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Der Israelit · 1881-09-28 · Heft 39 (28.9.1881) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 39 (28.9.1881)
Date
1881-09-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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988 wäre nnd genau Acht gegeben hätte, so würde ich meinen, es ginge nicht mit rechten Dingen zu."" Hans Gurke erhielt das Geld für die 381 Himpten und kehrte in sein Dorf zurück. Beruhigt i war er nicht. Der Verlust der 19 Himpten schmerzte ihn sehr. Vergeblich zerbrach er sich den Kopf darüber, wohin diese wohl gekommen seien. Als er am nächsten Sonntag in der Schenke saß und mit betrübter Miene das große Ereigniß erzählte, sagte Jürgen Kretschmar, der Barbier: Weißt Du auch gewiß, Hans Gürke, daß der Jude richtiges Maß hat?" „„Der Hinipten ist ja geaicht,"", antwortete Hans, „„und Joseph Davidsohn ist ein ehrlicher Mann."" „Jude bleibt Jude," sprach mit überlegener Miene der weise Bartscheerer. „Wenn Du mir folgst, so triffst Du für das nächste Mal Vorsichtsmaßregeln, nimmst Dir zum Abmessen zwei Zeugen, und wenn Du wieder zu weniges Maß hast, so gehst Du direct zum Herrn Amts-Assessor." Während dieses in Bieblinghausen verhandelt wurde, war in Kinsingen ein Fremder aus H. eingetroffen. Derselbe war ein Schadchen und hatte für Simon, den ältesten Sohn Davidsohns, eine vorzügliche Partie anzutragen, ein junges, reiches, schönes Mädchen aus hochgeachteter Familie. Simon wurde herbeigerusen und hörte mit finsterer Miene zu, wie Joel Marcus, so hieß der Schadchen, die Vorzüge der Heirathskandidatin aufzählte und herausstrich. „Vater," sagte er, „der Mann soll seine Mühe sparen. Ich heirathe kein geschadchentes Mädchen. Das ist gegen meine Grundsätze." „ „Dummes Zeug," " schrie Davidsohn, „ „Grundsätze! Ich weiß, was Dich im Kopfe steckt. Das merke Dich, ich werde nicht dulden, daß Du unter Deinem Stande heirathest. Was würden alle meine vornehmen Bekannten dazu sagen, wenn die Tochter eines Dalphens als meine Schwiegertochter in mein Haus einzöge!"" „Vater," sagte Simon; „ich will überhaupt noch nicht heirathen." Der Schadchen mußte unverrichteter Dinge wieder abziehen. Einige Tage nachher brachte Hans Gürke wiederum eine Ladung Waizen. Auch diesmal sollten es 400 Himpten sein; auch diesmal ergaben sich beim Abmessen 381. „Herr," brauste Hans Gürke auf, „das geht nicht mit rechten Dingen zu! Ihr habt kein richtiges Maß!" Davidsohn wurde zornig. „„Will Er das Maul halten, Er frecher Bauer!" " schrie er. „ „Was, ich hätte kein richtiges Maß? Ist mein Himpten nicht geaicht? Weiß nicht die ganze Welt, daß ich ein ehrlicher Mann bin?" " „Hm," brummte Hans Gürke, „Jude bleibt Jude." „„Laß Er mich das nicht noch einmal hören!" " .schrie Davidsohn in großer Erregung. „„Hier, nehme Er sein Geld und mache Er, daß Er fortkommt."" Hans Gürke zählte das Geld nach. „Da fehlen noch 19 Himpten," sagte er. „Wenn Ihr mir nicht das volle Geld für 400 Himpten bezahlt, so zeige ich Euch bei Gericht an." „„Das tyue Er nur,"" schrie Davidsohn, „„und jetzt nehme Er sein Geld und mache Er, daß Er fortkommt. Sonst lasse ich Ihn zum Hause hinausschmeißen!"" „Nein." sagte der Bauer, „ich nehme das Ge!) nicht!" Ohne Gruß ging er davon und begab sich direct auf's Amthaus. „Herr Amtsassessor," sagte er zu dein Beamten, „ich muß eine Anzeige machen wegen Betrugs." „„So,"" fragte der Beamte, „„wer hat Ihn. denn betrogen?"" „Der Jude Davidsohn." „„Was, ist Er verrückt? Davidsohn ist der ehrlichste Mann im ganzen Lande."" „Herr Amtsassessor, ich bitte um Gehör. Ich habe vorige Woche dem Juden 400 Himpten Waizen abgeliefert; ich habe sie sorgfältig gemessen; bei Davidsohn waren es nur 381 Himpten. Ich dachte mir gleich, daß das nicht mit rechten Dingen zugehen könne. Heute habe ich mir zwei Zeugen genommen und habe in ihrer Gegenwart den Waizen gemessen, genau und richtig 400 Himpten. Und jetzt sollen erwiederum 381 sein. Der Jude muß falsches Maß haben. Ich bitte, Herr Amtsassessor, schicken Sic den Amtsdiener mit dem Muster-Himpten vom Anu zu dem Juden und lassen Sie die Sache untersuchen." „„Es ist nicht möglich, Hans Gürke, Er mm sich irren!"" „Es ist nicht möglich, Herr Amtsassessor, iS kann mich nicht irren. Ich habe meinen Himpten gestern frisch aichen lassen. Der Jude ist ein Betrüger, es ist nicht anders." „„Ich muß ihm zu Willen sein; aber ich sage Ihm im Voraus, daß Herr Davidsohn im Rechte ist. Ich will selbst mitgehen und die Sache per-i sönlich untersuchen." " |! Der Amtsassessor begab sich in Begleitung decn Amtsdieners, welcher den Muster-Himpten trug, das Haus Davidsohns. ~ |

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