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Der Israelit · 1881-07-13 · Heft 28 (13.7.1881) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 28 (13.7.1881)
Date
1881-07-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXII. Jahrgang. Zweite Beilage z« tlr. 28 -es Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. Von dem Prachtwerke „Palästina", von Ebers und Guthe (Verlag von Eduard Hallberger in Stuttgart) ist soeben das III. Heft erschienen. Dasselbe ist sehr reich ausgestattet. Das erste prachtvolle Bild zeigt uns den Oelberg von Zion aus gesehen. Ans Seite 40 wird uns ein jüdischer Baumwollreiniger in voller Thätigkeit gezeigt. „Die noch von der Hülse umschlossene Baumwolle wird ihm in Säcken zugetragen. Nachdem er sie gewogen trennt er mit einer Bögenfahne, auf die er kräftig mit dem Schlägel klopft, den Samen und die Hülsen von der Wolle. Die ersteren legt er auf ein Brett, und er wird sie, wenn seine Arbeit gethan ist, mit der Baumwolle zusammen vor den Augen des Besitzers abwiegen. Wo es der Raum gestattet, bedient man sich,' um doppelte Federkraft zu erzielen, zwei Bogen statt eines. In diesem Falle wird der kleinere von beiden an einem Balken der Decke befestigt, und der größere, welcher die Form einer Harfe trägt und Mandaf genannt wird, an ihm aufgehängt. Wird nun die lange Sehne des größeren Bogens in die Baumwolle geschlagen, so zeigen sich sogleich leicht ausfliegende lockige Wölkchen. Da hierbei der Bogen nicht gehalten zu werden braucht, so geht die Arbeit überraschend schnell von Statten. Die Baumwollenreiniger finden auch in Privathäusern Beschäftigung, wo sie mit ihrem Bogen die Füllungen der Matratzen und Divankissen reinigen und aufpolstern." „Wenn wir die Bazare verlassen und indem wir uns nach links wenden, die Davidsstraße wieder verfolgen, so gelangen wir endlich zu dem Haram esch Scherif, einer der ehrwürdigsten von allen heiligen Stätten. Hierher hat Abraham seinen Sohn geführt, um ihm, gehorsam dem Gebote des Herrn, den Tod zn geben; hier hat sich die Dreschtenne befunden, welche David dem Jebusiter Arafna für fünfzig Seckel Silber abkaufte und auf deren harten Boden er einen Altar errichten ließ, um auf ihm Brand- und Dankopfer darzubringen. Hier haben nacheinander die Tempel des Salomo, des Serubabel und des Herodes, die Burg Antonia und vielleicht sogar der Palast des Königs Salomo sich befunden, und heute noch stehen hier der Felsendom und die Moschee el Akca, sowie die Gebäude, welche einst von den Tempelrittern bewohnt wurden. Jede Spur des alten Altars und der Tempel des jüdischen Volkes ist längst von der Erde verschwunden, und das Streben, die Stätte, auf der sie gestanden, genau zu bestimmen, hat lange Zeit die dem Studium der Topographie des alten Jerusalem ergebenen Forscher auf's Härteste an einander gebracht. Zu voller Uebereinstimmung der Ansichten sind die Gelehrten noch heute nicht gelangt, aber das darf doch, so viel hier auch zerstört und dem Untergänge geweiht ward, mit Sicherheit angenommen werden,' daß der Hügel, auf dem das Haram esch Scherif steht, derselbe Berg Moria ist, der so eng mit allen Theilen der jüdischen Geschichte zusammenhängt, und daß auf dieser Höhe der Palast gestanden hat, dessen Pracht die Königin von Saba zur Bewunderung hinriß. „Der geheiligte Bezirk oder Tempelhof war von einer massiven Ringmauer umgeben, welche der jüdische Historiker mit begeisterten Worten beschreibt, und in der That strafen die Höhe dieser Mauern und die wundervolle Behandlung der Quadern, aus denen sie bestehen, des Josephus Beschreibung keineswegs Lügen, wie die Ausgrabungen, die Oberstlieut.mant Warren auf Kosten der englischen „Palestina Exploration Fund" bewiesen haben. Wo fände man leicht eine zweite Mauer, die sich, wie diese, bis zu 54/ Meter an einer und an einer anderen Ecke bis zu 42 Meter über dem Boden erhebe? Mit welchen Hülfsmitteln ist es gelungen, einen Stein, der 11,58 Meter lang, 1,21 Nieter hoch und 3,04 Meter tief ist, auf die Stelle zu schaffen, an der man ihn fand, nämlich 26 Meter über dem Boden. Hier 29, dort über 18 Meter tief sind die Mauern in Schutt vergraben und dennoch erfüllen sie den Beschauer mit Bewunderung, und so darf man wohl annehmen, daß sie zur Zeit ihrer Vollendung das schönste Stück Mauerwerk auf Erden gewesen sind. Und hoch über den Mauern ragte das weißschimmernde Gestein des Tempels himmelan. Der Sonnenschein spiegelte sich in den Goldplatten, mit denen er an vielen Stellen bekleidet war, und streifte die Höfe und Bogengänge, die ihn umgaben. Das Alles fügte sich zu einem Ganzen zusammen, das an Glanz und Herrlichkeit von keinem anderen Tempel des Alterthums übertroffen worden sein mag.

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