Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1881)
- Date
- 1881-08-31
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXII. Jahrgang. Zweite Beilage zu Ar. 35 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Gailingen, 18. Aug. Ein Festtag wurde vorletzten Samstag den 6. dss. (Schabos Nachmu) in unfern Mauern gefeiert, welcher noch lange im Gedächtniß aller Derjenigen bleiben wird, die denselben begangen haben. Es galt dem Jubiläum unseres würdigen Herrn Lißberger anläßlich der Feier 40jähr. Wirksamkeit als Religionslehrer und Kantor der hiesigen Jsraelitengemeinde. Am Vorabend wurde dem Jubilar vom Gesangverein „Eintracht" ein Fackelzug gebracht. Jung und Alt zog vor das Haus des Gefeierten, vor welchem, nachdem der Zug angelangt war, Gesammtchöre abwechselnd mit Quartetten in einer Weise aufgeführt wurden, die alle Zuhörer in Bewunderung versetzte. Nachdem sodann 2 Schülerinnen mit vassenden poetischen Ansprachen Bouquets und Kränze dem Jubilar überreicht hatten, erschien derselbe sichtlich überrascht und gerührt am Fenster seiner durch liebende Hände schon bei Tage reichlich bekränzten und mit einbrechender Dunkelheit herrlich illuminirte Wohnung, um in entsprechender Weise seinem Dankgefühle für die ihm dargebrachte Ovation Ausdruck ui geben. Die Ansprache schloß mit einem Hoch auf die coufessionelle Einigkeit der Gemeinde Gailingen, in welches die zahlreich Versammelten dreimal begeistert einstimmten. So war eine Feier würdig einaeleitet, die am folgenden Tage bis zur 'bäten Nacht in gelungenster Weise vor sich ging. Lamstag Früh wurde in der Synagoge durch Hrn. Bezirks-Rabbiner Dr. Löwen stein die Festrede gehalten, in welcher der Leistungen des Jubilars in den von ihm bekleideten Aemtern in würdiger Weise gedacht und besonders hervorgehoben wurde, wie dieser Festtag in gleicher Weise dem Gefeierten wie der Cultusgemeinde zur Ehre gereicht. Nach Schluß des Gottesdienstes wurde Herrn Lißberger vom Synagogenrath, Namens der Gemeinde, das Ehrengeschenk überreicht, bestehend in 4nem schönen Pokal und zugleich durch den Herrn öezirks-Rabbiner aus Auftrag des Gr. Oberraths?er Israeliten in Karlsruhe die Glückwünsche der sohen Behörde durch eine schmeichelhafte Zuschrift verbracht. Hieran reihte sich der Gratulationsbesuch einer Deputation des Synagogenchors, der, vor 40 Jahren durch den Jubilar gegründet und bis heute von ihm geleitet, eine Zierde des Gottesdienstes bildet. Auch diese überreichte ein passendes Ehrengeschenk mit Ansprache von Seiten des Präsidenten. So folgten nun Schaaren von Gratulanten, so daß die Wohnung des Gefeierten bis zur Mittagsstunde stets dicht angefüllt war von denen, die ihrem Gefühle der Freude und ihren Glückwünschen persönlichen Ausdruck verleihen wollten. Ohne Unterschied der Konfession, des Standes und Alters, Alles von Groß bis Klein eilte herbei, um dem würdigen greisen Jubilar die Hand zu drücken. Unterdessen hatte auch schon die Post viele herzliche Gratnlationsbriefe, Depeschen und werthvolle Geschenke von zahlreichen Verehrern, Schülern und Freunden ans nah und fern herbeigebracht. Um 3 Uhr, Mittags, setzte sich abermals ein großer Zug in Bewegung, um den Held des Tages aus seiner Wohnung zu dein beabsichtigten Festbankett in feierlicher Weise abzuholen. Ein Musik-Korps voran, sodann der Jubilar, zu dessen Seiten der Rabbiner und Vorsteher, gefolgt von den Ehrengästen, Kollegen des Jubilars, vom Synagogenrath, Gesangverein- Chor und der Ortseinwohnerschaft bewegte sich der imposante Zug durch die Hauptstraßen unter schmetternden Klängen der hiesigen Kapelle und unter Jubelrufen der Jugend zum Eafö Biederman, wo sich in dem Wirthschaftsgarten bald ein so ungezwungenes, heiteres Leben entfaltete, daß es als Abbild eines wahren Volksfestes bezeichnet werden kann. Gesang- und Musikvorträge wechselten mit ernsten und launigen Toasten ausgebracht auf den Jubilar und seine Familie, auf S. K. H. den Großherzog, auf die Gemeinde Gailingen, auf den Synagogenrath u. s. w. Oester ergriff der Jubilar das Wort um in wohl gelungener Rede seinen innersten Gefühlen, die ihn immer mehr überwältigten, Luft zu machen. Gegen 9 Uhr, Abends, wurdeder Gefeierte von den munteren Festgenossen mit Musik zu seiner Wohnung zurückbegleitet, während im Garten die Festfreude noch lange nachhielt. Der schöne Tag verlief ohne jede Störung in würdiger Weise. Ich schließe mit dem Wunsche, es möge dem Jubilar vergönnt sein, noch eine Reihe von Jahren in unserer Gemeinde so zu wirken wie bisher. Möge