Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1881)
- Date
- 1881-06-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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617 früh von dem Besuche Arno's überrascht; er sah bleich aus. Seine Stimme zitterte, als er den „Guten Morgen" bot, und Kohn sah ihn besorgt und erschreckt an. „Kennst Du Somberg schon lange?" „Gewiß, seit meiner Universitätszeit." „Dann weißt Du vielleicht, ob er einmal in London war?" „Er hielt sich längere Zeit dort auf," antwortete Kohn anscheinend ruhig. „O, dann hole mir ihn her, diesen edlen Menschen, daß ich ihn an mein Herz drücke, denn er ist's, gewiß, er ist's, der mir das Tyeuerste, das ich auf Erden besitze, erhalten hat." Und Arno erzählte, daß seine Frau bei der Nachhausekunft sehr aufgeregt gewesen, ihn um Verzeihung gebeten, wenn sie ihm bisher einen Vorgang aus ihrem Leben verheimlicht habe. Dann habe sie ihm erzählt, was wir bereits wissen, von den Verfolgungen ihres Vetters, denen sie ausgesetzt war, von ihrer Verzweiflung und ihrer wunderbaren Rettung. Sie habe ihren Retter nicht gesehen, aber seine Stimme habe sich ihr tief im Gedächtniß eingeprägt, und diese Stimme habe sic gestern Abend zum ersten Male wieder gehört. Dieser Somberg sei ihr Retter gewesen, kein Anderer." Kohn konnte diese Vermuthung bestätigen, und wie sehr erstaunte Somberg, als er später bei Kohn eintrat und Arno ohne Weiteres auf ihn einstürmte und als seinen Netter ihn pries und ihm für alles Gute, das er ihm erwiesen, dankte. Somberg war verwirrt und betroffen und glaubte schon, Kohn habe das Geheimniß verplaudert, als dieser durch die Erzählung, wie Arno es erfahren, die Situation klärte. Für Hulda, welche Arno herbeiholte, und die dann erfuhr, daß Somberg, ihr Retter, erfahren, was sie zu dem verzweifelten Schritte getrieben hatte, war oadurch das Peinliche eines ersten Zusammentreffens mit Somberg genommen. Sie dankte mit einem innigen Händedruck. Eine fröhliche Mahlzeit vereinte die Freunde im Hanse Kohn's; seine Gattin hatte als liebenswürdige Wirthin alles Mögliche geleistet, um die Gäste zu befriedigen. Bald aber nahte die Zeit des Aufbruchs. „Weißt Du noch," sagte Arno beim Scheiden zu Kohn, „was Du mir nach der Versöhnungsfeier auf der Universität sagtest, als wir in der Nacht von einander Abschied nahmen? Viele, so glaubtest Du, welche in angeheiterter Stimmung den Ideen der Humanität und der Menschenliebe ein Hoch brachten, würden im Leben sich noch anders besinnen, nicht alle würden den ausgesprochenen Vorsätzen treu bleiben, in mich aber setztest Du das Vertrauen, daß ich stets den erhabenen Ideen leben werde, für welche ich damals schon eingetreten sei. Du hast Recht behalten: Viele sind abgefallen. Viele sind mir im Leben begegnet, welche die Studien nicht zu humanen Menschen gemacht haben, unter diesen auch Einige, die damals begeistert in die Hochs auf die Humanität einstimmten. Die traurige Deutschland schändende Hetze hat die Beweise geliefert. Ich habe mein Wort gehalten, was ich damals versprochen, habe ich gelöst und ohne Einfluß ist mein Wirken nicht geblieben. Nun lebet Alle wohl!" Der Abschied war herzlich und innig. In dem Lande, in welchen Arno Minister war, fand die Judenhetze keinen Boden. AIZEICIEK. Für den folgenden Thcil ist die Redaction nicht verantwortlich. 9V Inseraten - Annahme für Frankfurt a. M. bei I. Kauffmann, Buchhandlung; für Hamburg bei A. Goldschmidl, Buchhandlung, Kohlhöfen 35; für Cöln bei Leo Frank, Steinfeldergasse 7; für München bei N. Bettelheim, Färbergraben 29. Eine junge Dame, welche als Lehrerin ihre Staatsprüfung bestanden und als solche in Deutschland und Frankreich thätig war, soll mit einem tüchtigen Manne, am liebsten Lehrer, oder mit einem Kaufmann in gesicherter Stellung, verheirathet werden. Dieselbe besitzt ein baares Vermögen von Mk. 10,000. Offerten unter Chiffre W. D. 33 befördert die Annoncen - Expedition von I. Kauffmann in Frankfurt a. M. (2089 Billig zu verkaufen zwei noch gut erhaltene min ,_i£D, 35 Für mein Manufactur-, Kurz- und Matcrialwaarengeschäft suche ich sofort MT* einen Lehrling mosaischen Glaubens, mit guten Schulkenntnissen versehen. Nur selbstgeschriebene Offerten werden berücksichtigt. XL. Sonn- und Feiertage ist mein Geschäft geschlossen. Ziebingen bei Frankfurt a. O. 2082) Isidor Schüler. und 40 Ctm. hoch. (2028 A. Rothschild, Bornheimerstr. Nr. 3 Frankfurt a. M. CVür ein lsjähriges Mädchen wird ein Placement (kein Pensionat) gesucht, wo demselben Gelegenheit geboten ist, sich im Haushalte, der französischen und englischen Sprache, feinen Landarbeiten, Musik und gesellschaftlichem Vmgang weiter auszubiltzen. Offerten sud Nr. 2036 besorgt die Expedition d. Bl. 9965