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Der Israelit · 1881-10-19 · Heft 42 (19.10.1881) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 42 (19.10.1881)
Date
1881-10-19
Page
– (sequence 25)
Language
German
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XXII. Jahrgang. Dritte Seilage;u Nr. 48 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 17. Oct. Wenn die Wogen des politischen Parteihaders solche traurige Blasen treiben, wie sie bei Gelegenheit der Reichtagswahlcampagne in Berlin und an anderen Orten Norddeutschlands mit ..ossicieller Indenhatz" an die Bildfläche des öffentlichen Lebens treten, berührt es gewissermaßen wohlthuend, wenn man neben den be—rühmten Ver- ^ammlungsberichten aus unserer Reichshauptstadt, me gewöhnlich mit „obligater Keilerei" ihren würdigen Schluß finden, auch von einer Versammlung Mittheilung machen kann, welche von der am ärgsten verschrieenen Partei Deutschlands — von den Socialdcmokraten — abgehalten wurde und deren Verlaus so manchen anderen auf ihre „Bildung" pochenden Gesellschaftsklassen als lobenswerthes Beispiel empfohlen werden kann. In einer gestern stattgefundenen Wählervcrsammlung stellte sich der Candidat der Socialdemokraten, Schriftsteller Wilh. L i ebkn e cht, ''einen Wählern vor. Im Verlaufe seines Hstimdigen, oft von rauschendem Beifall unterbrochenen Vortrages, berührte er die gewiß auf der Höhe der Zeit stehende „Judenfrage", und indem er dieselbe in seiner drastischen Weise beleuchtete, unterwarf er das Vorgehen der sog. „Antisemiten" vulgo konservativen einer vernichtenden Kritik. Er rollte vor seinen Zuhörern, gestützt auf geschichtliche That- 'achen, ein Bild des jüdischen Völkerlebens, speciell in unserm Vaterlande, auf, schilderte in klaren Zügen, das den Launen einer jeweiligen Regierung unterworfene „Geduldetsein" der Juden und bewies durch Beispiele, daß dieselben zur Zeit mit unerbittlicher Consequenz von jeden! Handwerk ausgeschlossen, gewissermaßen gezwungen waren, ihre ganze geschäftliche Thätigkeit dem Handel zuzuwen- )en. „In unserem aufgeklärten Jahrhundert" —schloß Jer Redner diesen der „Judenfrage" gewidmeten theil seines Vortrags — „in welchem wir Lesfing's ,Nathan der Weise" besitzen, ist es eine Schmach :iü das deutsche Volk, das Volk der Deuker, daß seinen Grenzen eine, lebhaft an die Zeiten des Nittelalters erinnernde Judenhatz inscenirt werden onnte." Dieser von lebhaftem Applaus begleitete rheil seiner Rede, ist wohl geeignet an maßgebender Stelle Würdigung zu finden und wird den antiscnlitischen Bestrebungen in unserem engeren Vaterlande (Hessen) einen geeigneten Dämpfer aufsetzen, denn der selbst von seinen Gegnern hochgeachtete seitherige Reichstag-Abgeordnete Liebknecht ist kein Agitator gewöhnlichen Schlages, sondern ein weit über ■ jenen „professiouirten Judenhatzpredigern" stehender, , das Volk in seinem innersten Seelenleben studirender, wissenschaftlich gebildeter Mann. Erwähnenswerth ist jedenfalls noch, daß das aus ca. 3000 Personen bestehende Auditorium zum großen Theil sich aus der Landbevölkerung rekrutirte, welche bei den kraftvollen, von jedem „Gemachtsein" freien Auslassungen des Redners, über diese uns dem Auslande gegenüber auf's Tiefste discretirenden Judenverfolgungen, in lebhafteil Ausdrücken ihrer Entrüstung Luft machten. Es straft dieser Vorfall wohl die von gewisser Seite mit so großer Vorliebe verbreitete Annahme Lüge, daß gerade die Landbewohner am meisten gegen ihre jüdischen Mitbürger erbittert seien. Karlsruhe, 5. Ott. Der „Altkach. Bote" enthält folgende bcmerkenswerthe Mitthcilung: Die Deputation der Israeliten des Landes erschien am l7. Sept. zur Beglückwünschung im Palais des Großherzogs zu Karlsruhe. Auf den Dank für das Wohlwollen der Regierung gegenüber der Juden erhielt sie die Antwort des Großherzogs, daß er dafür keinen Dank verdiene, sondern nur seine Pflicht Ihne. Er wünsche, daß alle es erführen, daß seine Regierung eine srcisinnigc bleiben werde. Berlin, 0. Okt. Heute fand hier ein Monstreprozeß statt, zu dem 40 Zeugen geladen waren. Angeklagt sind die Redakteure der „Vossischen" und „National-Zeitung", Stephany und Dernburg, und der Schriftsteller Thiele. Es wird darin über jene bekannte antisemitische Volksversammlung reserirt, in welcher Henrici den Vortrag über die Judenfrage gehalten. Nachdem die Schilderung die turbulenten eenen beendet, heißt es zu Schluß des Berichts: „Die Polizei im Innern trat bei keiner Gelegenheit in Aktion, aber desto mehr die draußen am Dönhossplatze, wegen der sich bis auf die Straße fortspinnenden blutigen Hetzen". Rach der Anklage stellt dieser Bericht wahrheitswidrig bcu Hergang dieser Volksversammlung so dar, daß der überwachende Polizeiosfizier sie pflichtgemäß unbedingl bä tu-

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