Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1881)
- Date
- 1881-08-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 31. XXII. Jahrgang. Der Israelit. Ei» Central-Organ für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegeben von ör. 2ebmattn in Mainz. Mittwoch, den 3. August 3641 (1881). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 10 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 st. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt. Leitende Artikel: Die Welt des Geistes. — Zum neunten Ab. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Furth. Auerbach. Neustettin. — Holland: Amsterdam. — Feuilleton: Akiba. Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus München. 'Neustettin. Nicolai. — Oest.-U.ngar. Monarchie: Wien. Budapest. — Feuilleton: Salomon Rothenberger. — Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Stettin. Feuilleton: Aus den Papieren einer Schamesch-Familie. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisf?. Leitende Artikel. Pie Welt des Geistes. XIV. Mainz, den 28. Juli. Rabbi Schimeon ben Jochai sagte: Drei Kronen gibt es: Die Krone des Priesterthums; wer nicht in ihr geboren ist, kann sie durch keine Mittel und Wege erlangen, wie es heißt: sie soll ihm (dem Aharon) sein und seinen Nachkommen nach ihm; die Krone des Königsthums; wer nicht in ihr geboren ist, kann sie durch keinerlei Mittel und Wege erlangen, wie es heißt: Mein Knecht David soll ihnen Fürst sein bis in Ewigkeit. Aber bei der Krone der Gotteslehre verhält es sich nicht so; jeder, der sie nehmen will, mag kommen und mag sie nehmen, wie es heißt: Wohlan, all' Ihr Durstigen, kommet zum Wasser, und wer kein Geld hat, der kornme und kaufe und genieße, und kommet und kaufet ohne Geld und ohne Kaufpreis Wein und Milch! Die Krone der Gotteslehre, sie winkt jedem Israeliten und möchte gern schmücken jedes Haupt. Aber das Verlangen und die Sehnsucht nach ihr ist in unseren Tagen gar gering geworden. Noch vor hundert Jahren gab es in Deutschland zahllose Talmudschulen und eine Menge großer Jeschiboth; in ihnen wurden viele Tausende von Knaben und Jünglingen in der Lehre Gottes unterrichtet. Alle Wohlhabenden in Israel rechneten es sich zum höchsten Verdienste, Lehrer und Schüler zu unterstützen und mit allem Nothwendigen zu versorgen. Da blühte die Wissenschaft der Thora in allen Gauen des deutschen Vaterlandes, allüberall, wo Juden wohnten. Wie ist das doch so anders geworden in unseren Tagen! Der Durstigen gibt es nur noch wenige und die meisten Quellen sind versiegt. Vergebens würde man heute die Durstigen auffordern zum Wasser zu gehen, und man ist nicht mehr im Stande den edlen Wein der Thora ohne Kaufpreis anzubieten. Und doch ist Thora die Welt des Geistes, das Lebenselement Israels. Gegen alle Unterdrückungen und Verfolgungen vergangener Jahrhunderte fand unser Volk reichen Ersatz in der Welt des Geistes, die sein Eigenthum war. Was soll aus Israel werden, wenn'es seine besten, seine edelsten, seine heiligsten Schätze verlieren möchte? Es gibt für Israel keinen anderen Hort als die Lehre unseres Gottes und das Leben in ihr und für sie. '