Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1881)
- Date
- 1881-07-20
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXII. Jahrgang. Zweite Anlage zu Ar. 89 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzerr. Deutschland. Hechtsheiw, 18. Juli. Von Samstag auf Sonntag Nacht waren hier sieben bis acht Plakate folgenden Inhalts angeschlagen worden: „Hepp! X Hepp! Alle unsere Freunde und Gesinnungsgenossen rfordern wir auf, heute Nacht 12 Uhr an dem be-! stimmten Platze zu erscheiuen, damit wir gemein- /schaftlich gegen die Juden Vorgehen können!!!!! f Unsere Mitbürger bitten wir, wenn sie etwas hören, sich ruhig zuverhalten!!! Der Vorstand des Antisemiten-Vereins." Man hat indeß iu der verflossenen Nacht nichts gehört und die Ruhe wurde in keiner Weise gestört. Man glaubt deßhalb allgemein, daß es nur ein dummer Bubenstreich gewesen ist, durch welchen die Leute in Angst versetzt werden sollten. Feuilleton. Uus den papieren einer Schamesch- Iamilie. Von N a p h t a l i e Simon. I. Mit dem Ordnen der Hinterlassenschaft des vor Kurzem verstorbenen Synagogendieners der hiesigen Gemeinde beauftragt, fand ich unter dessen Papieren Aufzeichnungen, welche mich im hohen Grade interessirten. Der selige Abraham Löb bekleidete während eines Zeitraums von sechsunddreißig Jahren das Synagogendiener-Amt, bis er vor circa zehn Jahren, nach Erbauung der neuen Synagoge, in welcher bekanntlich ein sogenannter reformirter Gottesdienst mit Orgel, gemischter Chor u. s. w. abgehalten wird, pensionirt wurde. Diese Pensionirung hat zur Zeit großes Aufsehen in deu hiesigen Kreisen erregt; — die näheren Umstände, unter welchen dieselbe erfolgte, sind aus den mir vorliegenden Schriftstücken ersichtlich. Abraham Löb war der Vierte seiner Familie, welcher als Gemeindediener fungirte, schon sein Urgroßvater war als solcher hier angestellt und vererbte das Amt auf Sohn, Enkel und llrenkel. Unter den erwähnten nachgelassenen Papieren befinden M namentlich von dem Großvater des jüngst Verstorbenen höchst mittheilenswerthe Notizen, welche, abgesehen von dem Werthe, den sie für manche noch gegenwärtig exiftirende Familien durch vielfache Aufschlüsse über die Verhältnisse ihrer Voreltern besitzen, auch im Allgemeinen insofern von Nutzen sein dürften, als sie recht charakteristische Daten aus dem Leben einer jüdischen Gemeinde vor hundert Jahren enthalten. Der alte Araham Löb, nämlich der Großvater, hat auch in seinem Alte^ür seine Familie eine zusammenhängende DarstW^W^inM Lebens hinterlassen. In ähnlicher WelWWMHm dessen Enkel Aufzeichnungen, welche als “ MstMes Gegenstück zu der Darstellung des Großvaters dienen können. Mit Genehmigung der betreffenden Personen und unter Vermeidung alles dessen, was noch Lebenden gegenüber als Jndiscretion dienen könnte, übergebe ich das Folgende aus den Memoiren des Großvaters und des Enkels der Oeffentlichkeit. An der ursprünglichen Form und Darstellungs- Weise habe ich wenig geändert. Ich enthalte mich auf naheliegende Beziehungen und Vergleiche hinzuweisen; dem denkenden Leser ergeben sich solche von selbst. — Ein vergilbtes Heft trägt folgende Aufschrift: I. Aufzeichnungen der bemerkenswerthen Begebnisse aus meinem Leben und aus demjenigen, so sich in der heiligen Gemeinde zugetragen, in deren Mitte ich als Schamesch und Neman den heiligen Dienst verrichte; — um meinen Kindern und deren Nvchkommen Kunde zu geben von dem, was ihr Bater und Aeltervater erlebt und erfahren hat, — auf daß sie davon lernen und die Zeilen verstehen. Mein Vater, so gesegneten Andenkens, kam im Jahre 5469 nach Erschaffung der Welt in die hiesige Stadt. Widrige Schicksale und die Verfolgungen, welche in seiner Heimath gegen Israel sich wandten, hatten ihn Hinweggetrieben von dem Grabe der Eltern, von der Stätte seiner Jugend. Er war ein Mann von ausgezeichnetem Geiste und hatte zu den Füßen der größten Gelehrten seines Landes gesessen. Dort hatte er den reichen Schatz seines umfassenden- Wissens gesammelt, welches das höchste.