Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1881)
- Date
- 1881-07-13
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447850-2447876--17779-2473796- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
702 \ „An der Südwestecke des Haram esch Scherif befindet sich wohl der schönste Rest der alten Mauer, doch ragt leider nur ein verhältnißmäßig kleiner Theil derselben aus dem Schutt hervor. Bei diesem Bau wurde kein Mörtel verwendet, aber man hat die großen Steinblöcke so schön aneinander gefügt, daß es nur schwer gelingt, die Spitzen eines Federmessers in die Fugen zu zwängen. Die Stirnflächen der Quadern sind mit höchster Sorgfalt behauen, und jeder von ihnen ist mit einem Rahmen umgeben, dessen Breite von 0,051 bis 0,127 Meter mißt und der 0,06 Meter tief in den Stein gehauen ward. In einer Entfernung von 11,8 Meter erhebt sich außerhalb des heiligen Bezirks neben der südwestlichen Ecke desselben ein alter Brückenansatz, der den Namen Robinsonbogen trägt, weil der Amerikaner Dr. Robinson, den man den Pionier für die planmäßige und wissenschaftliche Erforschung Jerusalems nennen darf, zuerst die Aufmerksamkeit auf diese schöne Ruine lenkte. Sie ist 15,24 Meter lang, und hat eine Bogenweite von 12,80 Meter- Leider fand man nur noch die drei untersten Schichten der Steine unter denen man Blöcken von 5,7 bis 7,6^ Metern Länge begegnete, theilweise in aufrechter Stellung. Die Lage, sowie das ganze Aussehen der.Werkstücke beweisen, daß dieser Bogen einst zu der Mauer gehörte. Quader für Quader wurde so aufgesunden, wie sie auß der Wölbung für ein jetzt 12—13 Meter tief unter Schutt begrabenes Pflaster von polirten Steinen gefallen waren, Neben den ersteren wurde auch ein Stück von einem Stützpfeiler entdeckt und unter dein Pflaster Ueberbleibsel eines weit älteren Bogens. In noch größerer Tiefe stieß man auf eine eigenthümiiche, in den Felsen gehauene Rinne, welche wohl als Wasserleitung diente, die lange vor dem Bau der Harammauern bestand und vielleicht auf Bekohl des Königs Hiskia ausgeführt wurde, von dem man weiß, daß er besonders eifrig für die Wasserversorgung Jerusalems thätig war. Sowohl die Stellung als auch die Größe des Robinsonbogens deuten auf die Bermuthung, daß er als erster zu einer ganzen Reihe von Bogen gehörte, welche eine breite Treppe trug, die vom Tyropononthale aus geradenwegs in das Mittelschiff der königlichen Säulenhalle „iL-toa Basilico" führte, welche an den südlichen Mauern des Herodestempcls gelegen war. Vielleicht klärt uns dieser Bogen auch über die Lage des vierten Thores an der Westseite des Tempelplatzes auf, von dem Josephus berichtet „es habe in die andere Stadt geführt und da gestanden, wo die Straße mit vielen Stufen zuerst thalabwärts und dann niedriger bergauf gegangen sei." Der „Stoa Busilica" selbst war 182,8 Meter lang 30,4 Meter breit und wurde von 162 korinthischen Säulen in drei Schiffe getheilt; das Mittelschiff soll 30,4, die Seitenschiffe sollen 15,2 Meter hoch gewesen sein. Das Deckengewölbe war mit erhabenen Holzschnitzereien verziert, das höhere Mittelschiff bestand aus polirtem Stein, und das ganze Bauwerk war bis auf's Kleinste mit größter Pracht ausgestattet. Wir können uns schwer eine Vorstellung von dem herrlichen Anblick bilden, den die von Bogen getragene 15,2 Meter breite Treppe, welche an einer Stelle ebenso hoch über dem Boden schwebte, als sie breit war, und die noch dazu bei einem stolzen Riesenbau ihr Ende fand, dargeboten haben muß." Die geehrten Leser sehen ans diesen Probe;;, wie genau, sorgfältig und anregend die Beschreibung gehalten ist; nicht minder schön sind die hinzugefügten Bilder. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz. 8. Juli. Eine hohe Ehre ist gestern unserem Mitbürger Herr L. Metzger, welcher seine Hochzeit mit Frl. Jda Badrian aus Eoblenz zu Capellen. (Hotel Bellevue) feierte, zu Theil geworden. Während des Festmahles kam plötzlich die Kunde, daß Se. Majestät, unser allergnädigster Kaiser, und die Frau Großherzogin von Baden nach Stolzenfels hinauf fuhren. Sofort intonirten die anwesenden Musiker vom 28. Regiment auf Veranlassung des Brautpaaren die National-Hymne. Bei der Rückkehr der Allerhöchsten Herrschaften war von dem Wirthe fr; Veranda festlich geschmückt worden, auf welcher di; Hochzeitsgäste und ein zahlreiches anderes Publikum Stellung genommen hatten. Sobald der Wagen in Sicht kam spielte fr: Capelle die „Wacht am Rhein", sodann: „Ich biu ein Preuße". Das Brautpaar, von dem Vater de; Braut geleitet, trat an den auf Befehl Sr. Majestä; haltenden Wagen, überreichte unter schicklicher Au spräche 2 Bouquets und wurde der gnädigsten Ansprache, die sich auf alle Lebensverhältnisse erstreckt;, und warmer Gratulation gewürdigt. Begeistertes Hochrufen des Publikums schallr. dem Wagen der leutseligen hohen Herrschaften nack Aus der Rheinprovinz, 5. Juli. Es in wahrhaft herzzerreißend, zu sehen, wie gegenwärtig di; kleinen Füchse den Weinberg des Herrn Zebaoth verwüsten. Namentlich geht es bei Eheschließungen ganz e; schrecklich zu. Diese werden häufig von auf jüdisch! religiösem Gebiete ganz unwissenden Lehrern voll-