und gehen nun zu dem letzten, von der heil. Schrift an erster Stelle genannten Fluß über. VIII. Es ist im Laufe unsrer Darstellung klar geworden, daß die Unsicherheit in Betreff der Bestimmung der paradiesischen Ströme proportional in umgekehrtem Verhältnis; zur Deutlichkeit der heil. Schrift steht. Sicher bestimmt ist nur der eine Strom, bei dem gar keine nähere Bezeichnnng steht, und die Unsicherheit wächst, je detaillirter der betreffende Strom bezeichnet ist. Diese Bemerkung hat auch in Betreff des Pischon ihre Giltigkeit. Die hier herrschende Unsicherheit und Verschiedenheit der Meinung ist womöglich noch größer als beim Gichon, trotzdem, oder weil, die heil. Schrift die genaueste Beschreibung von ihm gibt. Er umfließt das Land Chawilah, wo das Gold ist, das Goto des Landes ist berühmt und fernere Produkte sind: Bedolach und Schohamstein. Wir wiederholen hier die Angaben der heil. Schrift, um zu zeigen, wie selbst nebensächliche Bestimmungen die Forscher zu unsicheren Schlüssen verleiten. Indien war bekanntlich das klassische Goldland. Die bekannte Fahrt nach Ophir, zu der König Salomo in Gemeinschaft mit Hiram Schiffe ausrüstete, scheint nur Indien zum Zielpunkt gehabt" zu haben, wie es nach neueren Untersuchungen festzustehen scheint, daß Ophir in Indien zu suchen sei. Der hauptsächlichste Zweck dieser Fahrt war Gold. Das Gold von Ophir wird in der heil. Schrift als das kostbarste gerühmt, und wird in derselben häufig erwähnt. Vergl. z. B. Ps. 45, 10., Jes. 13, 12 und noch an vielen Stellen. Der Golddurst vcranlaßte Spanier und Portugiesen im 15. Jahrhundert, unbekannte Meere zu befahren, um einen Seeweg nach Indien zu finden, und hat Eolumbus zu seiner unsterblichen Entdeckung geführt. Er glaubte an eine der äußersten Grenzen Indiens gelangt zu sein, daher er denn auch den Eingeborenen der von ihm entdeckten neuen Welt den bis heute allgemein gebräuchlichen Namen „Indianer" gab. Als er 1452 aus Hispaniola landete und dort tiefe, unter der Erde fortgehende Höhlen bemerkte, glaubte er im Besitz des Salomonischen Ophir zu sein. Es ist nun nach dem Borausgeschickten sehr natürlich, daß mall in alter und neuer Zeit das Land Chawilah. dessen Gold so sehr gerühmt wird, mit Indien indentificirte. Conseguenterweise müßte der Pischon einer der Flüsse Indiens sein, und so erklärt auck schon Josephus den Pischon für den Ganges, so auch Abarbanel in fciucni Eommcntar und nach ihnen gar viele Gelehrte. Der Vergleich war eben gar zu verlockend. spätere Forscher meinten, cs wäre am passendsten, an den Indus zu denken, welcher der westlichste Grenzfluß Indiens ist. Deue steht aber entgegen, abgesehen von geographischen Schwierigkeiten, daß nicht abzusehen ist, wie der Ländernarlie Chawilah auf Indien passen soll. „Chawilah" von der Wurzel irn ist cht echt semitisches Wort und bedeutet etwa „Sandland", was nothwendigerweise auf ein sandiges Steppenland hinweist. Diese und ähnliche Gründe mögen die Veranlassung sein, daß Andere Pischon für den Nil nehmen; dieser Ansicht schließt sich der Gaon R. Saadjah an (Iben Esra a. a. O.), ebenso Naschi, der es mit etymologischen Gründen zu belegen sucht: die Samaritaner verstehen ebenfalls darunter den Nil und brauchen daher das Wort Pischon in dieser Bedeutung (Gescnius *. v.). Es scheint, daß diese Meinung auch dadurch entstanden ist, weil Chawilah (Genesis 10, 7) unter den Söhnen Kusch's aufgeführt wird, folglich nach dem Lande Aethiopien hinweist. Damit nun auch das Absurde nicht fehle, wollen wir nur noch anführen, daß Diejenigen, die im Gichon den arabischen Meerbusen gesehen haben, j Pischon für den persischen Meerbusen nehmen, um so

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