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Der Israelit · 1881-07-20 · Heft 29 (20.7.1881) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 29 (20.7.1881)
Date
1881-07-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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733 Bruder vergötterte das spätgeborene Kind, den Stammhalter des Geschlechts. Die gnädige Frau derhätschelte ihn nicht minder. Jede kindische Laune des Knaben mußte befriedigt werden; sein Wille regierte das ganze Haus; jede Ungezogenheit wurde als Genialität angesehen, bewundert und belohnt. Auch Sie, gnädiger Herr, haben redlich dazu beigetragen, den jungen Stammhalter Ihres Geschlechtes gründlich zu verziehen."" „Du hast Recht, Salomon; ich hätte als Senior des Hauses einschreiten und der verkehrten Erziehung ein Ende machen sollen. Allein auch ich war blind für den Jungen eingenommen. Als ich einst in Scharmbeck zum Besuche war, erhob der Junge ein furchtbares Geschrei und hieb wie toll auf den alten Peter los. Meine Frau Schwägerin stürzte eiligst in den Hof und schrie den armen Peter an: Er alter Esel, warum läßt Er den jungen Herrn so schreien? Kann Er nicht thuu, was der junge Herr Baron befiehlt? — Ne, Frau Baronin, sagte der alte Peter, das kann ich nicht. — Dann jage ich Ihn augenblicklich aus dem Dienste. Komm' her mein süßes Herzblättchen, was willst Du denn eigentlich? — Den Mond, den Mond, sagte der Junge plärrend, auf den offenen Ziehbrunnen deutend. Es war nämlich spät Nachmittags, und die Mondscheibe am Himmel spiegelte sich in dem Brunnen. Die konnte freilich der alte Peter nicht heraufholen. Wir lachten damals nicht wenig über die Geschichte, und der Junge wurde durch Zuckerwerk für den Mond entschädigt, den er doch einmal nicht bekommen konnte. Schon damals hätte ich ernstlich einschreiten und dafür sorgen sollen, daß der Junge eine andere Erziehung erhalte." „„Das ist aber nicht geschehen,"" sagte Salomon, „„und der junge Mann ist zu einem Egoisten erzogen worden, dem die Befriedigung seiner Launen und Vergnügungen höher steht als alles Andere. Sanfte Mittel helfen da nicht mehr. Man muß radicaliter einschreiten."" „Was soll ich thun?" „„Sie müssen ihn enterben!"" „Und das sagst Du mir, Salomon, der Du ein so guter Freund seines Vaters gewesen bist?" „„Es ist das einzige Mittel ihn zu retten!"" „Ich verstehe Dich nicht, Salomon. Wenn ich den Jungen enterbe, so ist er ganz verloren. Was soll er anfangen, von was soll er künftig leben?" „„Hören Sie mich an, gnädiger Herr. Mein Plan ist, daß Sie die Großnichte Ihrer seligen Frau Gemahlin, das Fräulein Bianca v. Buchen- I Hof, zu Ihrer Universalerbin einsetzen, unter der Bedingung, daß dieselbe den Baron Otto v. Otternberg heirathen muß. Ich weiß, daß er das Fräulein liebt, und der Gedanke an die Zukunft desselben hat ihn bewogen, mir zu versprechen, daß er sich bessern wolle, ein Versprechen, welches er leider nicht gehalten hat. Das Destament müßte so abgefaßt werden, daß der junge Herr Baron niemals das Recht erlange, über größere Kapitalien zu verfügen, Hypotheken aufzunehmen und dergleichen mehr. Schon, wenn sich das Gerücht verbreitet, daß der junge Herr Baron enterbt ist — schon dieses Gerücht wird zü seiner Besserung beitragen; denn dann wird ihm kein Wucherer mehr Geld borgen."" „Dein Plan ist gut, Freund Salomon, aber sehr schwer durchführbar. Nach den Bestimmungen unseres Hauses muß ich mein Vermögen auf den nächstberechtigten Erben vererben, und kann nur mit Landesherrlicher Genehmigung andere Verfügungen treffen. Ich habe auch schon an etwas Aehnliches gedacht und beabsichtigt, den jungen Verschwender unter Curatel zu stellen. Mein rechtskundiger Amtmann hat mir davon abgerathen, weil die Sache nur dann durchführbar ist, wenn die zunächst erbberechtigten Verwandten einen solchen Antrag stellen. Derartige Verwandte existiren aber nicht, und wenn ich und Otto heute sterben würden, so fiele das gelammte Vermögen dem Fiscus anheim. Dein Plan ist besser und wird sich vielleicht, wenn auch schwer, durchführen lassen. Noch heute will ich die einleitenden Schritte thun, die nöthigen Vollmachten ausstellen lassen und meinen Amtmann zur Betreibung der Angelegenheit nach Hannover senden. Freilich, wenn ich selbst Hinreisen könnte, so würde sich Alles schneller und besser machen. Allein, ich bin zu alt und zu schwach. Auch habe ich es nie verstanden, bei Fürsten, Ministern und Geheimräthen zu antichambriren." „Es wird auch so gehen. Der Herr Amtmann ist ein alter, treuer Diener Ihres Hauses; er wird Alles aufbieten, um zu verhüten, daß die Otternberg'sche Herrschaft in fremde Hände übergehe. Lassen Sie ihn herbeirufen, gnädiger Herr, damit wir ihm gleich unsren Plan vorlegen können."" Der Baron gab die nöthigen Befehle, und wenige Minuten nachher begrüßte Amtmann Gogreve seinen alten Freund Salomon auf das Herzlichste.! Auch er billigte den ihm vorgelegten Plan und zweifelte nicht an der Ausführbarkeit desselben. i (Fortsetzung folgt.)

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