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Der Israelit · 1881-06-29 · Heft 26 (29.6.1881) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 26 (29.6.1881)
Date
1881-06-29
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Feuilleton. Die allgemeine deutsche H'atent- und Musterschutz-Ausstellung zu Frankfurt am Main. ui. Frankfurt, den 27. Juni. Es war an einem Sonntag, als ich das jüngste Mal die Ausstellung besuchte. feine große Menschenmenge ^strömte dem am Ende derselben errichteten bohen Thnrme zu; ich folgte dem Meuschenstrome, und bald bot sich mir ein eigenthüniliches Schauspiel dar. 5Inf einer Lchienenbäbn fuhren mit großer Schnelligkeit zwei von vielen Menschen besetzte Wagen bd)iu; _ keine Loeomotive führte den Zug, Pferde zogen ihn nicht; es schien, wie wenn die beiden Wagen, ganz allein, ohne irgendwelche treibende Kraft dahin führen. (*«? ist dies die cleetrische Eisenbahn der Herren Siemens u. .Halste in Berlin. Auch ich löste mir ein Billet für 2(> Pf. und machte die Fahrt mit. _ Der Weg führte durch drei künstliche Dunnels, beschrieb einen ovalen Kreis, den wir zweimal durchfuhren. Während wir so dahin brausten, kam nur der Gedanke, was wohl Jemand Zll dieser Erscheinung sagen würde, der das Wesen der Electrieitüt nicht kennt. Wir wissen, das; von der Maschinenhalle ans ein electrischcr Strom hergeteitet wird, welcher die beiden Wagen in Bewegung setzt. Da man aber von demselben wed er etwas hört noch sieht, so muß eill Uneingeweihter meinen, daß die beiden Wagen ganz allein dahin laufen. Und doch muß der denkende Mensch voranssetzen, daß eine treibende Kraft da ist, welche den Zug in Bewegung setzt. Wie thöricht sind doch die Menschen, welche die göttliche Weltenlenkung ilicht anerkennen wollen, weil sie dieselben mit ihren Sinnen nicht wahrnehmen! Jeder denkende Mensch, welcher mit unbefangenem (Keifte die Geschicke der Völker wie der Einzelnen betrachtet,. muß zu der Ueberzeugung gelangen, daß es der Wille des allweisen Gottes ist, welcher das Weltall leitet und regiert. Der allweise, allmächtige Schöpfer der Welt hat sich uns offenbart und uns dadurch in die Geheimnisse seiner Weltenlenkung eingeweiht; Er hat uns durch seine heiligen Gesetze die Strömung zukommen lassen, die zu Ihm emporführt. — Mit diesem Gedanken beschäftigt, verließ ich die eleetrische Bahn und begab mich in die internationale balneologische Ausstellung. Dieselbe umfaßt sehr viele Dinge, die zur Heilung von Krankheiten beitragen. Da haben eine ganze Reihe von Kurorten Proben ihrer Heilguellen ausgestellt. Dieser Theil der Ausstellung hat gewiß für jeden Juden ganz besonders Interesse. Es ist die jüdische Erbtugend,; das Rachmonus, welches sich in erster Linie dem I Kranken zuwendet. Gleich am Eingänge zog die - von August Feise in Hildesheim construirte ' Krankenbettstelle meine Aufmerksamkeit auf sich. Diese Bettstelle muß als eine große Wohlthat für solche betrachtet werden, welche längere Zeit an das Krankenlager gefesselt sind. Blos durch das Ausdrücken auf einen Knopf kann der Kranke das Bett in einen bequemen Lehnsessel umwandeln, der ihn sanft und leicht, ohne jegliche Beschwerde, in eine sitzende Stellung bringt. Will der Kranke das Bett verlassen, so öffnet sich das Fußende als Thür und gestattet ihm die größtmögliche Freiheit der Bewegung. Ebenso kann das Bett sehr leicht in eine solche Stellung gebracht werden, daß der Kranke im Lehnsessel sitzt,' während seine Füße die waagrechte Lage beibehalten. Auch ein Tischchen kann aus der Bettstelle herausgezaubert werden, an welchem der Kranke, nachdein. diese in ein Lehnstuhl umgewandelt, begnem seine Mahlzeiten einnehmen kann. Auch für die übrigen Bedürfnisse des Kranken, die ich hier nicht näher bezeichnen will, ist zur größten Bequemlichkeit desselben Sorge getragen. Ein solches Bett wird eine wahre Wohlthat sein in einem Hause, wo gelähmte oder altersschwache Personen stets auf bte liebende Sorgfalt ihrer Angehörigen angewiesen sind. Es ist ja bekannt, daß gerade die Juden kein Opfer schrnen, um kranken Familienmitgliedern irgendwelche Erleichterung zu verschaffen, und habe ich es deßhalb für angemessen gefunden, die Aufmerksamkeit meiner Glaubensgenossen auf dieses Krankenbette zu lenken. Ein Bekannter entführte mich der balneologischen Ausstellung, um mir die Gegenstände zu zeigen, welche die bereits von mir erwähnte Firma Betty Schnadig zur Ausstellung gebracht hat. Dieselbe leistet in Lieferung von Tisch- und Bettwäsche ganz Bedeutendes. Die Ueberzüge von Kissen und Steppdecken sind so wundervoll gestickt, daß stets ein ganzer Kreis von Damen die künstlerisch ausgeführten Handarbeiten bewundert; namentlich fesseln die ausgestellten Monogramme, Wappen rc. die Aufmerksamkeit aller Beschauer oder vielmehr Beschauerinnen. Lassen Sie mich noch der Patent-Wasserfilter der Herren Busse u. Evmp. aus Hamburg erwähnen, die für den Juden von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind. Durch diese kann man sehr leicht schmutziges Wasser, in welchen sich Thierchen befinden, in reines, trinkbares Wasser verwandeln. Man legt die Filter, die aus poröser Kohle besteht, in die schmutzige Flüssigkeit, und das reine Wasser fließt aus einem herabhängenden Gummischlauch

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